Sie ist Komikerin, Schauspielerin, Kölnerin und dazu Botschafterin der UNO-Flüchtlingshilfe: Annette Frier stellt sich auf die Bühnen, um über Flucht und Vertreibung aufzuklären – auch beim Beethovenfest Bonn, wo sie in einer Gesprächsrunde zum Thema teilnimmt.
Warum engagierst Du Dich für die UNO-Flüchtlingshilfe?
Annette Frier: Der Gedanke, mein Zuhause verlassen zu müssen, vertrieben zu werden, ist für mich unvorstellbar. Gleichzeitig weiß ich, dass das für Millionen Menschen weltweit Realität ist. Wenn ich, meine Familie oder Freund:innen jemals in eine solche furchtbare Situation geraten sollten, wären wir auf Solidarität und Mitgefühl angewiesen. Das bedeutet wiederum, dass wir Verantwortung tragen, sowohl individuell als auch gesellschaftlich. Sich füreinander einzusetzen, nicht wegzusehen, sondern zu handeln – das ist für mich ein zentraler Aspekt des Menschseins. Die Arbeit und die Mission der UNO-Flüchtlingshilfe stehen genau dafür.
Worin besteht Deine Aufgabe als Botschafterin?
Ich bin seit etwa zwei Jahren an Bord und noch dabei, meine Rolle zu finden. Ein wesentlicher Bestandteil ist aber sicherlich, meine eigenen Kanäle und Bühnen zu nutzen, um andere Perspektiven und Narrative zum Thema Flucht anzubieten und Menschen damit zu erreichen. Mir geht es darum, Vorurteile abzubauen und Fakten zur internationalen Fluchtsituation verständlich und nahbar zu vermitteln. Vielen ist zum Beispiel gar nicht bewusst, dass die meisten Geflüchteten als Binnenvertriebene in ihrem eigenen Land bleiben oder es auf der Suche nach Schutz und Sicherheit gerade so in die Nachbarländer schaffen – und nicht etwa bis nach Deutschland. Wenn man solche Zusammenhänge kennt, verändert sich oft der Blick und vielleicht auch das eigene Gefühl. Und dazu möchte ich beitragen.
Gibt es Begegnungen mit geflüchteten Menschen, die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Zwischen 2015 und 2017 haben wir als Pflegefamilie Said bei uns aufgenommen, einen afghanischen Jugendlichen. Wir haben ihm ein Zuhause auf Zeit gegeben und dadurch auch viel von ihm gelernt. Zu erleben, wie ein junger Mensch in einer völlig neuen Umgebung seinen Weg findet, Deutsch lernt, Freundschaften schließt und Perspektiven entwickelt, war beeindruckend. Heute macht Said übrigens eine Ausbildung zum Physiotherapeuten und ist ein echter ›kölsche Jung‹ geworden.
