Unsere Erfahrungen wirken wie ein Filter: Sie entscheiden mit, ob wir etwas als wichtig oder unwichtig, nachvollziehbar oder nervig empfinden. Es entscheiden also nicht Augen und Ohren allein, was wir wahrnehmen, sondern auch unser Gehirn auf der Grundlage unserer bisherigen Erlebnisse. Das gilt für die Musik, aber genauso für andere Bereiche wie etwa Politik.
In der nächsten Übung probiert ihr aus, wie es sich anfühlt, wenn ihr eure Gefühle bewusst mit euren Gedanken in Verbindung bringt – und dann miteinander darüber ins Gespräch kommt. Wenn wir besser verstehen, warum jemand bei einem bestimmten Thema wütend, traurig oder begeistert ist, gibt uns das neue Chancen, mit der Meinung der anderen Person umzugehen.
Denn es gibt Theorien, die davon ausgehen, dass Gefühle beim Austausch – etwa über politische Themen - nicht unangebracht oder unseriös sind, sondern uns sogar dabei helfen, eine eigene Meinung zu entwickeln und gut zu begründen. Eines dieser Konzepte – die emotionssensible politische Urteilsbildung von Dr. Hendrik Schröder – dient als Orientierung für die folgende Übung.
Laut diesem Ansatz bestimmen Gefühle unsere Meinung zwar nicht allein – sie geben aber wichtige Hinweise darauf, was uns wichtig ist, und begleiten den Urteilsprozess in drei Phasen:
- Vor dem Urteilen: Emotionen wecken unser Interesse und motivieren uns, uns mit einem Thema zu beschäftigen.
- Beim Urteilen: Sie helfen uns, Informationen zu bewerten und zu sortieren.
- Nach dem Urteilen: Sie unterstützen uns dabei, unsere Meinung anderen verständlich zu machen.
Ursprünglich wurde das Konzept für politische Themen entwickelt.
