Unsere Ohren nehmen rund um die Uhr Schallwellen auf – sie schalten nie ab. Zuhören aber ist eine bewusste Entscheidung: Wir filtern aus einem ständigen Mix von Autolärm, knallenden Türen, Wind und Stimmengewirr genau das heraus, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten wollen.
Doch selbst dabei gibt es große Unterschiede. Hören wir nur mit halbem Ohr hin, weil wir sowieso schon zu wissen glauben, worum es geht? Denken wir innerlich längst ans Essen? Oder legen wir uns im Kopf schon unsere nächste Antwort zurecht, anstatt wirklich aufzunehmen, was gerade passiert? Wahres, tiefes Zuhören geht einen großen Schritt weiter.
Johnny hat genau über diesen Unterschied sein Musizieren radikal verändert – nicht durch noch mehr technische Übung, sondern durch diese völlig andere Art des Hineinhorchens.
Er hörte Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlichsten musikalischen Welten fernab der westlichen Klassik zu – von irischem Folk über rumänische Roma-Musik bis hin zu persischen und indischen Klängen.
Er war fasziniert von deren Art der Kommunikation - auf und neben der Bühne. Sie spielen nicht einfach Töne ab, sondern hören einander extrem intensiv zu. Dieses »Hyper-Listening« erzeugt einen Sog, der auch das Publikum unweigerlich in seinen Bann zieht.
Als Johnny sich vornahm, Bachs berühmte Cellosuiten für die Geige zu arrangieren, tat er etwas Ungewöhnliches: Er löste sich vom klassischen Notenblatt und erarbeitete sich die Stücke verstärkt nach Gehör – genau so, wie es in Folk-Traditionen seit Jahrhunderten üblich ist. Das veränderte seine Art zu musizieren. Er spürte in Bach tief verwurzelte Tänze, den Freiraum für Improvisation und eine direkte, körperliche Energie. Die Fachpresse feierte die Aufnahmen später genau für dieses tänzerische und befreite Gefühl.
Hier hat Johnny seine Gedanken dazu für euch in ein Video gepackt:
