Matteo Cimatti Violine (Beethovenfest Talent 2026)
Francesco Granata Klavier
3.9.– 3.10. 2026

Matteo Cimatti Violine (Beethovenfest Talent 2026)
Francesco Granata Klavier
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Violinsonate Nr. 3 Es-Dur op. 12/3
I. Allegro con spirito
II. Adagio con molt’ espressione
III. Rondo. Allegro molto
Maurice Ravel (1875–1937)
Violinsonate Nr. 2 G-Dur
I. Allegretto
II. Blues. Moderato
III. Perpetuum mobile. Allegro
Sergei Prokofjew (1891–1953)
Violinsonate Nr. 2 op. 94
I. Moderato
II. Scherzo. Presto
III. Andante
IV. Allegro con brio
Konzertdauer: ca. 70 Minuten ohne Pause
Zusätzlich zu Blumen schenken wir den Künstler:innen Blüh-Patenschaften, mit deren Hilfe in der Region Bonn Blumenwiesen angelegt werden.
Für ein ungestörtes Konzerterlebnis bitten wir Sie, auf Foto- und Videoaufnahmen zu verzichten.
Musik von drei eigenwilligen Persönlichkeiten, die den jeweiligen Zeitgeist ihrer gewählten heimatlichen Umgebung aufsogen und dabei revolutionäre Wege gingen: Ludwig van Beethoven zog in den 1790er-Jahren von Bonn in die damalige Musikmetropole Wien um – und schon seine ersten Violinsonaten kündigten seine neuen Impulse an. Rund 100 Jahre später war es dann Paris, wo sich viele kreative Köpfe tummelten. Mittendrin war der eigentlich aus dem Baskenland stammende Maurice Ravel: Der Aufbruchstimmung in der französischen Hauptstadt entsprang der Jazz-Satz seines Werks. Auch Sergei Prokofjew war ein Wanderer zwischen den Kulturen. Er verließ seine russische Heimat, kehrte aber wieder zurück und schrieb wunderbare Stücke wie seine zweite Violinsonate – die zuerst für Flöte komponiert wurde.
Ludwig van Beethoven: Violinsonate Nr. 3 Es-Dur op. 12/3
Entstehung: 1797/98
Widmung: Antonio Salieri
Uraufführung: Unbekannt
Beethoven sollte – so der Wunsch seines Bonner Mäzens Graf Waldstein – in Wien »Mozarts Geist aus Haydns Händen empfangen«. Doch er war in seiner neuen Wahlheimat zunächst noch weitgehend ein Fremder und musste sich erst einmal einen Namen machen. Hilfreich waren dabei für ihn Förderer und er sorgte geschickt dafür, dass man auf ihn aufmerksam wurde. Daher widmete er seine Violinsonaten op. 12 wohl recht bewusst dem Komponisten Antonio Salieri, der in jener Zeit im Musikleben der österreichischen Hauptstadt ein einflussreicher Mann war – und mit dem man sich als aufstrebender Komponist möglichst gut stellen musste.
Beethoven hatte sich lange und intensiv mit den gewichtigen Stücken seiner beiden Vorgänger Haydn und Mozart beschäftigt, wollte aber schon früh musikalisches Neuland erobern. Die Gattung der Violinsonate erweiterte er dann im Laufe seines Lebens konsequent mit eigenen Akzenten und sorgte für die endgültige Gleichberechtigung von Violine und Klavier. Das ist bereits in seinem Opus 12 erkennbar, seinem ersten Zyklus mit drei Werken. Anregungen der Vorbilder nahm er hier zwar noch auf, formte daraus jedoch etwas völlig Individuelles. So folgte er beispielsweise dem damals vertrauten Aufbau mit drei Sätzen, gab dabei aber jedem Abschnitt ein unverwechselbares und die Konventionen gelegentlich ironisch brechendes Profil.
Gerade in der dritten Sonate des Opus 12 ist schon der konzertante Charakter zu vernehmen, der später Beethovens Violinsonaten-Schaffen bestimmen sollte: Die ausgeprägte Virtuosität verweist eher auf den Rahmen eines Konzertsaals als auf den der Hausmusik. Mit entschlossener Energie wird im schwungvollen Kopfsatz das zunächst konventionell wirkende Thema vorgestellt, das aber im Verlauf mit fantastischen Fortspinnungen recht kühne Wege einschlägt. Das folgende Adagio bietet mit seiner weiträumigen und würdig schreitenden Melodik einen faszinierenden Kontrast zu den Ecksätzen. Im Finale kehrt die Spielfreude des Beginns zurück: Es dominiert hier wieder ein enorm vielfältiges Klangbild – mit einem temperamentvollen Hauptthema und einem liebenswerten Seitengedanken.

Maurice Ravel: Violinsonate Nr. 2 G-Dur
Entstehung: 1923 bis 1927
Widmung: Hélène Jourdan-Morhange
Uraufführung: 30. Mai 1927 in Paris mit dem Geiger George Enescu und Ravel am Klavier
In Paris pulsierte am Anfang des 20. Jahrhunderts das Leben und es wimmelte von verschiedenen Kulturen. Jean Cocteau hatte der jungen musikalischen Avantgarde damals den Rat gegeben: »Kultiviere das, was Dir das Publikum vorwirft, denn das bist Du.« Genau das tat Maurice Ravel. Als Quergeist hatte er es während seines Studiums an der Pariser Universität mit ihren konservativen Methoden schwer. Im Umkreis der Impressionisten und Symbolisten entwickelte er dann seinen unabhängigen und sehr originellen Stil. Wer ihn fragte, welcher Strömung er angehörte, bekam als Antwort: »Überhaupt keiner, ich bin Anarchist.« Von dieser Einstellung ist auch seine G-Dur-Violinsonate geprägt – die sein letztes vollendetes Kammermusikwerk war.
Es ist schon erstaunlich, dass Ravel sich überhaupt mit der Gattung auseinandergesetzt hat: Er mochte sie eigentlich gar nicht, weil er der Meinung war, dass Violine und Klavier »ihrem Wesen nach unvereinbare Instrumente« seien. Aber vielleicht reizte es ihn ja gerade deshalb, sich damit zu beschäftigen – denn er liebte Herausforderungen. Doch dann feilte er ungewöhnlich lange, nämlich über vier Jahre, an dem Stück. In mehreren Briefen bezeichnete er sein Vorhaben als »Sonaten-Fiasko wegen depressiver Stimmung«. Zudem äußerte er einmal, dass er »all die Zeit« benötigt habe, um »überflüssige« Noten zu streichen. Obwohl die Komposition also für ihn offensichtlich recht mühsam war, hinterließ er mit ihr ein Meisterwerk, das die beiden Instrumente sogar hervorragend kombiniert.
Jazzige Klänge in einer traditionsreichen Gattung? Warum denn nicht – das muss sich Ravel anscheinend mitten in jener quirligen Zeit gedacht haben. Er liebte es, stundenlang quer durch Paris zu laufen oder in einem der vielen Cafés zu sitzen, wo ihm dann auch eines Tages das lässige Thema für den Blues als originelles und populäres Herzstück der Sonate einfiel, in der die Violine mal wie ein Saxofon und mal wie ein Banjo klingt. Den zauberhaften Beginn bildet jedoch zunächst ein recht lichtdurchfluteter Kopfsatz voller lyrischer Stellen und verblüffender Höhepunkte. Das Werk endet mit einem wahrlich schwindelerregenden Finale: Einem wilden Perpetuum mobile, das vor Virtuosität in rasendem Tempo geradezu überschäumt – aber schließlich meinte Ravel einst in seiner typisch provozierenden Art, dass er nichts zu verlieren habe, wenn er »schnell unterwegs sei«.

Sergei Prokofjew: Violinsonate Nr. 2 op. 94
Entstehung: 1943 ursprünglich als Flötensonate, 1943/44 Umarbeitung zur Violinsonate
Widmung: David Oistrach
Uraufführung: 17. Juni 1944 in Moskau mit dem Geiger David Oistrach und dem Pianisten Lew Oborin
Sergei Prokofjew durchlebte häufig schwere Zeiten. Bis zur Oktoberrevolution wirkte er in Russland, dann emigrierte er erst in die USA und später nach Paris, kehrte aber Mitte der 1930er-Jahre endgültig in die Sowjetunion zurück. Oft wurde er in seiner Heimat beschuldigt, ein von »westlichen Ideen infizierter Intellektueller« zu sein. Er versprach daraufhin, in einem musikalischen Stil zu schreiben, der »seinem Volk verständlich und lieb« sei. Er suchte und fand den Ausgleich mit den Normen des sogenannten »sozialistischen Realismus« – auch wenn er sie nicht immer bedingungslos befolgte. Dass er regelmäßig als »Enfant terrible« bezeichnet wurde, ist an manchen Stellen sogar in einem eigentlich eher harmlosen Kammermusikwerk wie seiner zweiten Violinsonate zu spüren.
Die Komposition entstand ursprünglich als ein Stück für Flöte und Klavier. Prokofjew begann die Arbeit daran mitten im Zweiten Weltkrieg – und zwar 1943 während der Zeit seiner Evakuierung in Kasachstan, wo er auch Filmmusiken wie für den Streifen Iwan der Schreckliche schrieb. Vollendet hat er die Sonate dann im Sommer im Uralvorland »an den bewaldeten Ufern der Kama, eines der größten Nebenflüsse der Wolga«, wie er selbst äußerte. Schon kurz darauf erstellte er auf Anraten des berühmten Geigers David Oistrach eine Version für Violine und Klavier – da sich diese viel besser vermarkten ließ als eine Flötenmusik.
Die Sonate besticht insgesamt durch ihre lyrischen Züge, die emotionale Direktheit, formale Klarheit und den weitgehenden Optimismus. Dennoch flackern auch die für Prokofjew typischen dunkleren Töne und grotesken Wendungen auf. Mit verträumter Melodik setzt der Kopfsatz ein, doch im Verlauf kommt es zu scherzhaften Gesten und ständig neuen klanglichen Beleuchtungen. Es folgt ein lebhaftes Scherzo mit zwei vergnügten Gedanken, aber sein Mittelteil wartet mit einer befremdenden Melodie auf. Im Andante erhebt sich ein entrücktes Liedthema. Zudem gibt es hier technisch vertrackte Episoden und harmonische Einfärbungen, die wie bei Ravel an Einflüsse des Jazz erinnern. Der Finalsatz zeichnet sich durch rustikale Tanzmotive und höchst virtuose Passagen aus.
Heidi Rogge
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Godesberg Gastronomie & Event GmbH
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Albert Tonger Immobilien e. K.
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Bernd Böcking
Dr. Sigrun Eckelmann† und Johann Hinterkeuser
Dr. Hiltrud Kastenholz und Herbert Küster
Dr. Stefanie Montag und Dr. Stephan Herberhold
Dr. Luciano und Ulrike Pizzulli
Julia Rabus und Mirko Klemm
Jannis Ch. Vassiliou und Maricel de la Cruz
Tim Achtermeyer MdL
Judith und Tobias Andreae
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Bettina Böttinger und Martina Wziontek
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Philipp Buhr und Marie-Madeleine Zenker
Tim und Jessi Buhr
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Rüdiger und Andrea Depkat
Guido Déus
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Walter Droege und Hedda im Brahm-Droege
Ralf und Antje Firmenich
Tobias Grewe und Dr. Jan Hundgeburth
Jörg Großkopf und Peter Daubenbüchel
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Dr. Bernhard Helmich und Mai Hong
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Der italienische Geiger Matteo Cimatti (*2000) trat bereits mit mehreren europäischen Orchestern und bei zahlreichen Festivals auf. Als Kammermusiker unterhält er eine abwechslungsreiche Konzerttätigkeit und arbeitete mit Musiker:innen wie Janine Jansen oder Suyeon Kang zusammen. Er ist Gründungsmitglied des Wendel Quartetts, einem Klavierquartett aus Basel. Zu den kommenden Höhepunkten zählen Debüts in der Alten Oper Frankfurt und der Philharmonie Berlin, eine Rückkehr in die Wigmore Hall sowie Auftritte bei Festivals. Er ist Kandidat des Burletti-Buitoni Trust und hat Preise und Auszeichnungen bei (inter)nationalen Wettbewerben gewonnen.
Im Juli 2024 schloss Matteo Cimatti sein Solisten-Masterstudium an der Haute École de Musique de Lausanne ab; zuvor erwarb er dort einen Master- und einen Bachelor-Abschluss. Zudem besuchte er die Guildhall School of Music and Drama in London. Er spielt eine Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1769, die ihm freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.
Der italienische Pianist Francesco Granata (*1998) ist als Solist und Kammermusiker international erfolgreich. Er ist Mitglied des Trio Eclipse sowie Gründungsmitglied des Wendel Quartetts. Er studierte in Mailand, gefolgt von Stationen an der Accademia di Santa Cecilia in Rom und an der Indiana University in Bloomington in den USA. Derzeit absolviert er einen Master in Musikpädagogik an der Musikakademie Basel.
Granata ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, darunter der Premio Venezia (2017), der Busoni-Wettbewerb (2021) und der Rahn-Musikpreis (2024). Er konzertierte in Häusern wie dem KKL Luzern, dem Gran Teatro La Fenice in Venedig oder dem NCPA in Mumbai. Als Solist trat er mit Orchestern wie dem Luzerner Sinfonieorchester auf.
Wichtige Impulse erhielt er in Meisterkursen bei Pavel Gililov oder Robert Levin. Seine Diskografie umfasst Aufnahmen mit Werken von Mozart bis Debussy sowie Kammermusikeinspielungen von Giuseppe Martucci und Ludwig van Beethoven.
Wir – das Beethovenfest Bonn – laden ein, in einem offenen und respektvollen Miteinander Beethovenfeste zu feiern. Dafür wünschen wir uns Achtsamkeit im Umgang miteinander: vor, hinter und auf der Bühne.
Für möglicherweise auftretende Fälle von Grenzüberschreitung ist eine interne Ansprechstelle erreichbar für Publikum, Künstler:innen und Mitarbeiter:innen.
Wir sind ansprechbar über eine Telefon-Hotline (+49 228 2010321, im Festival täglich von 13–21 Uhr) oder per E-Mail (awareness@beethovenfest.de).
Werte und Überzeugungen unseres Miteinanders sowie weitere externe Kontaktmöglichkeiten können hier auf unserer Website aufgerufen werden.
Das Beethovenfest Bonn 2026 steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst.
Programmheftredaktion:
Sarah Avischag Müller
M Hornauer
Die Texte von Heidi Rogge sind Originalbeiträge für dieses Programmheft.