Kontraste verändern häufig das eigene Wahrnehmen. Sie geben Orientierung, ermöglichen Vergleich, lassen das Eigene klarer hervortreten. Wer nie etwas anderes gehört hat, weiß oft nicht, was das Besondere am Vertrauten ist.
Manchmal wird dabei auch deutlich, wie verschieden Wahrnehmungen sein können. Was für eine Person ein klarer Unterschied ist, klingt für jemand anderen fast gleich.
Konstrukte wie ›Nationale Stile‹, ›kulturelle Eigenheiten‹, das vermeintlich ›Typisch-Britische‹ oder ›Typisch-Deutsche‹ können zum Verstehen sehr nützlich sein.
Wenn wir aber behaupten, William Byrd und Orlando Gibbons würden britisch klingen, beziehen wir uns nur auf einen Teil der Wahrnehmung. Denn die Werke der beiden Komponisten sind für Robert hörbar von spanischen Einflüssen durchzogen. Der Komponist Dieterich Buxtehude gilt als norddeutsch – und ist tief in der italienischen Tradition verwurzelt. Robert spielt als britischer Organist Mozart und Beethoven vor einem deutschen Publikum – und dabei entstehen neue Perspektiven, auf beiden Seiten.
Grenzen, die beim Verstehen helfen, können also sehr wertvoll sein – im Gegensatz zu Grenzen, die Austausch verhindern.
Die Orgel ist dafür ein gutes Beispiel. Sie gilt als europäisches Gemeinschaftsprojekt – nicht weil alle dasselbe gespielt haben, sondern weil Einflüsse über Jahrhunderte gewandert sind: sie wurden aufgenommen, verändert und weitergegeben. Der Austausch war kein Sonderfall, sondern eher der Normalzustand.
Robert beschreibt sein Programm daher eher entlang zweier Achsen:
- Achse 1 – Emotional: von introspektiv (nach innen, still, persönlich) bis extravagant (nach außen, virtuos, laut)
- Achse 2 – Intellektuell: von reflektierend und analytisch (durchdacht, komplex) bis unmittelbar und intuitiv (direkt, aus dem Bauch heraus)

