Das Campus-Projekt bringt dieses Jahr das georgische mit dem deutschen Spitzen-Nachwuchsorchester zusammen – und das »Jahrhunderttalent« Tsotne Zedginidze nach Bonn!
Mi 23.9.2026
19.30 Uhr, Beethovenhalle, Studio
Campus-Konzert: Georgien
- Kammerorchester, Vokal
- Ausverkauft
- € 29
Mitwirkende
- Mitglieder des Tbilisi Youth Orchestra
- Mitglieder des Bundesjugendorchesters
- Mitglieder des Bundesjugendchors
- Sänger:innen aus Georgien
- Tsotne Zedginidze Komposition & Klavier
- Benjamin Günst Violine
- Lizi Ramishvili Violoncello
- Marija Tamkevičiūtė Cembalo
- Mirian Khukhunaishvili Musikalische Leitung
Programm
VII. Allegro aus Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131, arr. für Streichorchester
Daigvianes
Verleih uns Frieden genädiglich & Gib unsern Fürsten und aller Obrigkeit
Chmebi: Georgian Fantasia für Klavier und Kammerorchester (Uraufführung, Auftragswerk Beethovenfest Bonn)
Eingangschor »Europa steht!« aus Der glorreiche Augenblick op. 136/Georgisches Trad.: »sami atas tselzed meti«, arr. von Mika Mdinaradze
Mravalzhamieri
Auf einen Blick
Was erwartet mich?
Einführungsveranstaltungen
18.30 Uhr, Seminarraum C
Demokratie unter Druck? Die Lage für Kultur- und Medienschaffende in Georgien: Diskussionsrunde
Georgien befindet sich seit Jahren in einem politisch und gesellschaftlich polarisierten Umfeld. Unabhängige und kritische Medien stehen unter Druck, während die Verbreitung von Desinformation und Einflusskampagnen zunimmt. Vor diesem Hintergrund startete die Deutsche Welle im August ein neues georgischsprachiges journalistisches Angebot auf Instagram. Auch georgische Kulturschaffende berichten von zunehmender Repression: Kritik werde bestraft, zum Teil sogar mit Gefängnis. Wie sich die Lage für Kultur- und Medienschaffende in Georgien entwickelt, diskutieren unsere Gäste. Die Moderation übernimmt Jochen Rosenkranz, Leiter Culture & Sports bei der DW.
19 Uhr, Studio
Konzerteinführung mit Dr. Alexander Jakobidze-Gitman
Livestream
Das Konzert wird live übertragen auf dem YouTube-Kanal DW Classical Music der Deutschen Welle und ist online zu finden unter www.beethovenfest.de/streams.
Festival Salon
Öffnungszeiten: 17–23 Uhr
19–21 Uhr: Meet the Artist – mit Katrīna Paula Felsberga & Lal Karaalioğlu
Beschreibung
Georgien im kulturellen Fokus – unser Campus-Projekt 2026 bringt die junge Generation dieses Landes vor Ort in einen intensiven Austausch mit deutschen Nachwuchsmusiker:innen und setzt ein Zeichen für Dialog und Offenheit. Mitglieder der wichtigsten Jugendorchester beider Nationen verbinden Teile aus Beethoven mit einem Querschnitt der georgischen musikalischen Moderne. Dabei entstehen neue Freundschaften und ein starkes Signal für grenzüberschreitende Verständigung – das wichtigste Ziel dieses langjährigen Jugendförderprojekts.
Mirian Khukhunaishvili, der Dirigent des Tbilisi Youth Orchestra, gestaltet nach Probenphasen in Tbilisi und Bonn einen interkulturellen Konzertabend. Das Programm verknüpft Beethoven mit den Größen der georgischen Musikgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts bis hin zur aktuellen, westlich-orientierten Avantgarde des Landes. Auch die dortige Chortradition und Folklore kommen nicht zu kurz.
Ein Höhepunkt wird das Campus-Auftragswerk von Tsotne Zedginidze: Das 17-jährige Kompositionswunder sorgt für Aufsehen. Daniel Barenboim etwa nennt den Stipendiaten der Lisa Batiashvili Foundation einen »neuen Mozart«. Bei der Uraufführung sitzt der junge Komponist selbst am Klavier.
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Weitere Infos
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Alle BeiträgeMitwirkende
Mitglieder des Tbilisi Youth Orchestra
Teona Kelberashvili Violine
Milena Jalalbekovi Violine
Natali Khupenia Violine
Tekla Bakradze Violine
Katarina Gegelia Violine
Elene Gogodze Viola
Ketevan Nagladze Viola
Kakhaber Metreveli Violoncello
Mitglieder des Bundesjugendorchesters
David Sogoan Violine
Melanie Mardiros Violine
Eduard Srebnytskyi Violine
Jakob Nordalm Viola
Marc Strokov Violoncello
Lisanne Edeltraut Künzler Violoncello
Rebecca Weng Kontrabass
Lucas Matthias Emmanuel Hettinger Pauke
Mitglieder des Bundesjugendchors
Nora Käser Sopran
Clara Prinz Sopran
Svea Behrens Alt
Pauline Beaucamp Alt
Simon Pichol Tenor
Jakob Reichmann Bass
Sänger:innen aus Georgien
Ekaterine Ekseulidze Sopran
Ani Bibiladze Alt
Zurabi Natroshvili Tenor
Giorgi Mantskava Tenor
Nikoloz Edilashvili Bass
Sandro Kheladze Bass
Tsotne Zedginidze Komposition & Klavier
Benjamin Günst Violine
Lizi Ramishvili Violoncello
Marija Tamkeviciute Cembalo
Mirian Khukhunaishvili Musikalische Leitung
Programm
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131, arr. von Dimitri Mitropoulos für Streichorchester
VII. Allegro
Niko Sulkhanishvili (1871–1919)
Daigvianes
Heinrich Schütz (1585–1672)
Verleih uns Frieden genädiglich SWV 372
Gib unsern Fürsten und aller Obrigkeit SWV 373
Sulkhan Nasidze (1927–1996)
Konzert für Violine, Violoncello und Kammerorchester
Pause
Niko Sulkhanishvili
Choral
Tsotne Zedginidze (*2009)
Chmebi: Georgian Fantasia für Klavier und Kammerorchester (Uraufführung, Auftragswerk Beethovenfest Bonn)
Tsotne Zedginidze
Improvisation über drei Beethoven-Bagatellen
Ludwig van Beethoven
Eingangschor »Europa steht!« aus Der glorreiche Augenblick op. 136/Georgisches Trad.: »sami atas tselzed meti«, arr. von Mika Mdinaradze
Georgisches Trad.
Mravalzhamieri
Über den Konzertabend
Konzertdauer: ca. 100 Minuten
Gastronomisches Angebot vor Ort
Nach dem Konzert laden wir das Publikum zur Campus-Abschlussparty im Festival Salon ein.
Zusätzlich zu Blumen schenken wir den Künstler:innen Blüh-Patenschaften, mit deren Hilfe in der Region Bonn Blumenwiesen angelegt werden.
Konzerteinführung
18.30 Uhr, Seminarraum C
Demokratie unter Druck? Die Lage für Kultur- und Medienschaffende in Georgien: Diskussionsrunde
Georgien befindet sich seit Jahren in einem politisch und gesellschaftlich polarisierten Umfeld. Unabhängige und kritische Medien stehen unter Druck, während die Verbreitung von Desinformation und Einflusskampagnen zunimmt. Vor diesem Hintergrund startete die Deutsche Welle im August ein neues georgischsprachiges journalistisches Angebot auf Instagram. Auch georgische Kulturschaffende berichten von zunehmender Repression: Kritik werde bestraft, zum Teil sogar mit Gefängnis. Wie sich die Lage für Kultur- und Medienschaffende in Georgien entwickelt, diskutieren unsere Gäste. Die Moderation übernimmt Jochen Rosenkranz, Leiter Culture & Sports bei der DW.
19 Uhr, Studio
Konzerteinführung mit Dr. Alexander Jakobidze-Gitman
Livestream
Medienpartner
Das Konzert wird live übertragen auf dem YouTube-Kanal DW Classical Music der Deutschen Welle und ist online zu finden unter www.beethovenfest.de/streams.
Bitte beachten Sie, dass Teile des Publikums im Stream zu sehen sein können. Wir bitten Sie, auf eigene Foto- und Videoaufnahmen zu verzichten.
Festival Salon
Unser Festival Salon steht vor und nach dem Konzert zum gemütlichen Verweilen offen – auch ohne Ticket. Kommen Sie vorbei!
Öffnungszeiten: 17–23 Uhr
19–21 Uhr: Meet the Artist – mit Katrīna Paula Felsberga & Lal Karaalioğlu
ab ca. 21.30 Uhr nach dem Konzert: Campus-Abschlussparty
Grußworte
Liebe Besucher:innen des Campus-Konzerts,
Als ich in den turbulenten 1990er-Jahren Georgien verließ und mit zwölf Jahren nach Deutschland kam, befand sich meine Heimat in einer schwierigen Zeit. Für viele Menschen hier war Georgien damals noch ein weitgehend unbekanntes Land – fern, geheimnisvoll und kaum auf der kulturellen Landkarte präsent.
Umso bewegender ist dieser Abend für mich. Deutschland wurde der Ort, an dem ich meine musikalische Ausbildung absolvieren und meinen künstlerischen Weg finden durfte. Gleichzeitig habe ich meine georgischen Wurzeln nie verloren – sie sind bis heute ein wesentlicher Teil meiner Identität.
Aus dieser tiefen Verbundenheit heraus habe ich 2020 eine Stiftung zur Förderung junger georgischer Musikerinnen und Musiker gegründet. Viele unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten studieren oder leben heute in Deutschland und tragen den musikalischen Austausch zwischen beiden Ländern auf ganz natürliche Weise weiter.
In den vergangenen zwanzig Jahren durfte ich erleben, wie die Freundschaft zwischen Deutschland und Georgien gewachsen ist und wie offen und interessiert Menschen hier meinem Heimatland begegnen. Besonders schön ist es zu sehen, wie junge Musikerinnen und Musiker beider Länder gemeinsam musizieren, voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren. In solchen Momenten wird Musik zu einem Zuhause – einem Ort der Verbundenheit, der über Grenzen hinausreicht.
Ihre Lisa Batiashvili
Liebe Konzertbesucherinnen und -besucher,
junge georgische Musikerinnen und Musiker sind in diesem Jahr zu Gast beim Campus-Projekt. Dabei handelt es sich um eine Art ›Wiederbegegnung‹, denn bereits im Jahr 2003 war Georgien Partnerland. Das Tbilisi Youth Orchestra sowie ein Vokalensemble haben dafür gemeinsam mit Mitgliedern des Bundesjugendorchesters und des Bundesjugendchors in Tbilisi und in Bonn unter der künstlerischen Leitung des renommierten georgischen Dirigenten Mirian Khukhunaishvili geprobt. Den diesjährigen Kompositionsauftrag erhielt das pianistische und kompositorische Ausnahmetalent Tsotne Zedginidze.
Das Konzert eröffnet neue Perspektiven auf Georgiens reiche Musiktradition und bietet Raum für völkerverbindenden und kulturellen Dialog. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche wird die Musik zu einer Sprache des Austauschs, der Offenheit und der europäischen Verständigung. Ich wünsche Ihnen ein spannendes Hörerlebnis und ebenso viel Freude bei den kommenden Veranstaltungen des Beethovenfestes.
Ihr Guido Déus
Oberbürgermeister der Stadt Bonn
Gefördert durch
Einleitung
Beethoven, Georgien und der Klang eines gemeinsamen Horizonts
Was geschieht, wenn junge deutsche und georgische Musiker:innen Beethoven mit deutscher geistlicher Polyphonie des 17. Jahrhunderts, georgischer Kunstmusik und jahrhundertealten georgischen Gesangstraditionen zusammenbringen? Und was bedeutet es, wenn zwei sehr unterschiedliche Geschichten von Staatlichkeit, Krieg und Zugehörigkeit auf derselben Bühne aufeinandertreffen – in einem Moment, in dem Georgiens eigener Weg in Richtung Europa in der Weltöffentlichkeit heftig umstritten ist? Das diesjährige Campus-Konzert rückt diese Fragen in den Mittelpunkt.
Zwei nationale Jugendorchester begegnen sich
Es ist Juni 2026, in einem Proberaum in Tbilisi: Noch bevor auch nur eine einzige Note öffentlich gespielt worden war, gingen einem deutschen Geiger und seinem georgischen Pultnachbarn die gemeinsamen Vokabeln aus. Wie sich zwei ihrer Orchesterkolleg:innen erinnern, wurde die Pattsituation nicht durch ein Wörterbuch aufgelöst, sondern in dem Moment, als der Musiker vom Tbilisi Youth Orchestra die Phrase seinem Partner vom Bundesjugendorchester vorsang. Solche und ähnliche Szenen prägten die ersten Schritte der Annäherung, als die beiden nationalen Jugendorchester für ihre erste gemeinsame Probenphase in der georgischen Hauptstadt zusammentrafen. Mit Sänger:innen des Bundesjugendchors und aus Tbilisi entstand nach und nach ein Konzertprogramm, das so nur heute erklingen wird.
Für den Geiger aus dem Bundesjugendorchester David Sogoan, dessen Eltern Georgier sind, der aber in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, hatte diese Begegnung eine tiefere persönliche Bedeutung: Es war sein erster Besuch in Georgien, eine erste konkrete Begegnung mit dem Land, dessen Kultur seine Familiengeschichte seit langem geprägt hatte. Für einen Moment schloss sich die Distanz zwischen Bonn und Tbilisi.
Georgien: Ein Land am Scheideweg
Seit 2001 führt das Beethovenfest Bonn das Campus-Projekt durch – eine Plattform des Austauschs für den Musiknachwuchs mit einem Fokus auf Länder, die sich mitten in einem historischen Wandel befinden. Darunter waren die Ukraine, Afghanistan, der Iran und nun, zum zweiten Mal seit 2003, Georgien. Dies sind Orte, an denen Kultur nicht bloß Begleiterscheinung der Geschichte ist, sondern zu einem zentralen Feld wird, in dem Geschichte verstanden, verhandelt und hinterfragt wird.
Georgien befindet sich gegenwärtig in einer prekären Situation. Seit 1991 unabhängig und seit 2023 EU-Beitrittskandidat, ist es durch große Gegensätze gekennzeichnet: Eine starke pro-europäische Ausrichtung eines Großteils der Bevölkerung koexistiert mit einem scharfen politischen Konflikt über die zukünftige Ausrichtung des Landes. Seit Ende 2024 schwelen darüber anhaltende Straßenproteste. Während das Land über seine demokratische Zukunft debattiert, wird die Musik zu einem entscheidenden Raum, um eine Identität zu bekräftigen, die auf organische Weise europäisch und doch einzigartig ist. Die Frage ist nicht, ob ein Werk ausschließlich der einen oder der anderen Kultur angehört, sondern wie die Vergangenheit in einer turbulenten Gegenwart nachhallt und was Musik offenbaren kann, wenn eine Gesellschaft am Scheideweg steht. Für den Dirigenten Mirian Khukhunaishvili (*1990) ist dieses Engagement auf der Bühne eher eine künstlerische Notwendigkeit als ein politisches Statement. »Wir könnten nicht einfach Musik machen, ohne die Realität um uns herum zu reflektieren«, sagt er. »Musik ist meiner Meinung nach die stärkste Botschaft.«
Konzertteil 1
Erinnerung und Wandel:
Der erste Teil des KonzertsKhukhunaishvili beschreibt den Aufbau des Programms in einfachen Worten: Der erste Teil befasst sich mit »unserer Vergangenheit«, während der zweite Teil »unsere Gegenwart und Zukunft« beleuchtet.
Die erste Programmhälfte widmet sich der Geschichte: Musik, die Erfahrungen von Kampf, Unsicherheit und Widerstandskraft vermittelt. Der Bogen reicht von der deutschen Polyphonie des 17. Jahrhunderts bis zum sowjetisch-georgischen Modernismus des 20. Jahrhunderts.
Die Entscheidung, wie das Konzert eröffnet werden sollte, habe länger gedauert als alles andere, sagt Khukhunaishvili. Schließlich entschied er sich für eine Bearbeitung des Finales aus Beethovens Streichquartett Nr. 14 in cis-Moll op. 131 für Streichorchester – eines der tiefgründigsten Werke aus dem Spätwerk des Komponisten. »Es verkörpert Beethovens revolutionären Widerstand«, sagt Khukhunaishvili. »Es beginnt mit einer unmittelbaren, aussagekräftigen Energie.« In Beethovens Spätwerk drückt sich Widerstand durch unerbittliches Hinterfragen aus, was die Stimmung für den gesamten Abend setzt.
Dieser dramatische Auftakt mündet direkt in die Arie Daigvianes (»Sie verweilten«) von Niko Sulkhanishvili (1871–1919), ein erhaltenes Stück aus seiner verschollenen Oper Patara Kakhi (»Der kleine Kakhi«). Das emotionale Stück – von dem Khukhunaishvili lange Zeit annahm, es handele sich um ein anonymes Volkslied – handelt von einem Hirten in den Bergen, der den Kämpfen seiner Freunde unten lauscht und sich fragt, ob er genug tut, um einzugreifen. Der Dirigent bemerkt eine Parallele zu seiner eigenen Situation: »Ich komme aus Georgien, lebe aber im Ausland… Ich verfolge alles aus der Ferne über die Nachrichten, losgelöst von der täglichen Realität vor Ort.«
Ausgehend von dieser intimen, persönlichen Bestandsaufnahme wendet sich das Programm einem kollektiven Plädoyer für den Frieden zu. Heinrich Schütz’ (1585–1672) Geistliche Chormusik entstand aus der Asche des Dreißigjährigen Kriegs. Die Sätze daraus »Verleih uns Frieden« und »Gib unsern Fürsten«, beide 1648 veröffentlicht, strahlen eine beeindruckende Dringlichkeit aus. Das Gebet um Frieden und die politische Ordnung, die ihn stützt (»Gib unsern Fürsten und aller Obrigkeit Fried und gut Regiment, daß wir unter ihnen ein geruhig und stilles Leben führen mögen«), findet in der zweiten Hälfte des Programms ein unmittelbares Echo: Sulkhanishvilis Choral, gesungen auf Georgisch.
Der erste Teil endet mit dem Doppelkonzert von Sulkhan Nasidze (1927–1996). Nasidze gehört zu der Generation georgischer Komponisten, die als die »Sixtiers« bekannt sind. Sie traten während des poststalinistischen Tauwetters in Erscheinung, um gegen den offiziellen sowjetischen Musikkanon anzugehen. Das Konzert für Violine, Violoncello und Kammerorchester mit seinem meisterhaften polyphonen Geflecht aus Instrumentalstimmen führt den ersten Teil zu einem komplexen Höhepunkt.
Konzertteil 2
Gegenwart und Zukunft:
Der zweite Teil des KonzertsDer zweite Teil des Programms widmet sich der Erneuerung und dem Dialog zwischen Generationen, Traditionen und Gesellschaften und bewegt sich dabei fließend zwischen dem 20. Jahrhundert und der Gegenwart.
Eröffnet wird er mit Niko Sulkhanishvilis Choral Gmerto, Gmerto (»Herr, barmherziger Herr«), der die Sehnsucht nach Frieden von einem individuellen Gebet zu einem kollektiven nationalen Appell erhebt: »Gewähre der Nation Ausdauer, gewähre ihr den Sieg über ihre Feinde; o Herr, stärke sie für immer.« Ihm folgt der Auftritt des Urenkels von Sulkhanishvili: Tsotne Zedginidze (*2009), ein Aufsehen erregendes Talent in Komposition und Klavier. »Indem wir das Gebet des Vorfahren unmittelbar vor Tsotne Zedginidzes Uraufführung stellen, beleuchten wir eine lebendige kompositorische Tradition innerhalb der georgischen Kunstmusik«, sagt Khukhunaishvili.
Zedginidzes Auftragswerk Chmebi: Georgian Fantasia markiert eine bedeutende Weiterentwicklung in der musikalischen Sprache des siebzehnjährigen Zedginidze. Nachdem er sich jahrelang ausschließlich auf Avantgarde-Musik konzentriert hatte, hat er sich auf seine eigene Weise wieder mit den Wurzeln auseinandergesetzt. »Ich begann, georgische Volksmusik viel besser zu verstehen; ich begann, sie zu lieben.« Das Werk verwebt wiedererkennbare georgische Volksmelodien mit lebendiger Tonsprache.
Zedginidze lässt darauf eine Soloimprovisation über Beethovens späte Bagatellen op. 126 folgen. Während der Proben lässt er diesen Teil noch völlig offen. »Ich möchte Beethovens Material nicht direkt verändern«, erklärt er. »Es wird meine Antwort auf Beethoven sein.« Indem er die Originalpartitur unangetastet lässt und stattdessen an ihren Rändern improvisiert, würdigt er Beethovens subversiven Geist durch einen unmittelbaren, zeitgenössischen Dialog über zwei Jahrhunderte hinweg.
Ein gemeinsamer Horizont
Der Höhepunkt des Programms ist eine neue Synthese, arrangiert von Mika Mdinaradze. Die Komposition verbindet Beethovens »Europa steht« aus der Kantate Der glorreiche Augenblick op. 136 mit traditionellen georgischen Liedern: der Kriegersang Abaula, das Lied Harira, ein für die westgeorgische Polyphonie charakteristischer improvisatorischer Refrain, sowie Sami Atas Tselze Meti. Letzteres ist eine Melodie zu Akaki Shanidzes Gedicht von 1917, die von georgischen Kriegsgefangenen in Polen komponiert wurde, um Georgiens Unabhängigkeitserklärung von 1918 zu feiern. Der Text jubelt: »Seit mehr als dreitausend Jahren singen wir und wir werden unser süßes ›Mravalzhamieri‹ singen«.
Mika Mdinaradze über sein Arrangement von Beethovens »Europa steht«
»›Europa steht!‹ eröffnet Beethovens Kantate Der glorreiche Augenblick, geschrieben für den Wiener Kongress von 1814. Der Anlass ist historisch gebunden: ein Saal voller Staatsmänner, die im Begriff sind, die Landkarte Europas über die Köpfe kleiner Nationen hinweg neu zu zeichnen. Doch die Musik überdauerte den Anlass. An dieser Kluft setzt mein Stück an. Ich wollte Beethoven nicht bloß dekorativ zitieren. Seine Eröffnungsgeste gibt den Rahmen vor, in dem sich georgische Elemente verschränken. Jede Ebene behält ihre eigene Grammatik, und beide teilen sich denselben Raum.« (Mika Mdinaradze)
Was dabei entsteht, ist keine oberflächliche Verschmelzung, sondern eine echte Begegnung. Beethoven bleibt unverwechselbar, während die georgischen polyphonen Strukturen ihre Identität bewahren. Gemeinsam schaffen sie einen mehrstimmigen Klangraum, ein Klangmodell von Europa als Dialog statt als erzwungene Einheit. Indem das Arrangement Beethoven in das Gewebe der georgischen Musiktradition einfügt, offenbart es eine innewohnende Verbundenheit – eine klangvolle Erklärung dafür, wo Georgien hingehört.
Als Zugabe schließt die traditionelle georgische Segenshymne Mravalzhamieri (»Mögest du viele Jahre leben«), a cappella gesungen, während sich die Orchestermusiker:innen erheben, um sich dem Chor anzuschließen. Mravalzhamieri löst die Spannungen zwischen Vergangenheit und Zukunft nicht auf einfache Weise auf; stattdessen lässt es sie miteinander schwingen und vereint Erinnerung und Hoffnung in einem Atemzug, in dem kein einzelner Weg oder Stimme vorgegeben ist und jede Möglichkeit hörbar bleibt.
Nana Sharikadze
Interviews
Mirian Khukhunaishvili
im Interview
Was sind Deine Ziele als künstlerischer Leiter des Campus-Projekts?
Ich habe mehrere Ziele. Das erste ist, das klassische Repertoire der georgischen Musik der Öffentlichkeit näherzubringen. Mit Tsotne Zedginidze haben wir einen Vertreter der zeitgenössischen Schule. Wir haben die Chormusik unseres Landes. Zweitens wollen wir eine Botschaft senden. Wir könnten nicht einfach spielen und singen, ohne die Realität um uns herum widerzuspiegeln. Musik ist meiner Meinung nach die stärkste Botschaft. In unserem Konzert geht es um die geopolitische Realität, in der wir leben. Wir wollen unsere Hoffnung auf Europa erklären – nicht nur darauf, irgendwo beizutreten, sondern dass dies unsere gemeinsame Heimat ist, um deren Zugehörigkeit wir kämpfen. Die Kernbotschaft ist, dass wir in Georgien die westeuropäischen Werte der Menschenrechte teilen. Ich freue mich sehr, Teil dieses Projekts beim Beethovenfest zu sein. Die jüngere Generation an dieses Festival heranzuführen bedeutet, eine stärkere Verbindung zu den Werten herzustellen, für die wir uns einsetzen.
Tsotne Zedginidze
im Interview
Wie siehst Du Deine Rolle und die Bedeutung des Campus-Projekts?
Ich betrachte dieses Projekt als eine Verschmelzung und einen Austausch der Kulturen Georgiens und Deutschlands. Junge Musiker:innen aus beiden Ländern kommen im Orchester zusammen, sie kommunizieren miteinander und machen Musik unter der Leitung des großartigen Dirigenten Mirian Khukhunaishvili. Ich wurde gebeten, ein Stück für dieses Orchester und dieses Projekt zu schreiben. Die Bitte lautete ausdrücklich, etwas Georgisches in meine Musik einzubringen. Das Ergebnis ist mein neues Stück Chmebi: Georgian Fantasia für Kammerorchester und Klavier.
Ich habe gehört, dass Du früher keine Volksmusik und keine Volksmelodien in Deinen Werken verwenden wolltest. Wie hat sich das gewandelt?
Das stimmt, früher war ich gegen georgische Volksmusik in meiner Musik. Als ich jünger war, habe ich zwar ein wenig Volksmusik gehört, aber sie gehörte nicht zu meinen Favoriten. Ich hörte eher europäische klassische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts. Als ich älter wurde, begann ich, die georgische Musik viel besser zu verstehen und zu lieben. Mein Urgroßvater Niko Sulkhanishvili war ein sehr bedeutender Komponist, bekannt für seine perfekte Verschmelzung von georgischer Volksmusik mit klassischer Musik. Einige seiner Stücke sind auch im Campus-Konzert zu hören.
Interviews: Nana Sharikadze
Mika Mdinaradze
im Interview
Inwiefern lassen sich Beethoven und georgische Musik miteinander vereinbaren?
Ich beschäftige mich schon seit acht Jahren damit, Beethoven in einer Fusion mit georgischer Musik zu arrangieren. Und ich kann mit großer Freude sagen, dass die beiden Traditionen viel gemeinsam haben – wenn auch nicht auf offensichtliche Weise. Die georgische Polyphonie basiert nicht auf europäischer ›Funktionsharmonik‹, und die meisten Versuche, beides miteinander in Einklang zu bringen, enden in Sentimentalität. Doch wo sie sich begegnen, begegnen sie sich wie Bruder und Schwester. Beide denken in eigenständigen Stimmen. Im georgischen Gesang ist keine Stimme untergeordnet: Die Mittelstimme ist keine Begleitung, sie hat einen eigenen Willen, und das Ganze hält gerade deshalb zusammen, weil nichts unterdrückt wird. Beethovens Kontrapunkt funktioniert nach demselben Prinzip. Diese Gemeinsamkeit ist keine technische – es ist eine ethische.
Für dieses Konzert hast Du Beethovens »Europa steht« arrangiert. Welche Bedeutung nimmt sein Stück für Dich heute an?
Beethoven richtete diese Worte an die Männer, die Europa 1814 auf dem Wiener Kongress unter sich aufteilten. Zwei Jahrhunderte später gehören sie den Menschen, die überhaupt keine Macht haben. Was Europa heute am meisten braucht, ist genau das, was der Titel sagt: zusammenzustehen. Die Herausforderungen um uns herum sind so groß, dass kein einzelner Staat sie allein bewältigen kann. Georgien wurde 1921 von seinem westlichen Kurs abgebracht, als die Sowjetunion das Land besetzte. Ich wurde in der Sowjetunion geboren und weiß sehr gut, was mein Land in jenen Jahrzehnten durchgemacht hat. Seit 1991 arbeiten wir daran, uns von diesem Erbe zu befreien, und diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Daher ist »Europa steht« für uns keine Beschreibung. Es ist eine Hoffnung – dass die Europäer:innen noch immer verstehen, wonach der Komponist strebte, und dass Europa sowohl für diejenigen gilt, die in seinem Zentrum stehen, als auch für diejenigen an seinem Rand, sei es in Georgien oder in der Ukraine.
Interview: Anastassia Boutsko
Vokaltexte
Heinrich Schütz
Verleih uns FriedenVerleih uns Frieden genädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten,
Es ist doch ja kein ander nicht,
Der für uns könnte streiten,
Denn du, unser Gott alleine.
Heinrich Schütz
Gib unsern FürstenGib unsern Fürsten und aller Obrigkeit
Fried und gut Regiment, daß wir unter ihnen
Ein geruhig und stilles Leben führen mögen
In aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.
Amen.
Niko Sulkhanishvili
ChoralR’merto motskaleo nu mogvakleb schetsevnasa
eris kopna mT’erta dzleva R’merto marad gangvimtkiz’e
Ludwig van Beethoven
Europa steht!Europa steht!
Und die Zeiten,
Die ewig schreiten,
Der Völker Chor,
Und die alten Jahrhundert,
Sie schauen verwundert empor!
Wer muss die Hehre sein,
Die von dem Wunderschein,
Der alten Götterwelt umzogen,
Herauf von Osten geht
In einer Fürstin Majestät,
Und auf des Friedens Regenbogen?
Trad.
sami atas tselzed metiSamiatas ts’elzed meti gvitskhovria rogorts ersa,
Bevrsa shav dghes movsts’rebivart, magram bevrsats bedniersa.
Gvimgheria, kidets vimghert chvens t’kbil mravalzhamiersa.
Kartvelt siskhlit sheghebili dghesats Mt’kvari aris mghvrie,
Kartvel dedis dazrdil shvilebs mt’rebis siskhli daugvria.
***
Mehr als dreitausend Jahre
Haben wir als Nation gelebt
Wir haben viele dunkle Tage gesehen
Doch auch viele glückliche Tage
Wir haben gesungen und werden singen
Unser süßes mravalzhamieri [langes Leben, ein trad. Trinks-/Prostlied]
Gefärbt mit georgischem Blut
Die Mtkwari [Kura] ist noch immer rot
Die Kinder einer georgischen Mutter
Sie vergießen das Blut unserer Feinde
Wir haben gesungen und werden singen
Unser süßes mravalzhamieri
Trad.
MravalzhamieriMravalzhamieri
***
(Mögest du leben) Ein langes Leben
Das Campus-Projekt
Über das Campus-Projekt
Gemeinsam musizieren und Verbindungen schaffen –über geografische, stilistische und kulturelle Grenzen hinweg – das ist die tragende Idee des Campus-Projekts. Im Jahr 2001 startete das gemeinsame internationale Musik-Nachwuchsprojekt von Beethovenfest Bonn und Deutsche Welle seine Reise um den Globus und hat seitdem unzählige Mitwirkende, Uraufführungen, Probenstunden, Workshops und Konzerte erlebt – vor allem aber viele Freund:innen in aller Welt gefunden. Das Campus-Projekt ist seit seiner Gründung ein zentraler Bestandteil des Bonner Festivals. Jedes Jahr aufs Neue geht es darum, junge Musiker:innen aus Deutschland mit Musiker:innen aus einem nahen oder fernen Gastland in Kontakt und Austausch zu bringen, Horizonte zu erweitern, Spieltechniken, Hörgewohnheiten und Herangehensweisen zu überprüfen und so die Entwicklung der musikalischen Jugend hier wie dort zu fördern. Dabei steht immer ein zentrales Werk Beethovens auf dem Programm, das durch Werke mit Bezug zum Gastland ungewöhnlich beleuchtet, gebrochen oder ergänzt wird.
Das Symphonieorchester der Nationalen Musikakademie der Ukraine machte 2001 den Anfang beim »internationalen Orchestercampus«, wie das Projekt zu Beginn noch hieß. In den folgenden Jahren kamen unzählige Musiker:innen aus aller Welt dazu. Das Projekt fand mit den Gastländern Georgien (2003), Türkei (2002/2012/2013/2014), China (2004/2015), Polen (2005), Südafrika (2006/2019), Ägypten (2007), Russland (2008), Vietnam (2009), Brasilien (2010), Irak (2011), Mexiko (2016), Ukraine (2017/2022), Indien (2018), Belarus (2022), Afghanistan und Iran (2023) sowie Nigeria (2025) statt. 2024, zum 200. Jubiläum der Neunten Sinfonie, spielte das Bundesjugendorchester mit dem Weltjugendchor Beethovens monumentales Werk.
Wir danken den Mitgliedern des Freundeskreises
MÄZEN
Gründungsmitglieder Arndt und Helmut Andreas Hartwig
Barbara Massing
Ilona Schmiel
PLATIN
Dr. Michael Buhr und Dr. Gabriele Freise-Buhr
Godesberg Gastronomie & Event GmbH
GOLD
LTS Lohmann Therapie-Systeme AG
Andrea und Ekkehard Gerlach
Hans-Joachim Hecek und Klaus Dieter Mertens
Dr. Thomas und Rebecca Ogilvie
Albert Tonger Immobilien e. K.
Braunschweiger Privatbank, Köln
SILBER
Maria und Christoph Bader
Bernd Böcking
Dr. Sigrun Eckelmann† und Johann Hinterkeuser
Dr. Stefanie Montag und Dr. Stephan Herberhold
Dr. Luciano und Ulrike Pizzulli
Julia Rabus und Mirko Klemm
Jannis Ch. Vassiliou und Maricel de la Cruz
AUF EMPFEHLUNG unserer Mäzene Arndt und Helmut Andreas Hartwig
Tim Achtermeyer MdL
Judith und Tobias Andreae
Dr. Frank Asbeck und Susanne Birkenstock
Bettina Böttinger und Martina Wziontek
Anja Bröker
Philipp Buhr und Marie-Madeleine Zenker
Tim und Jessi Buhr
Katja Burkard und Hans Mahr
Claudia Cieslarczyk und Heiko von Dewitz
Rüdiger und Andrea Depkat
Guido Déus
Prof. Dr. Udo und Bettina Di Fabio
Walter Droege und Hedda im Brahm-Droege
Ralf und Antje Firmenich
Tobias Grewe und Dr. Jan Hundgeburth
Jörg Großkopf und Peter Daubenbüchel
Prof. Monika Grütters
Lothar und Martha Harings
Dr. Bernhard Helmich und Mai Hong
Dr. Eckart und Ulla von Hirschhausen
Dr. Sabine Hoeft und Thomas Geitner
Prof. Dr. Frank G. und Ulrike Holz
Prof. Dr. Wolfgang und Dr. Brigitte Holzgreve
Martin Hubert und Martina und Martha Marzahn
Stephan und Sirka Huthmacher
Dirk und Viktoria Kaftan
Dr. Christos Katzidis MdL und Ariane Katzidis
Andrea, Tim und Jan Kluit
Dr. Eva Kraus
Dr. Markus Leyck Dieken und Peter Kraushaar
Peter und Katharina Limbourg
Nathanael Liminski MdL und Hanna Liminski
Horst und Katrin Lingohr
Marianne und Stefan Ludes
Dr. Peter Lüsebrink und Karl-Heinz von Elern
Michael Mronz und Markus Felten
Prof. Dr. Georg und Doris Nickenig
Dr. Solveig Palm
Alexandra Pape und Malte von Tottleben
Christian A. und Rita Rast
Hans-Arndt und Julia Riegel
Prof. Dr. Manuel und Aila Ritter
Matthias und Steffi Schulz
Moritz Seibert
Stephan Schwarz und Veronika Smetackova
Annette Schwolen-Flümann und Thomas Flümann
Prof. Walter Smerling und Beatrice Blank
Elisabeth Sobotka und Prof. Dr. Hans Peter Wehrli
Peter und Annette Storsberg
Prof. Burkhard und Friederike Sträter
Prof. Dr. Hendrik Streeck MdB und Paul Zubeil
Ulrich und Petra Voigt
Oliver und Diane Welke
Dr. Vera Westermann und Michael Langenberg
Dr. Matthias Wissmann und Francisco Rojas
Christian van Zwamen und Gerd Halama
BRONZE
Jutta und Ludwig Acker * Prof. Dr. Wolfgang Angerstein * Alexandra Asbeck * Dr. Rainer und Liane Balzien * Munkhzul Baramsai * Christina Barton van Dorp und Dominik Barton * Christoph Becker und Ursula Baierl-Becker * Christoph Beckmanns * Prof. Dr. Christa Berg * Prof. Dr. Arno und Angela Berger * Christoph Berghaus * Klaus Besier * Ingeborg Bispinck-Weigand * Christiane Bless-Paar und Dr. Dieter Paar * Frank-Michael Böhle und Elvira Pietzka-Böhle * Dr. Ulrich und Barbara Bongardt * Anastassia Boutsko * Anne Brinkmann * Ingrid Brunswig * Lutz Caje * Gabriele und Robert Carl * Elmar Conrads-Hassel und Dr. Ursula Hassel * Ingeborg und Erich Dederichs * Geneviève Desplanques * Irene Diederichs * Michael Eckhardt und Birgit Wolter * Christel Eichen und Ralf Kröger * Elisabeth Einecke-Klövekorn * Dr. Martina Endepohls-Ulpe und Alexander Ulpe * Heike Fischer und Carlo Fischer-Peitz * Dr. Gabriele und Ulrich Föckler * Prof. Dr. Eckhard Freyer * Johannes Geffert * Silke und Andree Georg Girg * Dr. Helga-Maleen Gerresheim * Margareta Gitizad * Carsten Gottschalk * Ulrike und Axel Groeger * Marta Gutierrez und Simon Huber * Cornelia und Dr. Holger Haas * Sylvia Haas * Christina Ruth Elise Hendges * Renate und L. Hendricks * Peter Henn * Prof. Ingeborg Henzler und Dr. Mathias Jung * Heidelore und Prof. Werner P. Herrmann * Dr. Monika Hörig * Georg Peter Hoffmann und Heide-Marie Ramsauer * Dr. Francesca und Dr. Stefan Hülshörster * Karin Ippendorf * Angela Jaschke * Dr. Michael und Dr. Elisabeth Kaiser * Elisabeth und Rolf-Dieter Kaißer * Agnieszka Maria und Jan Kaplan * Dr. Hiltrud Kastenholz und Herbert Küster * Dr. Reinhard Keller * Dr. Ulrich und Marie Louise Kersten * Rolf Kleefuß und Thomas Riedel * Dr. Gerd Knischewski * Norbert König und Clotilde Lafont-König * Sylvia Kolbe * Peter Kreutzer * Sigrid Kümmerlein * Gisela Kunz * Dr. Hans Dieter und Ursula Laux * Ute und Dr. Ulrich Kolck * Manfred Koschnick und Arne Siebert * Lilith Matthiaß-Küster und Norbert Küster * Thea Kutzscher * Ruth und Bernhard Lahres * Renate Leesmeister * Gernot Lehr und Dr. Eva Sewing * Traudl und Reinhard Lenz * Florian H. Luetjohann * Moritz Magdeburg * Dr. Charlotte Mende * Heinrich Meurs * Heinrich Mevißen * Dr. Dr. Peter und Dr. Ines Miebach * Karl-Josef Mittler * Dr. Josef Moch * Esther und Laurent Montenay * Friedrich Wilhelm Moog und Vera Walther-Moog * Katharina und Dr. Jochen Müller-Stromberg * Dr. Nicola und Dr. Manuel Mutschler * Dr. Gudula Neidert-Buech und Dr. Rudolf Neidert * Gerald und Vanessa Neu * Lydia Niewerth * Wolfram Nolte * Mark und Rita Opeskin * Céline Oreiller * Dieter und Brigitta Penning * Carol Ann Pereira * Gabriele Poerting * Dr. Manfred und Dorothee van Rey * Ruth Schmidt-Schütte und Hans Helmuth Schmidt * Dr. Andreas und Bettina Rohde * Prof. Dr. Tilman und Astrid Sauerbruch * Ingrid Scheithauer * Monika Schmuck * Markus Schubert * Simone Schuck * Petra Schürkes-Schepping * Dr. Manfred und Jutta von Seggern * Prof. Dr. Norma Selve * Prof. Dr. Wolfram Steinbeck * Dr. Andreas Stork * Michael Striebich * Dr. Corinna ten Thoren und Martin Frevert * Verena und Christian Thiemann * Dr. Sabine Trautmann-Voigt und Dr. Bernd Voigt * Hermann und Bettina Ude * Katrin Uhlig * Carrie Walter und Gabriel Beeby * Susanne Walter * Aino Ritva Weyers und Nadeem Hajouj * Ruth Winterwerp-van den Elzen und Jürgen Winterwerp * Dr. Bettina und Dr. Matthias Wolfgarten
JUNGER FREUNDESKREIS
Iklim Arikan * Linda Dahn * Lasse Frings * Ricci Frosio * Lin Golenia * Emilia Hecke * Victoria Emilia Holz * M Hornauer * Zsolt Máté Kiss * Jonas Kotulla * Marie Meißner * Felix Mennicken * Linus Neunkirchen * Felix Schuck * Hannah Speckmann * Charlotte Speckmann * Nelly Sophia Stach * Till Steinert * Johanna von Bargen * Florens Windelen * Yolanda Winter * Akichika Yukawa * Tom Ziese
Biografien
Tsotne Zedginidze, Komposition & Klavier
Der georgische Pianist und Komponist Tsotne Zedginidze (*2009) entstammt einer traditionsreichen Musikerfamilie. Sein Urgroßvater war der Komponist Niko Sulkhanishvili. Er begann mit fünf Jahren bei seiner Großmutter Nino Mamradze Klavier zu spielen und komponierte bereits als Sechsjähriger erste Stücke. Mit zehn Jahren gab er sein erstes Recital in Tbilisi und spielte Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 2 mit dem Georgian Philharmonic Orchestra. Es folgten Auftritte im Wiener Konzerthaus, in der Berliner Philharmonie sowie bei Festivals in Verbier und Luzern. Seit 2021 wird er von der Lisa-Batiashvili-Stiftung gefördert und arbeitete mit Künstler:innen wie Daniel Barenboim, Alfred Brendel und Antonio Pappano zusammen. 2024 lud ihn Sir Simon Rattle ein, Werke von Schönberg, Bartók und Poulenc aufzuführen. Im Januar 2025 wurde seine erste Sinfonie bei der Mozartwoche Salzburg uraufgeführt. Heute studiert er an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin sowie an der kooperierenden Barenboim-Said Akademie bei Jörg Widmann und Sir András Schiff.
Benjamin Günst, Violine
Der Geiger Benjamin Günst (*2002) gehört zu den vielversprechendsten Musiker:innen seiner Generation. Nach einem Vorstudium in Lübeck bei Heime Müller studiert er seit 2021 bei Antje Weithaas an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin. Zu seinen jüngsten Erfolgen zählen der Musikpreis der deutschen Wirtschaft 2026 sowie Auszeichnungen beim Deutschen Musikwettbewerb 2025 und dem Max-Rostal-Wettbewerb 2024. Bereits mit elf Jahren debütierte Günst als Solist. Er konzertierte seither mit Orchestern wie dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin oder der Kammerakademie Potsdam. Als leidenschaftlicher Kammermusiker gastiert er beim Heidelberger Frühling sowie dem Beethovenfest Bonn (dort als Beethovenfest Talent 2025) und musizierte mit Partner:innen wie Mischa Maisky oder Daniel Hope. Mit Letzterem nahm er 2024 das Album DANCE! (Deutsche Grammophon) auf. Die Deutsche Stiftung Musikleben, die ihn langjährig fördert, stellt ihm eine Violine von J. B. Guadagnini (Mailand 1756) zur Verfügung.
Lizi Ramishvili, Violoncello
Die georgische Cellistin Lizi Ramishvili (*1997) begann ihre Ausbildung in Tbilisi und studierte später bei Frans Helmerson an der Kronberg Academy sowie bei Jens Peter Maintz in Madrid. Ihr außergewöhnliches Talent wurde früh durch Preise gewürdigt, darunter der »Goldene Nussknacker« beim Internationalen Nussknacker-Fernsehwettbewerb in Russland und der Tsinandali Award for Young Scholars and Artists. Sie erhielt Stipendien namhafter Stiftungen, darunter die von Mstislaw Rostropowitsch und Boris Pergamenschikow. Ihre Konzertkarriere führte sie in die Carnegie Hall New York und das Berliner Konzerthaus sowie zu Festivals wie dem Rheingau Musik Festival, dem Klavier-Festival Ruhr oder der Schubertiade Schwarzenberg. Ramishvili arbeitete mit Künstler:innen wie Renaud Capuçon, Khatia Buniatishvili und Gianandrea Noseda zusammen. Sie konzertierte mit Klangkörpern wie der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. 2021 wurde sie in die »30 Under 30«-Liste von Forbes Georgia aufgenommen. Neben ihrer Bühnentätigkeit widmet sie sich der Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses.
Marija Tamkeviciute, Cembalo
Marija Tamkevičiūtė (*2000) ist eine litauische Cembalistin und Pianistin. Im Jahr 2017 erhielt sie ein Vollstipendium für die Chetham’s School of Music und begann ein Jahr darauf ihr Bachelorstudium im Hauptfach Klavier an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. In diesem Jahr schloss sie ihr Masterstudium im Hauptfach Cembalo erfolgreich ab und absolviert derzeit ein weiteres Masterstudium im Hauptfach Generalbass. Tamkevičiūtė ist Preisträgerin verschiedener internationaler Wettbewerbe und war Stipendiatin der Sommerakademie des Mozarteums Salzburg, der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und des Deutschlandstipendiums. Als Solistin trat sie u. a. in der Stoller Hall, der Biblioteca Joanina, dem Wiener Saal sowie im Kurhaus Palanga auf. Als Cembalistin und Pianistin wirkte sie in Ensembles und Orchestern wie der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach, dem Varna International Ballet & Orchestra sowie verschiedenen Barockensembles mit.
Mirian Khukhunaishvili, Musikalische Leitung
Mirian Khukhunaishvili ist Musikdirektor der Oper Wrocław, Chefdirigent des Kammerorchesters Elbląg sowie Mitbegründer und Leiter des Tbilisi Youth Orchestra, das er zu einer führenden Kraft im georgischen Kulturleben ausgebaut hat. Er gastierte bei namhaften Klangkörpern wie dem Konzerthausorchester Berlin, dem Dänischen Nationalen Sinfonieorchester oder dem Isländischen Sinfonieorchester. Dabei arbeitete er mit Solist:innen wie Eliso Virsaladze, Christian Tetzlaff oder Anastasia Kobekina zusammen. Als erster Preisträger des Ringmann-Jaross-Preises wird er von Christoph Eschenbach gefördert. Weitere Auszeichnungen umfassen den Paavo-Järvi-Preis der Conductors’ Academy des Tonhalle-Orchesters Zürich. Khukhunaishvili assistierte Klaus Mäkelä und fungierte als Einspringer für das Koninklijk Concertgebouworkest in Amsterdam. Nach seinem Master in Tbilisi promovierte er 2020 im Fach Dirigieren an der Musikakademie Krakau. Von 2021 bis 2024 lehrte er zudem Dirigieren an der Iceland University of the Arts.
Tbilisi Youth Orchestra
Das Giya Kancheli Tbilisi Youth Orchestra (TYO) wurde 2019 durch Mika Mdinaradze und Mirian Khukhunaishvili gegründet. Als Georgiens einziges Jugendorchester bietet es jungen Musiker:innen eine Ausbildung auf Spitzenniveau. Jährlich präsentiert es eine ambitionierte Saison mit zehn bis zwanzig abendfüllenden Konzerten, die sowohl nationale als auch internationale Anerkennung gefunden haben. Das Ensemble kooperierte bereits mit Weltklassekünstler:innen wie Paavo Järvi, Gidon Kremer oder Anastasia Kobekina. Über die Klassik hinaus öffnet sich das TYO durch Projekte mit Anna Meredith oder Worakls einem vielfältigen Publikum. Seit 2024 fungiert das Orchester als Residenzensemble des Toradze International Music Festival. Internationale Tourneen führten die Musiker:innen bereits in das Berliner Konzerthaus und zur Liederhalle Stuttgart. Besondere Aufmerksamkeit erregten zwei Einladungen zum Berliner Festival Young Euro Classic. Zukünftige Höhepunkte sind die Teilnahme am Beethovenfest Bonn sowie Kooperationen mit Gianandrea Noseda und Eliso Virsaladze.
Bundesjugendorchester
Das Bundesjugendorchester ist Deutschlands jüngstes Spitzenorchester für Nachwuchsmusikerinnen und -musiker im Alter von 14 bis 19 Jahren und das Patenorchester der Berliner Philharmoniker. Es wurde 1969 vom Deutschen Musikrat gegründet. Dirigenten wie Andris Nelsons, Ingo Metzmacher oder Kirill Petrenko standen hier bereits am Pult; Solistinnen und Solisten waren unter anderem Christian Tetzlaff, Tabea Zimmermann, Sting oder Peter Maffay. Seit 2018 ist Sir Simon Rattle Ehrendirigent des Bundesjugendorchesters. Tourneen führten das Orchester durch ganz Europa, nach Nord- und Südamerika, Asien und Afrika. Es begleitete im Rahmen des Campus-Projekts von Beethovenfest Bonn und Deutsche Welle die Gründung des nationalen ukrainischen Jugendorchesters in der Ukraine. Außerdem unterstützte es die musikalische Bildungsarbeit im südafrikanischen Township Soweto. Höhepunkt des pandemiegeprägten Jahres 2020 war eine Videoproduktion mit Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie unter der Leitung des Beethoven-Spezialisten Paavo Järvi.
Bundesjugendchor
Im Bundesjugendchor erarbeiten rund 50 exzellente junge Sänger:innen anspruchsvolle Programme von der Renaissance bis zur Gegenwart. Unter der künstlerischen Leitung von Anne Kohler hat sich das Ensemble seit seinem Gründungskonzert 2021 in der Philharmonie Berlin als feste Größe etabliert. Die Arbeit wird durch Gastdirigent:innen sowie Kooperationen mit Partnern wie dem SWR Vokalensemble oder dem Eric Ericson Kammerchor ergänzt. Ein Schwerpunkt liegt auf dem internationalen Austausch und genreübergreifenden Projekten, etwa dem choreografischen Programm PAX – Chor in Bewegung. Gastspiele führten den Chor in die Elbphilharmonie Hamburg, die Thomaskirche Leipzig sowie nach Breslau (Wrocław) und Stockholm. Zudem gastiert das Ensemble bei Festivals wie dem Heidelberger Frühling oder der Bachwoche Ansbach. Gefördert wird der Bundesjugendchor aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Konzertempfehlungen
Festival-Miteinander
Festival-Miteinander
Wir – das Beethovenfest Bonn – laden ein, in einem offenen und respektvollen Miteinander Beethovenfeste zu feiern. Dafür wünschen wir uns Achtsamkeit im Umgang miteinander: vor, hinter und auf der Bühne.
Für möglicherweise auftretende Fälle von Grenzüberschreitung ist eine interne Ansprechstelle erreichbar für Publikum, Künstler:innen und Mitarbeiter:innen.
Wir sind ansprechbar über eine Telefon-Hotline (+49 228 2010321, im Festival täglich von 13–21 Uhr) oder per E-Mail (awareness@beethovenfest.de).
Werte und Überzeugungen unseres Miteinanders sowie weitere externe Kontaktmöglichkeiten können hier auf unserer Website aufgerufen werden.
Das Beethovenfest Bonn 2026 steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst.
Programmheftredaktion:
Sarah Avischag Müller
M Hornauer
Die Texte von Nana Sharikadze sind Originalbeiträge für dieses Programmheft.



























