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Pianist, Komponist und Fellow Giorgi Gigashvili

Freiheit am Klavier

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© Giorgi Gigashvili

Nicht nur Klassik: Giorgi Gigashvili sprengt die Vorstellung einer traditionellen Pianistenkarriere. Nachdem er als Fellow im Festivals 2024 mit Pop über Folk bis Neue Musik Begeisterung ausgelöst hat, kommt er 2025 erneut – u. a. als Solist von Ustwolskajas enigmatischem Klavierkonzert.

Es geht Giorgi Gigashvili um die Freiheit. Das beginnt schon beim Instrument, dessen Beherrschung den jungen Georgier spätestens mit seinem zweiten Platz bei der Arthur Rubinstein Piano Competition in Tel Aviv 2023 auf die Weltkarte der Musikszene katapultierte. In seinem Heimatland Georgien ist der 2000 in Tbilisi geborene Gigashvili jedoch schon seit seiner Jugend berühmt: Mit 13 Jahren stand er bei der georgischen Ausgabe von »The Voice« im Finale und brillierte dort als Popsänger. Noch früher, bereits mit vier Jahren, sang er in einem Folk-Ensemble: »Ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass sie mich dort hingebracht hat. Mein Gehirn hätte sich anders entwickelt, mein Musikgeschmack und die musikalische Fülle wären nicht möglich gewesen ohne diese Erfahrung.«

© Giorgi Gigashvili

Musikalisch schlagen daher viele Herzen in seiner Brust. Gigashvili schafft es jedoch, selbst augenscheinliche Gegensätze zu harmonisieren: Als Künstler des Fellowship-Programms beim Beethovenfest 2023 ließ er zusammen mit der Sängerin Nini Nutsubidze Werke von Mendelssohn, Grieg und Bartók auf jahrhundertealte georgische Klangtraditionen treffen. Mit dem befreundeten Elektronik-künstler Nikala Zubiashvili realisierte er wiederum das Projekt »Serious Music«, das sich ein wenig lustig darüber macht, wie ernsthaft ›ernste Musik‹ gespielt wird. »Schließlich«, sagt er, »war das, was heute Klassik ist, vor zweihundert Jahren auch einmal ›Pop‹. Wenn man heute Beethoven spielt, muss es daher immer etwas Modernes haben«. Außerdem brachte er sein eigenes Klavierkonzert zur Uraufführung, neben der poetisch-brutalen Musik von Sowjetkomponist Alfred Schnittke.

Das sowjetische Erbe bearbeitet er auch im Beethovenfest 2025 zusammen mit dem East-West Chamber Orchestra. Umrahmt von Schostakowitsch und Weinberg stehen zwei Werke mit Soloklavier im Zentrum. Das Klavierkonzert von Galina Ustwolskaja entstand ein Jahr nach Ende des zweiten Weltkriegs. Dazu übernimmt Gigashvili den Solopart in der Uraufführung »Leaving Behind« des Esten Erkki-Sven Tüür: Ein Mahnmal für Krieg, Flucht und Vertreibung auch heute.

© Giorgi Gigashvili

Dass Gigashvili seit kurzem nicht mehr in Tbilisi, sondern in Berlin lebt, hat vor allem mit der ökonomischen Situation zu tun. Es ist schwer, als Musiker außerhalb des Mainstreams Konzerte zu spielen in der Kaukasusrepublik. Zudem ist es unruhig in der Szene: Der schwelende Streit zwischen der langjährigen Kulturministerin Tea Tsulukiani und der georgischen Kunstwelt wurde zuletzt auch international wahrgenommen. »Alles muss so sein, wie sie es sich vorstellt. Das erschwert das Kunstschaffen sehr. Denn alle Künstler:innen wollen natürlich nach eigenen Vorstellungen arbeiten. Aber wenn jemand nicht ihrer Meinung ist, wird diese Person verstoßen. Sie umgibt sich lieber mit Menschen ohne Geschmack«, sagt Gigashvili und schiebt dabei mit einem schüchternen Lachen hinterher: »Schreiben Sie das bitte, wenn Sie das schreiben können!«

Können wir. Berlin als Sehnsuchtsort der Künste – selbst wenn dort zurzeit auch nicht alles perfekt ist, hat sich die Stadt ihren Ruf als Hort der Freiheit bis heute bewahrt. Musikalisch sowieso: In Berlin gibt es nicht nur Auftrittsmöglichkeiten, sondern auch ein Publikum, das bereit ist, Experimente mitzugehen. Denn das sind Gigashvilis Projekte geblieben: »Es geht darum, sich selbst treu zu sein. Und wenn die Leute es nicht mögen, kann ich es besser machen. Das macht mir gar keine Angst!« Die Freiheit – da blitzt sie wieder auf.

© Giorgi Gigashvili

Giorgi Gigashvili im Festival 2025

Do 18.9.2025
  • 19.30 Uhr, Pantheon Theater

    Giorgi Gigashvili & East-West Chamber Orchestra

    Orchester, Klavier

    Nicolas Dautricourt, Rostislav Krimer

    Weinberg, Tüür, Schostakowitsch

Giorgi Gigashvilis Fellowship im Festival 2024

Fr 6.9.2024
  • 19.30 Uhr, Oper Bonn

    Eröffnungskonzert: Beethoven & MEUTE

    MEUTE, Streichquartett des Ensemble Resonanz, Kammerakademie Potsdam

    MEUTE, Beethoven

Di 10.9.2024
  • 19.30 Uhr, Theater im Ballsaal

    Giorgi Gigashvili: Georgian on my mind

    Giorgi Gigashvili, Nini Nutsubidze

Do 12.9.2024
  • 19.30 Uhr, Theater im Ballsaal

    Giorgi Gigashvili: ›Serious Music‹

    Giorgi Gigashvili, Nikala Zubiashvili

So 15.9.2024
  • 19.30 Uhr, Pantheon Theater

    Giorgi Gigashvili & ensemble reflektor

    ensemble reflektor, Giorgi Gigashvili, Nikala Zubiashvili

    Schnittke, Kantscheli, Gigashvili

Artikel von Steffen Greiner
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