Mit Gedanken und Perspektiven zum Themenkomplex Verständigung, Austausch und Begegnung von
Jonathan Leibovitz (Klarinette, Israel),
Johnny Gandelsman (Violine, USA) und
Robert Quinney (Orgel, Großbritannien)
At Home in the World: The Adenauer Concert Series
School materials
für Schüler:innen der Sekundarstufe II
Liebe Lehrkräfte,
herzlich willkommen! Wir freuen uns sehr, dass Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern Teil der »Zu Hause in der Welt: Die Adenauer-Konzertreihe« sind.
Anlässlich des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer und im Gedenken an die von ihm geprägten bilateralen Beziehungen bringt das Beethovenfest Bonn internationale Spitzenmusiker:innen in die Region.
An fünf Spielorten im Rhein-Sieg-Kreis präsentieren die Künstler:innen ihre eigenen Heimaten auf der Bühne – und repräsentieren damit jene Länder, die für Adenauers internationale Diplomatie von zentraler Bedeutung waren.
Ergänzend zu drei Konzerten dieser Reihe sind die vorliegenden Unterrichtsmaterialien in enger Zusammenarbeit mit den folgenden Künstlern entstanden:
- Johnny Gandelsman (USA, 18.9., Adendorf),
- Jonathan Leibovitz (ISR, 20.9., Petersberg) und
- Robert Quinney (GB, 24.9., Ollheim)
In der Schnittmenge aus historischem Anlass, bilateralen Beziehungen und den künstlerischen Positionen der drei Musiker verdichten sich die Themen Verständigung, Austausch und Begegnung zu einem gemeinsamen Kern. Anhand von ausgewählten Werken aus den Konzerten beleuchtet dieses Unterrichtsmaterial diese Themen aus historischer, musikalischer und persönlicher Perspektive – und eröffnet dabei neue Hör- und Sichtweisen. Die Inhalte laden zu vielfältigen Formen der Begegnung ein: künstlerisch, persönlich und im Miteinander.
Zur schnelleren Orientierung und Planung
Bei jeder Aufgabe ist eine ungefähre Zeitangabe vermerkt, die als grobe Orientierung dient und in der Gliederung zusammengefasst ist. Sie bezieht sich auf eine mögliche Variante der Umsetzung – je nach Gruppe, Vorwissen und Dynamik können die tatsächlichen Zeiten natürlich deutlich variieren.
Dabei sind die Materialien so aufgebaut, dass sie modular nutzbar sind: Sie können Aufgaben einzeln auswählen, vollständig übernehmen oder individuell anpassen, ergänzen und erweitern. Ergänzend lohnt sich möglicherweise auch ein Blick in die Materialien der anderen Künstler – auch wenn Sie deren Konzert nicht besuchen. Es kann eine bereichernde Ergänzung sein, den roten Faden von Verständigung, Austausch und Begegnung aus einer anderen Perspektive zu verfolgen.
Die Inhalte richten sich gleichermaßen an Schülerinnen und Schüler ohne, mit wenig oder mit viel musikalischem Vorwissen. Sie eignen sich für den Musikunterricht ebenso wie etwa für den Geschichts-, Politik- oder Deutschunterricht.
Die 4 Unterrichtsmaterialien
GliederungUnterrichtsmaterial 1) Jonathan Leibovitz: Erfahrungen, Gefühle, Wissen und Wahrnehmung
1.1) Euer Hören im Hörtagebuch
- 15 Min. (zzgl. Hausaufgabe bis zur nächsten Woche)
- 15 Min. Auswertung in der nächsten Stunde
1.2) Erwin Schulhoff: Eindeutiges und widersprüchliches Fühlen
- 10 Min. Sammlung eigener Erfahrungen
- 20 Min. Hörbeispiele
1.3) Paul Schoenfield: Emotionen beobachten
- 20 Min.
1.4) Paul Ben-Haim: Wie verändert Wissen unser Zuhören?
- 45 Min.
1.5) Emotionssensible politische Urteilsbildung
- 30 Min.
1.6) Johannes Brahms: Verändert Alter unsere Ausdrucksweise?
- 45 Min.
Unterrichtsmaterial 2) Jonathan Leibovitz: Kommunikation
2.1) Johannes Brahms: Im Dialog
- 10 Min. Merkmale Dialog
- 15 Min. Hörbeispiele
2.2) Clara Schumann: Das wiederkehrende Thema
- 20 Min.
- 45 Min.
Unterrichtsmaterial 3) Johnny Gandelsman: Wie geht ›Austausch‹?
- 20 Min
- 90 Min (bzw. Recherche-Aufgabe als Hausaufgabe und 45 Min. Umsetzung im Unterricht)
3.3) Die Verbindung zwischen Bühne und Publikum
- 10 Min.
3.4) Hören passiert. Zuhören verändert.
- 30 Min.
- 15 Min. Informationen zu dem Werk Reflections von Ebun Oguntola in Videos
- 15 Min. Informationen zu dem Werk Music for Solitude von Justin Messina in Videos
- 45 Min. Erarbeitung von eigenen Beiträgen als Hausaufgabe, Open-Stage in der Unterrichts-Einheit
Unterrichtsmaterial 4) Robert Quinney: Resonanz
- 45 Min.
4.2) Die Resonanz von Menschen
- 45 Min.
4.3) Was kann Unvollkommenheit?
- 20 Min.
- 20 Min. Gegenüberstellungen aus dem eigenen Alltag
- 30 Min. Gegenüberstellungen in Hörbeispielen
4.5) Wo Kontraste an ihre Grenzen stoßen
- 15 Min. Höraufgabe (ggf. als Hausaufgabe)
Gut zu wissen
Die Nutzung des Unterrichtsmaterials ist kostenlos. Klassen können ermäßigte Konzerttickets für die darauf bezogenen Konzerte für 5€/Schüler:in erwerben. Lehrer:innen melden ihre Gruppen per E-Mail unter mitmachen@beethovenfest.de oder telefonisch unter +49 228 2010323 an. Die Teilnehmer:innenzahl ist begrenzt, die Zuteilung erfolgt nach Eingang der Anmeldung.
Zu den Künstlern und zum Beethovenfest 2026
Johnny Gandelsman, Violine (USA, 18.9., Adendorf)
Eine historische Wasserburg mit Park, Graben und festlichem Saal trifft auf die musikalische Vielfalt des amerikanischen »Melting Pot«: Johnny Gandelsman ist mit seinem Solo-Programm This is America! in der Burg Adendorf zu Gast. Er war bereits mit seinem experimentierfreudigen Streichquartett Brooklyn Rider beim Beethovenfest zu erleben. Während der Corona-Pandemie ließ er sich von 20 US-Komponist:innen Musik auf den Leib schreiben. Entstanden ist daraus ein Album: eine Anthologie der schwierigen Jahre von 2020 bis 2021 und ein Querschnitt seines Heimatlands, von klassischer Avantgarde über Jazz bis Pop.
Nach Adendorf bringt Gandelsman daraus zwei nachdenkliche Stücke in zeitgenössischer Musiksprache von Ebun Oguntola und Justin Messina mit. Beide reagieren unmittelbar auf die Verunsicherung und Einsamkeit zu Beginn der Pandemie. Gandelsman kombiniert die neue Musik mit zwei Cellosuiten von Bach, die er selbst für Violine arrangiert hat. Es ergibt sich ein vielschichtiges Porträt der USA, das als Teil unserer Reihe im Rhein-Sieg-Kreis anlässlich des Adenauer-Jubiläumsjahrs an die Bemühungen des ehemaligen Kanzlers um Westbindung erinnert.
Jonathan Leibovitz, Klarinette (ISR, 20.9., Petersberg)
- , Steigenberger Grandhotel Petersberg
Jonathan Leibovitz & Friends
Chamber MusicCharlotte Saluste-Bridoux, Eylam Keshet
Schumann, Brahms, Ben-Haim
In der lichtdurchfluteten Rotunde auf dem Petersberg hoch über Bonn lässt Jonathan Leibovitz deutsche Romantik von Clara Schumann und Johannes Brahms auf Musik jüdischer Komponisten des 20. Jahrhunderts treffen. Als Teil der diesjährigen Beethovenfest Talents präsentiert sich der junge israelische Klarinettist im Duo und im Trio – in dieser Besetzung mit Paul Schoenfields lebhaftem Klezmer-Stück, das der Amerikaner 1990 kurz vor seiner Auswanderung nach Israel schrieb. Auch Paul Ben-Haim emigrierte 1933 aus Deutschland dorthin und avancierte zum National-Komponisten. Besonders am Herzen liegt Leibovitz die Suite von Erwin Schulhoff, einem experimentierfreudigen Avantgardisten böhmisch-jüdischer Herkunft. Für das Konzert hat er das frühe Werk eigens arrangiert. Ein vielseitiger Abend, der in unserer Länder-Reihe zum Adenauer-Jubiläum im Rhein-Sieg-Kreis Israel gewidmet ist. Mit dem jungen Staat knüpfte Konrad Adenauer als Kanzler der Nachkriegszeit ein starkes Band der Versöhnung.
Robert Quinney, Orgel (GB, 24.9., Ollheim)
Robert Quinney hatte die berühmtesten Organistenposten Englands inne: am King’s College Cambridge, an der Londoner Westminster Abbey und am New College Oxford, seiner aktuellen Heimat. Der ausgewiesene Experte bringt die historische Orgel von St. Martinus aus dem Jahr 1768 zum Klingen. Sein Programm reicht von der Renaissance und dem Barock über die Klassik bis zur Gegenwart – stets mit einem Faible für das Spielerische: harmonische Rätsel, Tonsymbolik oder Stücke für mechanische Spieluhren. Mit dabei ist ein selten zu hörendes Stück, das Beethoven im Jahr seiner ordentlichen Aufnahme in die Bonner Hofkapelle verfasste. Der Neunzehnjährige stellte sich eine harmonisch herausfordernde Aufgabe: Er durchläuft in rascher Folge »alle Dur-Tonarten« – so elegant und mühelos wie möglich. Die historische Stimmung der Ollheimer Orgel verleiht jedem Akkord eine charakteristische Farbe.
Als Teil der Festivalkonzerte im Rhein-Sieg-Kreis, die im Adenauer-Jubiläumsjahr den außenpolitischen Beziehungen des Kanzlers gewidmet sind, repräsentiert Robert Quinney mit seinem Gastspiel Großbritannien – ein Land, das bei Adenauers Einsatz für die europäische Integration von zentraler Bedeutung war.
Beethovenfest Bonn 2026
Das diesjährige Motto »Nach Hause/Daheim« steht für ein Beethovenfest der offenen Türen. Heimat bedeutet für uns kein Rückzug in die Isolation. Im Gegenteil: Gastfreundschaft und interkulturelle Begegnungen machen eine Gesellschaft erst lebendig. Liebevolle Gastgeberschaft ist für uns Heimat – und Musik der schönste Anlass, dieses Gefühl zu zelebrieren.
Vom 3. September bis zum 3. Oktober 2026 feiern wir die lang ersehnte Rückkehr in die sanierte Bonner Beethovenhalle. Zudem laden wir an über 25 Spielstätten in Bonn und der Region zu Begegnungen ein.
In diesem Rahmen setzen wir unsere bewährte Rhein-Sieg-Kreis-Konzertreihe fort, die dieses Jahr im Zeichen von Konrad Adenauers 150. Geburtstags steht: Fünf ausgewählte Spielorte im Rhein-Sieg-Kreis – vom Grandhotel Petersberg bis zur historischen Fabrik – widmen sich musikalisch den Länderbeziehungen der Nachkriegsära zu Frankreich, Großbritannien, Polen, Israel und den USA.
Darüber hinaus erwarten das Publikum grenzgängerische Erlebnisse von Tanztheater, Jazz und Electronica bis hin zu klassischer Kammermusik.
Gegründet 1845 in Beethovens Geburtsstadt, verbindet das Beethovenfest Bonn Tradition mit Moderne. Es zielt darauf ab, den Geist des jungen, progressiven Beethoven durch internationale Künstler:innen im 21. Jahrhundert neu erlebbar zu machen.
Und jetzt?!
Eure Rückmeldungen!Wir freuen uns über Rückmeldungen per E-Mail an Julia Klein unter mitmachen@beethovenfest.de.
Sendet uns gerne:
- Videoclips & Ergebnisse: Kurze Eindrücke oder Unterrichtsergebnisse der Schüler:innen, die wir in unserem Magazin veröffentlichen
- Beiträge fürs Meet & Greet: Bringt Ideen und Gedanken der Jugendlichen direkt zu den Treffen mit den Künstlern mit.
- Feedback: Anregungen, Wünsche oder Kritik zur Weiterentwicklung des Materials.
Auch bei Rückfragen stehen wir selbstverständlich zur Verfügung.
Wir danken Ihnen für Ihr Engagement und wünschen Ihnen sowie Ihren Schülerinnen und Schülern viel Freude beim Entdecken und Gestalten!
Ihr Team der Musikvermittlung
Impressum
Redaktion
Julia Klein
Text
Anna Lieb
Konzept
Johnny Gandelsman
Jonathan Leibovitz
Anna Lieb
Robert Quinney
Stand
Juni 2026


