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  1. Inside Artists Reader

Projektdokumentation Programm

    Christian Siegmund & Franziska Ritter

    Inside Artists Programm

    Mit INSIDE:BEETHOVEN haben sich Franziska Ritter und Christian Siegmund, die künstlerische Leitung von 1:1 CONCERTS, für das Projekt »Inside Artists« beworben. Sie wollten sich auf die Suche nach dem Kondensat Beethovenschen Materials begeben, bekannte und unbekannte Instrumente mit Beethoven-Interpretationen betrauen und dafür auf Musiker:innen des Festivals sowie der Bonner freien Szene zurückzugreifen. Das alles im 1:1-Format, bei dem sich ein:e Musiker:in und ein:e Hörer:in begegnen – hinaus aus dem Konzertsaal und hinein in die Herzen der Stadt.

    Als Ergebnis der ko-kreativen Zusammenarbeit mit dem Programm- und Musikvermittlungsteam des Beethovenfests sowie Saman Haddad, einem weiteren Inside Artist, standen dann nach knapp neun Monaten verschiedene »Sternenmomente« – Interaktionen zwischen und für Künstler:innen, Publikum und Team sowie die Konzertreihe GRUND:GESETZ als Weiterentwicklung des Formats 1:1 CONCERTS.

    Ganz im Sinne des Projekts »Inside Artists« begegneten sich die Programm- und Vermittlungsabteilung des Beethovenfests sowie Franziska Ritter, Christian Siegmund und Saman Haddad offen und auf Augenhöhe, um gemeinsam kreativ zu werden. Die einzigen beiden Rahmenbedingungen waren: Keine weitere Veranstaltung darf aus dem Projekt entstehen, da die Programmplanung zum Zeitpunkt des Projektstarts von »Inside Artists« bereits abgeschlossen war. Und: Scheitern darf möglich sein.

    Sternenmomente

    Gastgeberschaft im Konzert erleben

    Mit den ersten Zusammentreffen der Gruppe kristallisierte sich schnell eine 180-Grad-Wende heraus. Interessant für das Projekt und die Mitwirkenden war nicht, (noch) mehr Beethoven-Bezug in der damit schon überfrachteten Stadt Bonn herzustellen, sondern die Kompetenzen der neuen Inside-Artists-Kolleg:innen in den Mittelpunkt zu stellen und von ihnen für den Festival-Alltag zu lernen. Das hieß konkret: Das Thema Gastgeberschaft als Grundhaltung in verschiedenen Facetten, wie z. B. Zugewandtheit, Interaktion, Raumgestaltung und Kulinarik, im Festivalkontext mit und neu zu denken. 

    Daraus ergab sich schnell das ambitionierte Ziel, analog der Bewertungsskala von fünf Sternen den sechsten außergewöhnlichen Stern für mindestens ein Konzert im Beethovenfest zu kreieren. Die Mission, diese besondere Konzerterfahrung als neuen Standard zu setzen, bei dem dann der sechste Stern »nur« den fünften erweitern würde, löste für einige Zeit Kopfzerbrechen aus. Bis sich in einem der das Projekt begleitenden Workshop-Phasen das Problem auflöste: Nicht den einen sechsten Stern zu kreieren sollte das Ziel des Projekts sein, sondern viele kleine unerwartet auftretende Sterne. In diesem Moment wurden die Sternenmomente geboren. 

    Die Sternenmomente umfassten Aktionen wie das »Teamsterneln« (alle Teammitglieder des Beethovenfests zogen den Namen einer:s Kolleg:in und hatten die Aufgabe, dieser:m im Festival einen besonderen Moment der Aufmerksamkeit und Freude zu bereiten), den Pausen Plausch (in einer besonders langen Konzertpause konnte sich das Publikum zu zufällig zusammengewürfelten Gruppen angeleitet durch kuratierte Fragen über das Konzert  austauschen), das Backstage Bier (einige wenige Personen aus dem Publikum wurden nach dem Konzert auf ein Backstage-Getränk mit den Künstler:innen des Abends eingeladen) und noch vielen weitere. Die Konzeption und Durchführung dieser an bestehende Beethovenfest-Veranstaltungen andockenden Interventionen wurde dabei gemeinschaftlich von allen im Projektteam vorangebracht und mitgetragen. 

    In der Wirkung waren sie überwiegend ein großer Erfolg bei Team, Künstler:innen und Publikum. Besonders bei Letzterem bewirkten sie eine große Nahbarkeit des Festivals als Institution. Aber auch im Team und bei den Künstler:innen wirken die Sternenmomente lang nach und sind auch nach Festivalende immer wieder Anlass für positive Erinnerungen.

    GRUND:GESETZ

    Das kleinstmögliche Konzertformat

    Die zweite Projektsäule widmete sich mit dem Projekt GRUND:GESETZ der Weiterentwicklung des 1:1-Formats in Anlehnung an das Beethovenfest-Motto »Miteinander«. Musiker:innen aus dem Festivalkontext waren eingeladen, aus ihrem Repertoire zu den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes passende Werke zu finden. Der:die jeweils alleinige Zuhörer:in zog dann per Los einen Grundgesetzartikel mit einer darauf bezogenen einfachen Schlüsselfrage. Er:Sie kam hierüber kurz mit einer:m Gastgeber:in ins Gespräch und wurde mit den Gedanken darüber zum  Konzert begleitet, in welchem der:die Musiker:in eine Auswahl verschiedener Kompositionen passend zum Artikel spielte. Die bereits bekannte Emotionalität dieser intensiven Konzerterfahrung stellte sich auch in diesem Format ein und überwältigte sowohl Ersthörer:innen als auch Musiker:innen, die allesamt das erste Mal in dieser intimen Form musizierten. Darüber hinaus ergaben sich berührende Gespräche, wenn zum Beispiel die in einer Asylbehörde arbeitende Hörerin zufällig Artikel 16 zum Thema Staatsangehörigkeit und Auslieferung als Grundlage für ihr Konzert zog und dieses ihr aus dem beruflichen Kontext so vertraute Gebiet durch die Musik plötzlich eine ganz neue Ebene erhielt. Die Konzerte fanden im Bühnencontainer der Festivalzentrale vor der Kreuzkirche statt, der zu einem Bonner Wohnzimmer möbliert im Stil der 50er-Jahre umgestaltet wurde – als Tapete diente das Faksimile der Urschrift des Grundgesetzes vom 23. Mai 1949. Das Projekt erinnerte schließlich an das 75-jährige Bestehen dieses für unsere Demokratie so wichtigen Fundamentes. Auch dieses Projekt war ein voller Erfolg und hat auf eindrucksvolle Weise gezeigt, wie kleine Momente Menschen verbinden und Sternenzauber erleben lassen können.

    © Michael Staab

    Saman Haddad

    Inside Artist Programm

    Klassische Musik auf Augenhöhe bringen und damit neue Zielgruppen erreichen sowie für klassische Musik begeistern – mit diesem Anliegen kam Saman Haddad, internationaler Kulturvermittler, Veranstaltungsmanager und Künstler in das Projekt »Inside Artists«. Obwohl er selbst mit seinen diversen Aktivitäten in der Stadt eine feste Kulturinstitution in Bonn ist, war dies die erste Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Beethovenfest. Zunächst angedacht als Inside Artist nur im Vermittlungsteam des Beethovenfests, entstand im Projektstart schnell eine große Runde mit dem gesamten Programm- und Vermittlungsteam des Beethovenfests sowie Franziska Ritter und Christian Siegmund, ebenso Inside Artists. 

    Neue Zielgruppen erreichen ist ein stetes, manchmal versteiftes Anliegen vieler klassischer Kulturinstitutionen. Saman Haddad als Mittler zwischen vielen Kulturen in Bonn und darüber hinaus verstand es auf einzigartige Art und Weise, seine Perspektiven ins Projekt einzubringen und einen natürlichen, authentischen Ansatz dafür zu finden. Gastgeberschaft – besonders im kulinarischen Sinn – stand und steht bei ihm als der wichtigste Anfangspunkt. Diesen brachte er auch in die operative Zusammenarbeit ein, wenn mal nicht per Zoom-Meeting, sondern bei Kardamom-Kaffee im eigenen Wohnzimmer gebrainstormt wurde. Denn Sinneserfahrung und Perspektivwechsel regen durchaus die Kreativität an.

    Die übergeordneten Projektthemen Gastgeberschaft und Kulturvermittlung resultierten in konkreten Vorhaben, bei denen Künstler:innen des Beethovenfests in Veranstaltungen über das Festival hinaus eingebunden wurden – besonders auch an Orten in Bonn, an denen das Festival bisher (noch) nicht stattfand, so zum Beispiel die Bonner Altstadt. Dazu zählten eine Ausstellungseröffnung von »4telbar – Künst & Kültür ü. V.«, dem Kunstkollektiv freeters sowie von Studierenden der Kunstakademie Münster und der Alanus Hochschule, die eine Musikerin vom Beethovenfest musikalisch begleitete. Aber auch Straßenfeste, bei denen Musiker:innen der freien Szene und Beethovenfest-Künstler:innen zusammentrafen und ohne Zwang, große Proben und festgelegtes Programm das Publikum auf der Straße mit ihren Improvisationen zum Tanzen brachten.

    Auch in Zusammenarbeit mit Franziska Ritter und Christian Siegmund ergaben sich kreative Synergien bei der Konzeption und Planung von »Sternenmomenten«, Interaktionen zwischen und für Künstler:innen, Publikum und Team. Besonders die Hands-on-Mentalität und Kreativität von Saman Haddad beim Finden von schnellen und unkomplizierten Lösungen war eine Bereicherung für das Projekt. Gleichzeitig gab es für das Beethovenfest die Möglichkeit, in neuen Räumen stattzufinden und nahbar für ein bisher noch nicht erreichtes Publikum zu sein.

    Der Text ist ein Beitrag der Projektbeteiligten des Beethovenfest-Programmteams.

    Ticket Hotline +49 228 2010344 Mon, Wed–Fri, 10:00–14:00
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