In der Musik spielt Akustik immer eine zentrale Rolle – bei der Orgel allerdings in besonders ausgeprägter Weise. Das Instrument ist fest im Gebäude eingebaut, auf dessen Raumakustik abgestimmt und kann nicht bewegt werden. Orgel und Raum bilden eine Einheit.
Robert beschreibt, dass ihm die Akustik eines Raumes oft mehr Hinweise gibt als die Noten selbst. Gerade in Musik, die stark ›sprechend‹ wirkt – etwa in Bachs Toccata in C-Dur –, kommt es darauf an, wie der Klang den Raum durchdringt und beim Publikum ankommt. Musikalische Gestaltung bedeutet hier nicht nur, Töne zu spielen, sondern zu verstehen, wie sich Schall im Raum bewegt.
Eine weitere Besonderheit: Die Pfeifen befinden sich oft an einem anderen Ort als die Klaviatur. Der Klang breitet sich aus und kehrt zeitverzögert zum Spieler zurück – zwischen Tastendruck und hörbarem Ergebnis liegt immer der Raum selbst.
Die endgültige Klangwirkung lässt sich auch deshalb nie vollständig im Voraus planen, weil das Publikum und seine Kleidung den Schall verändern – ein voller Kirchenraum klingt anders als in der Probe ohne Zuhörer.
Spielen bedeutet deshalb, ständig zuzuhören und auf das zu reagieren, was der Raum zurückgibt – auf sich selbst, auf den Raum und auf den entstehenden Klang gleichzeitig.
So wird der Organist zur Vermittlerin zwischen Musik und Architektur. Die Aufgabe besteht nicht allein darin, Noten umzusetzen, sondern den Klang im Raum erlebbar zu machen. Orgelspiel ist damit immer eng mit dem Ort verbunden – und verändert sich mit jedem Raum und jedem Publikum.
