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Wed. 23.9.2026

18:00, Beethovenhalle, chamber music hall

After Work Concert: Katrīna Paula Felsberga & Lal Karaalioğlu

  • Vocal
  • Past Event
  • € 19
  • Katrīna Paula Felsberga © Nekame Klasohm
  • Lal Karaalioğlu © Beethovenfest Bonn

Contributors

  • Katrīna Paula Felsberga soprano
  • Lal Karaalioğlu piano

Programme

»I am Home«

***

Viktor Ullmann
Songs after Friedrich Hölderlin
Pēteris Vasks

Mīlas dziesma (»Love Song«)

Christian Jost

Unter fremden Dach (»Below Foreign Roof«)

Hanns Eisler

An eine Stadt (»To a City«) & Und ich werde nicht mehr sehen (»And I Will See No More«)

Francis Poulenc

Deux poèmes de Louis Aragon

Kurt Weill

Youkali

Fazıl Say

Memleketim (»My Homeland«)

John Musto

»Litany« from Shadow of the Blues

Tom Cipullo

Late Summer

Ludwig van Beethoven

Abendlied unterm gestirnten Himmel (»Evening Song Under Starry Night«) WoO 150

Vocal texts

Viktor Ullmann: 3 Gesänge nach Gedichten von Friedrich Hölderlin

I

Wo bist du? Trunken dämmert die Seele mir
Von all deiner Wonne; denn eben ist's,
Daß ich gelauscht, wie goldner Töne
Voll der entzückende Sonnenjüngling

Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt';
Es tönten rings die Wälder und Hügel nach.
Doch fern ist er zu frommen Völkern,
Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

II

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,

O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh' und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.

III

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren jetzt die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten fröhlich verrauscht des Markts
Geschäftiger Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh und Ruh
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühen die Rosen, und ruhig scheint
Die goldene Welt; o dorthin nehmt mich,
Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid'!
Doch, wie verscheucht von törichter Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wird's und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich - 

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

Pēteris Vasks: Tāds gaišums

 Imants Ziedonis

Tāds gaišums tikai ļoti retam rudenim
Tāds gaišums vēl nav bijis man līdz šim.
Ne ziemas bail, ne arī tumsa kaiš.
Jau pašā sajūtā ir kaut kas gaišs.
Kā balti dvieļi liedagi gar jūru,
Es eju krastu šo jau kuro reizi.
Un viss ir gaismā balts un sudrabots,
Es nezinu, par ko man tas ir dots.

***

Eine solche Leichtigkeit gibt es nur für einen sehr seltenen Herbst
 So eine Leichtigkeit hatte ich noch nie
 Keine Angst vor dem Winter, keine Angst vor der Dunkelheit
 In dem Gefühl selbst liegt etwas Leuchtendes
 Wie weiße Handtücher über dem Meer ausgebreitet
 Ich war schon einmal an diesem Ufer
 Und alles ist weiß im Licht, alles ist weiß und versilbert
 Ich weiß nicht, wofür es mir gegeben wurde

Christian Jost: Unter fremden Dach

Mascha Kaléko

Unter fremdem Dach
Nachts hör ich den Regen
Unter fremdem Dach.
Regen… Regen…
Wie hältst du mich wach
Unter fremdem Dach!

So rauschte der Regen
In jenem Jahr
Durchsingen­de Birken
Im tiefen­den Haar,
In meiner Heimat
Fontänen

Nun rauscht er mir nimmer
Von Quelle und Bach.
Nun rauscht er mir nimmer
Von Tränen.

Regen… Regen…
Unter fremdem Dach
Hab ich zu lang,
Zu lang gelegen.

Hanns Eisler: 2 Lieder

Und ich werde nicht mehr sehen

Bertold Brecht

Und ich werde nicht mehr sehen
das Land, aus dem ich gekommen bin.
Nicht die bayrischen Wälder,
nicht das Gebirge im Süden,
nicht das Meer,
nicht die Märkische Heide,
die Föhre nicht,
noch die Weinhügel am Fluss im Frankenland.
Nicht in der grauen Frühe,
nicht am Mittag,
und nicht, wenn der Abend herabsteigt.
Noch die Städte,
noch die Stadt, wo ich geboren bin.
Nicht die Werkbänke,
und auch die Stube nicht mehr,
und den Stuhl nicht.
All das werd' ich nicht mehr sehen,
und keiner, der mit mir ging,
wird das alles noch einmal sehen.
Und ich nicht, und du nicht
werden die Stimmen der Frauen und Mütter hören,
oder den Wind über dem Schornsteine der Heimat,
oder den fröhlichen Lärm der Stadt,
oder den bitteren.

An eine Stadt

Friedrich Hölderlin

Lange lieb' ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen, und dir schenken ein kunstloses Lied,
Dir der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.

Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.

Da ich vorüber ging,
fesselt' der Zauber auch mich, da herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien.

Du hast dem Flüchtigen
kühlenden Schatten geschenkt
und die Gestade sahen
ihm alle nach und es tönte
aus den Wellen das liebliche Bild.

Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
An den Hügel gelehnt, oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruhn.

Francis Poulenc: Deux poèmes de Louis Aragon

C. Très calme

J’ai traversé les ponts de Cé
C’est là que tout a commencé

Une chanson des temps passés
Parle d’un chevalier blessé

D’une rose sur la chaussée
Et d’un corsage délacé

Du château d’un duc insensé
Et des cignes dans les fossés

De la prairie où vient danser
Une éternelle fiancée

Et j’ai bu comme un lait glacé
Le long lai des gloires faussées

La Loire emporte mes pensées
Avec les voitures versées

Et les armes désamorcées
Et les larmes mal effacées

Ô ma France ô ma délaissée
J’ai traversé les ponts de Cé

***

Ich habe die Brücken von Cé überquert Dort hat alles begonnen
Ein Lied aus vergangenen Zeiten
Erzählt von einem verwundeten Ritter
Von einer Rose am Straßenrand Und einem offenen Mieder
Vom Schloss eines wahnsinnigen Herzogs Und Schwänen in den Burggräben
Von der Wiese, auf die Eine ewige Braut zum Tanzen kommt
Und ich habe getrunken wie eiskalte
Milch
Das lange Lied von falscher Herrlichkeit
Die Loire trägt meine Gedanken davon Mit umgestürzten Autos
Und entschärften Waffen Und kaum getrockneten Tränen
Oh mein Frankreich oh mein verlassenes Land
Ich habe die Brücken von Cé überquert

Fêtes galantes. Incroyablement vite, dans le style des chansons-scies de café-concert

On voit des marquis sur des bicyclettes
On voit des marlous en cheval-jupon
On voit des morveux avec des voilettes
On voit les pompiers brûler les pompons

On voit des mots jetés à la voirie
On voit des mots élevés au pavois
On voit les pieds des enfants de Marie
On voit le dos des diseuses à voix

On voit des voitures à gazogène
On voit aussi des voutures à bras
On voit des lascars que les longs nez gênent
On voit des coïons de dix-huit carats

On voit ici ce que l’on voit ailleurs
On voit des demoiselles dévoyées
On voit des voyous On voit des voyeurs
On voit sous les ponts passer des noyés

On voit chômer les marchands de chaussures
On voit mourir d’ennui les mireurs d’œufs
On voit péricliter les valeurs sûres
Et fuir la vie à la six-quatre-deux

***

Man sieht Marquis auf Fahrrädern
Man sieht Zuhälter im Pferdekostüm
Man sieht rotznasige Kinder mit Schleiern
Man sieht Feuerwehrmänner, die Pompons verbrennen

Man sieht Worte, die an den Straßenrand geworfen werden
Man sicht Worte, die hochgehalten werden
Man sicht die Füße der Kinder Marias
Man sicht die Rücken von Cabaret-Sängerinnen

Man sicht Autos mit Gasmotor
Man sicht auch Handkarren
Man sicht Schlauberger, denen ihre langen Nasen im Weg sind 
Man sieht hochkarätige Idioten

Man sieht hier, was man überall sieht 
Man sieht gefallene Mädchen
Man sieht Ganoven Man sieht Voyeure
Man sieht unter den Brücken Ertrunkene vorbeitreiben

Man sieht arbeitslose Schuhverkäufer 
Man sieht Eierbetrachter, die sich zu Tode langweilen
Man sieht sichere Werte verfallen 
Und das Leben Hals über Kopf entflichen

Kurt Weill: Youkali

C’est presque au bout du monde
Ma barque vagabonde
Errant au gré de l’onde
M’y conduisit un jour
L’île est toute petite
Mais la fée qui l’habite
Gentiment nous invite
À en faire le tour

Youkali, c’est le pays de nos désirs
Youkali, c’est le bonheur, c’est le plaisir
Youkali, c’est la terre où l’on quitte tous les soucis
C’est, dans notre nuit, comme une éclaircie
L’étoile qu’on suit, c’est Youkali

Youkali, c’est le respect de tous les vœux échangés
Youkali, c’est le pays des beaux amours partagés
C’est l’espérance qui est au cœur de tous les humains
La délivrance que nous attendons tous pour demain

Youkali, c’est le pays de nos désirs
Youkali, c’est le bonheur, c’est le plaisir
Mais c’est un rêve, une folie
Il n’y a pas de Youkali

Et la vie nous entraîne
Lassante, quotidienne
Mais la pauvre âme humaine
Cherchant partout l’oubli
A, pour quitter la terre
Su trouver le mystère
Où nos rêves se terrent
En quelque Youkali

***

Es trieb im weiten Runde
mein Boot im Meer der Winde
mich bis ans Weltenende,
wo’s nirgends weiter geht,
da eines Tages fand ich
dies’ kleine Eiland endlich,
wo eine Fee uns freundlich
zu ferner Reise lädt:

Youkali, wo unser Land der Sehnsucht liegt,
Youkali, wo nie der Quell des Glücks versiegt,
Youkali, ist da, wo alle unsre Sorgen vergeh’n,
ist, wenn in der Nacht ein Licht Hoffnung macht,
der leuchtende Stern ist Youkali!

Youkali, wo man geachtet wird, geborgen sich fühlt,
Youkali, das ist das Land, wo echte Liebe nur zählt,
ist Hoffnung, die in den Herzen aller Menschen wohnt,
Befreiung, die wir für morgen uns erwarten schon,

Youkali, wo unser Land der Sehnsucht liegt,
Youkali, wo nie der Quell des Glücks versiegt!

Doch nur im Traum aus Phantasie,
’s gibt überhaupt kein Youkali,
doch nur im Traum aus Phantasie,
’s gibt überhaupt kein Youkali!

Das Leben reißt uns mit sich,
das Los ist unerbittlich,
die arme Seele sehnt sich
den Nöten zu entflieh’n,
um einen Weg zu finden,
der Welt sich zu entwinden,
da braucht sie kleine Inseln
wie jenes Youkali:

Youkali, wo unser Land der Sehnsucht liegt,
Youkali, wo nie der Quell des Glücks versiegt,
Youkali, ist da, wo alle unsre Sorgen vergeh’n,
ist, wenn in der Nacht ein Licht Hoffnung macht,
der leuchtende Stern ist Youkali!

Doch nur im Traum aus Phantasie,
’s gibt überhaupt kein Youkali,
doch nur im Traum aus Phantasie,
’s gibt überhaupt kein Youkali!

Fazıl Say: Memleketim

Nâzım Hikmet

Memleketim, memleketim memleketim
Ne kasketim kaldı senin ora işi
Ne yollarını taşımış ayakkabım
Son mintanım da sırtımda paralandı çoktan
Şile bezindendi
Sen şimdi yalnız saçımın akında
İnfarktında yüreğimin
Alnımın çizgilerindesin memleketim
Memleketim, Memleketim

***

Mein Heimatland…

Mir blieb nicht einer der Hüte, die ich dort trug,
nicht Schuhe, die noch deine Straßen berührt.
Die letzten Hemden, sie sind so lange schon zerschlissen,
aus Şile-Stoff waren sie.
Du bist jetzt nur noch in dem Grau der Haare,
im stechenden Schmerz des Herzinfarkts.
Du bist jetzt nur noch in dem Grau der Haare,
nur in den Falten meiner Stirn lebt
mein Heimatland.

John Musto: Litany

Langston Hughes

Gather up
In the arms of your pity
The sick, the depraved,
The desperate, the tired,
All the scum
Of our weary city.

Gather up
In the arms of your pity.
Gather up
In the arms of your love–
Those who expect
No love from above.

Tom Cipullo: Late Summer

Crickets

William Heyen

Evenings, where lawns are not sprayed with poisons,
you can still hear the crickets,
you can still see lightning bugs signaling,
look, a yellowgreen strobe under the trees,
but gone, but there again, sometimes

in the same spot, and sometimes not,
as the tiny purveyors of phosphor
drift past our houses, looking 
for one another, and the crickets,
crickets, crickets, the ones that still have their legs,
keep scraping them together,
listen, maybe for the last time on earth, listen…

Touch Me

Stanley Kunitz

Summer is late, my heart.
Words plucked out of the air
some forty years ago
when I was wild with love
and torn almost in two
scatter like leaves this night
of whistling wind and rain.
It is my heart that’s late,
it is my song that’s flown.
Outdoors all afternoon
under a gunmetal sky
staking my garden down,
I kneeled to the crickets trilling
underfoot as if about
to burst from their crusty shells;
and like a child again
marveled to hear so clear
and brave a music pour
from such a small machine.
What makes the engine go?
Desire, desire, desire.
The longing for the dance
stirs in the buried life.
One season only,
and it’s done.
So let the battered old willow
thrash against the windowpanes
and the house timbers creak.
Darling, do you remember
the man you married? Touch me,
remind me who I am.

Ludwig van Beethoven: Abendlied unterm gestirnten Himmel

Heinrich Goeble

Wenn die Sonne niedersinket,
Und der Tag zur Ruh sich neigt,
Luna freundlich leise winket,
Und die Nacht herniedersteigt;
Wenn die Sterne prächtig schimmern,
Tausend Sonnenstrassen flimmern:
Fühlt die Seele sich so gross,
Windet sich vom Staube los.

Schaut so gern nach jenen Sternen,
Wie zurück ins Vaterland,
Hin nach jenen lichten Fernen,
Und vergisst der Erde Tand;
Will nur ringen, will nur streben,
Ihre Hülle zu entschweben:
Erde ist ihr eng und klein,
Auf den Sternen möcht sie sein.

Ob der Erde Stürme toben,
Falsches Glück den Bösen lohnt:
Hoffend blicket sie nach oben,
Wo der Sternenrichter thront.
Keine Furcht kann sie mehr quälen,
Keine Macht kann ihr befehlen;
Mit verklärtem Angesicht,
Schwingt sie sich zum Himmelslicht.

Eine leise Ahnung schauert
Mich aus jenen Welten an;
Lange, lange nicht mehr dauert
Meine Erdenpilgerbahn,
Bald hab ich das Ziel errungen,
Bald zu euch mich aufgeschwungen,
Ernte bald an Gottes Thron
Meiner Leiden schönen Lohn.

The concert at a glance

What can I expect?

Two Beethovenfest Talents from 2025 and 2026 with a recital that views home as something changeable and that lies within us.

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Today at the Festival Salon

Opening hours: 17:00–23:00

19:00 Meet the Artist – with Katrīna Paula Felsberga & Lal Karaalioğlu

Description

»We have different backgrounds. But our home is currently in Berlin and actually wherever we are on stage.« Katrīna Paula Felsberga and Lal Karaalioğlu are turning this perspective on life into a song recital: featuring music by Viktor Ullmann, a Silesian composer from the multi-ethnic state of Austria-Hungary who wrote a setting of Hölderlin in the Theresienstadt ghetto. And contemporary songs from their home countries of Latvia and Turkey as well as from Germany and the USA.

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      • Beethovenfest Talents 2026
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