Rowan Hellier Konzept, Co-Leitung & Mezzosopran
Andreas Heise Choreografie & Co-Leitung
Ana Dordevic Tanz
Aya Sone Tanz
Sholto Kynoch Klavier
Elena Langer Komposition
Sascha Thomsen & Helene Rindtorff Bühne, Kostüm & Lichtdesign
3.9.– 3.10. 2026
Rowan Hellier Konzept, Co-Leitung & Mezzosopran
Andreas Heise Choreografie & Co-Leitung
Ana Dordevic Tanz
Aya Sone Tanz
Sholto Kynoch Klavier
Elena Langer Komposition
Sascha Thomsen & Helene Rindtorff Bühne, Kostüm & Lichtdesign
Elena Langer (*1974)
»Snow« aus Nice Weather For Witches
Modest Mussorgsky (1839–1881)
»Trepak« aus Pesni i pljaski smerti (»Lieder und Tänze des Todes«)
Leoš Janáček (1854–1928)
»Kvítí milodìjné« (»Liebeskräuter«) aus Moravská lidová poesie v písních (»Mährische Volkspoesie in Liedern«)
Antonín Dvořák (1841–1904)
»Když mne stará matka« (»Lieder meiner Mutter«) & »Dejte klec jestřábu« (»Gebt dem Adler einen Käfig«) aus Cigánské Melodie op. 55
Leoš Janáček
»Sýček neodletěl!« (»Die Stalleule ist ausgeflogen«) aus Po zarostlém chodníčku (»Auf verwachsenem Pfade«)
Modest Mussorgsky
»Serenade« aus Pesni i pljaski smerti (»Lieder und Tänze des Todes«)
William Shakespeare (1564–1616)
aus Macbeth: Akt 1 Szene 1 (gesprochen)
Schottisches Trad.
The Witches’ Reel
Henry Purcell (ca. 1659–1695)
»The Witches’ Dance« aus Dido and Aeneas Akt 3
Elena Langer
Nice Weather For Witches
»Snow«
»The Witch«
»Her Dance«
»Her Song«
»Snow 2«
»Her Spell«
»Snow 3«
»Silver Sunbeam«
Litauisches Trad.
A-a-a You Little Son
Deutsches Trad.
Maiden, Mother, Crone (gesprochen)
Peter Tschaikowsky (1840–1893)
»Baba Yaga« aus Childrens’ Album op. 39/20
Modest Mussorgsky
»Polkovodec« (»Feldmarschall«) aus Pesni i pljaski smerti (»Lieder und Tänze des Todes«)
Frédéric Chopin (1810–1849)
Prelude c-Moll op. 28/20
Leoš Janáček
»Povez mi, synecku« (»Verleumdung«) aus Moravská lidová poesie v písních (»Mährische Volkspoesie in Liedern«)
Modest Mussorgsky
»Baba Yaga« aus Bilder einer Ausstellung
Adrienne Rich (1929–2012)
Gedicht 13 von »21 Love Poems« aus Collected Poems: 1950–2012 (gesprochen)
Benjamin Britten (1913–1976)
»A Charm« aus A Charm of Lullabies
Jake Heggie (*1961)
»Snake« aus Eve-Song
Elena Langer
»Snow« aus Nice Weather For Witches
Konzertdauer: ca. 70 Minuten ohne Pause
Gastronomisches Angebot vor Ort
Für ein ungestörtes Konzerterlebnis bitten wir Sie, auf Foto- und Videoaufnahmen zu verzichten.
Zusätzlich zu Blumen schenken wir den Künstler:innen Blüh-Patenschaften, mit deren Hilfe in der Region Bonn Blumenwiesen angelegt werden.
Unser Festival Salon steht vor und nach dem Konzert zum gemütlichen Verweilen offen – auch ohne Ticket. Kommen Sie vorbei!
Öffnungszeiten: 14–19.30 Uhr
Programm:
15.30–17.30 Uhr: Kinderbetreuung auf Anmeldung verfügbar (Seminarraum C)
Die Baba Yaga aus der slawischen Sagenwelt ist eine knorpelige Waldbewohnerin, mal als gut und mal als böse beschrieben. Sie ist eine Hexe und deren Image wandelt sich derzeit, wie von Zauberhand. Weltweit verkörpert die Figur heute Verbundenheit mit der Natur und ein weibliches Heimatgefühl, als Gegenentwurf zu auferlegten Rollenbildern, in denen es sich wie in einem inneren Exil lebt. Anders die Komponistin Elena Langer. Nach ihrem Musikstudium am Moskauer Konservatorium zog die Russin 1999 ins Londoner Wahlexil. Doch was bleibt, wenn das Land, das man verließ, in dem vertrauten Geist nicht länger existiert? Die Künste. So aktiviert Langer aufs Neue ihre Verbundenheit mit Osteuropa, indem sie das Libretto ihres Liederzyklus Nice Weather For Witches aus der Lyrik ihrer Heimat schöpft.
Die Figur der Baba Yaga ist der Inbegriff alles Fürchterlichen. Alt, hässlich, mysteriös, Kinder fressend, allein im Wald lebend. Auch die Hexe aus Hänsel und Gretel ist eindeutig eine Verwandte der Baba Yaga, auch wenn sie, im Gegensatz zu mancher slawischen Sage, keine Schwestern hat. Weithin als Symbol von Gefahr identifiziert, ist sie eine Projektionsfläche für Misogynie und verkörpert eine Menge patriarchalischer Fantasievorstellungen. Sie hat aber auch eine ganz andere Seite, weiß Rowan Hellier. Die für das künstlerische Konzept der Aufführung verantwortliche Mezzosopranistin merkt an, dass die Baba Yaga auch als freundliche, ältere Frau in Erscheinung treten kann, die den Wasserquell des Lebens bewacht. So steht sie für Wiedergeburt und Erneuerung. In manchen Sagen tritt sie deshalb als Symbol von Multiplizität und Metamorphose auf, zum Beispiel in Form einer Wolke oder Schlange.
Es ist ein fundamentaler Trend in der Gesellschaft: Die sogenannten ›Hexen‹ sind wieder hoffähig. Mehr noch, sie sind Heldinnen. Ökofeministische Theoretikerinnen und Frauenrechtlerinnen wie die französische Schriftstellerin Françoise d’Eaubonne oder die deutsche Soziologin Maria Mies trugen die Verquickung von Feminismus und Ökologie in die Wohnstuben. Unter ihrem Einfluss wurde das positive Hexenbild auch in der Tanzlandschaft zu einer festen Größe. Rowan Hellier bezieht sich auf den Roman Die Wolfsfrau von Clarissa Pinkola Estés und die darin ausgeführte Idee, »dass in Frauen Wildheit und Weisheit schlummern«. Am fundamentalsten für diese weltweite Bewegung erwiesen sich jedoch die Impulse der Amerikanerin Starhawk. Die Theoretikerin und Begründerin des Ökofeminismus definiert sich explizit als Hexe. Hellier geht es als künstlerischer Leiterin von Baba Yaga ebenfalls um einen neuen, alternativen Blick auf die alternde Frau, als Gegenmodell zu dem obsessiv auf Jugendlichkeit getrimmten Frauenbild in unserer Gesellschaft.

Liederzyklus. Klavier, Mezzosopran
Texte: Russische Lyrik des 20. Jahrhunderts von Boris Pasternak, Sergei Jessenin, Aleksander Blok, Anna Achmatowa und Marina Tsvetaeva
Uraufführung: Oxford, Oktober 2025
Elena Langer rundet die musikalische Reise durch die Welt der Baba Yaga mit einem eigenen Liederzyklus ab: Nice Weather For Witches. Für das Libretto wählte die in Moskau ausgebildete und in London lebende Komponistin slawische Poesie des 20. Jahrhunderts von Boris Pasternak, Sergei Jessenin, Aleksander Blok, Anna Achmatowa und Marina Tsvetaeva, denen sie einen Auszug aus einer volkstümlichen Sage hinzufügt. »Das Gemeinsame an diesen Gedichten besteht darin, dass die Hauptfigur weiblich ist. Sie tritt als Hexe, als Verführerin, als flirtendes oder naives Mädchen und als Geliebte eines Gefangenen in Erscheinung«, erklärt sie.
Was das mit dem Wetter im Titel zu tun hat? Langer schrieb das Lied »Schnee« in Anlehnung an Boris Pasternaks Gedichte. In denen fällt Schnee und die Komponistin sieht darin eine »Metapher der Vergänglichkeit von Zeit und Leben«, die bei ihr zum »Hintergrund für die anderen komischen und tragischen Episoden« des Abends wird. Ihren Wetterbericht vollendet sie so: »Im letzten Lied setzen Blitze und Regen ein und danach scheint die Sonne.« Keine Hexerei also, sondern der ganz normale Lauf der Natur.
Modest Mussorgsky (1839–1881): Pesni i pljaski smerti
Liederzyklus für Gesang und Klavier
Entstehung: 1875–1877
Vier Lieder: Wiegenlied, Ständchen, Trepak, Der Feldherr
Texte: Arseni Golenischtschew-Kutusow (1848–1913)
Es kann der langsame, sanfte, poetische Tod sein, eingefangen in Boris Pasternaks Schneemotiven. Oder der tragische, schmerzvolle wie bei Leoš Janáček, der in seinen Liedern den Verlust seiner Tochter beklagt. Es kann die Vorahnung sein: Dass Modest Mussorgsky seinen Liederzyklus explizit mit dem Tod in Verbindung brachte, erschloss sich erst nach seinem Ableben. Erst in einem Brief sprach er von Totentanzliedern: In »Trepak« verführt der Tod einen betrunkenen Bauern zu diesem traditionellen kleinrussischen Tanz und begräbt sein Opfer auf Schneewolken. Nun sind vor allem die Hexen für ihre sarkastischen Tänzchen bekannt, und die Lieder vom Tod führen an diesem Abend direkt in deren Reich. Zuerst begegnen wir ihnen in einem schottischen Volkslied, dann als Figuren aus Purcells Dido und Aeneas. Es folgen Elena Langers Zyklus Nice Weather for Witches und Tschaikowskys Kinderstück Die Hexe bzw. Baba Yaga, bevor im letzten Teil beide Themen miteinander verschmelzen.

Das Quartett aus Sängerin, Pianist und Tänzerinnen vollführt ein komplexes Zusammenspiel von Gesang, Bewegung, Körpern und Musik, aus grafischen und kinetischen Variablen. Was hier so weit gehen kann, dass die Körper in ihrem intensiven Dialog praktisch miteinander zu verwachsen scheinen und gewissermaßen einen tanzenden Klangkörper bilden. Selbst der Pianist Sholto Kynoch wird immer wieder in das Spiel der Körper einbezogen, sodass im Grunde alle gemeinsam in der Figur der Baba Yaga und deren singendem Hexentanz aufgehen. Der Choreograf Andreas Heise überfrachtet dabei nichts, er offeriert dieser kollektiven Baba Yaga Zeit und Raum, um ihre Zauberkraft atmen zu lassen, sodass sie zu voller Entfaltung gelangt. Auf die Magie von Ana Dordevic in Spitzenschuhen antwortet die Autorität der Aya Sone, im Angesicht der alles dominierenden stimmlichen und körperlichen Präsenz von Rowan Hellier, allesamt aus dem Hintergrund angetrieben vom Spiel und der Energie des Klaviers.
Der Bezug zu Osteuropa ist in allen Bereichen von Baba Yaga: Songs and Dances of Death präsent. Bewusst tanzbar hielt Elena Langer die Lieder ihres gesungenen Zyklus, der sich zwischen Janáčeks Mährische Volkspoesie in Liedern, Dvořáks Lieder meiner Mutter, Tschaikowskys Baba Yaga und Mussorgskys Lieder und Tänze des Todes einfügt. Doch die Stimmungen sind nicht nur Totentänzen hold, sondern so wechselhaft wie ein Wetterbericht im Frühling, auch wenn der Wunsch nach Nice Weather for Witches klar artikuliert wird. »Die Klavierklänge sind funkelnd, glänzend und glockenartig, und die Stimme singt in langen, diatonischen, lyrischen Linien«, erklärt Langer, die im Hinblick auf die choreografische Dimension des Stücks auch Tanzrhythmen einsetzt. Mehr noch:
»Ich habe ein paar in der Hand zu haltende Perkussionsinstrumente eingebaut wie Tamburin, Schlagholz und Regenrohr, die von den Tänzerinnen gespielt werden, sodass diese musizieren und sich dabei bewegen können.« – Elena Langer

Im Dresden nach dem Mauerfall entdeckte Andreas Heise das Ballett und trainierte im heimischen Wohnzimmer. Dass er zur Aufnahmeprüfung der Ballettschule ging, verheimlichte er seinen Eltern. Es war der Beginn einer großen Karriere. In seiner Kindheit war Heise Mitglied eines Chors.
Heute werden unter seiner Leitung Tänzer:innen praktisch zu musikalischen Parametern und fügen sich auf organische, harmonische Weise in die musikalischen Strukturen ein. Dass Ana Dordevic und Aya Sone in Baba Yaga auch mal tanzend Musikinstrumente in die Hand nehmen und spielen, kommt dieser Idee genauso entgegen wie die choreografischen Ausflüge der Mezzosopranistin Rowan Hellier.
Auch mit Hexen hat Heise bereits Erfahrung. Seine erste Opernproduktion entstand am Norwegian Opera & Ballet. 2019 inszenierte er dort Purcells Dido und Aeneas – und dort lauert im zweiten Akt der Echotanz der Furien, anders gesagt der Hexentanz, der nun in Baba Yaga eine neue Form erhält. Dass das Stück in das Programm aufgenommen wurde ist allerdings Rowan Helliers intensiver Auseinandersetzung mit dem Material in ihrer eigenen Arbeit geschuldet; sie fand darin thematische Elemente wieder, welche hervorragend in ihr sorgfältig recherchiertes Narrativ passen.
Thomas Hahn
Gründungsmitglieder Arndt und Helmut Andreas Hartwig
Dr. Michael Buhr und Dr. Gabriele Freise-Buhr
Godesberg Gastronomie & Event GmbH
LTS Lohmann Therapie-Systeme AG
Andrea und Ekkehard Gerlach
Hans-Joachim Hecek und Klaus Dieter Mertens
Dr. Thomas und Rebecca Ogilvie
Albert Tonger Immobilien e. K.
Braunschweiger Privatbank, Köln
Maria und Christoph Bader
Bernd Böcking
Dr. Sigrun Eckelmann† und Johann Hinterkeuser
Dr. Hiltrud Kastenholz und Herbert Küster
Dr. Stefanie Montag und Dr. Stephan Herberhold
Dr. Luciano und Ulrike Pizzulli
Julia Rabus und Mirko Klemm
Jannis Ch. Vassiliou und Maricel de la Cruz
Tim Achtermeyer MdL
Judith und Tobias Andreae
Dr. Frank Asbeck und Susanne Birkenstock
Bettina Böttinger und Martina Wziontek
Anja Bröker
Philipp Buhr und Marie-Madeleine Zenker
Tim und Jessi Buhr
Katja Burkard und Hans Mahr
Claudia Cieslarczyk und Heiko von Dewitz
Rüdiger und Andrea Depkat
Guido Déus
Prof. Dr. Udo und Bettina Di Fabio
Walter Droege und Hedda im Brahm-Droege
Ralf und Antje Firmenich
Tobias Grewe und Dr. Jan Hundgeburth
Jörg Großkopf und Peter Daubenbüchel
Prof. Monika Grütters
Lothar und Martha Harings
Dr. Bernhard Helmich und Mai Hong
Dr. Eckart und Ulla von Hirschhausen
Dr. Sabine Hoeft und Thomas Geitner
Prof. Dr. Frank G. und Ulrike Holz
Prof. Dr. Wolfgang und Dr. Brigitte Holzgreve
Martin Hubert und Martina und Martha Marzahn
Stephan und Sirka Huthmacher
Dirk und Viktoria Kaftan
Dr. Christos Katzidis MdL und Ariane Katzidis
Andrea, Tim und Jan Kluit
Dr. Eva Kraus
Dr. Markus Leyck Dieken und Peter Kraushaar
Peter und Katharina Limbourg
Nathanael Liminski MdL und Hanna Liminski
Horst und Katrin Lingohr
Marianne und Stefan Ludes
Dr. Peter Lüsebrink und Karl-Heinz von Elern
Barbara Massing
Michael Mronz und Markus Felten
Prof. Dr. Georg und Doris Nickenig
Dr. Solveig Palm
Alexandra Pape und Malte von Tottleben
Christian A. und Rita Rast
Hans-Arndt und Julia Riegel
Prof. Dr. Manuel und Aila Ritter
Ilona Schmiel
Matthias und Steffi Schulz
Moritz Seibert
Stephan Schwarz und Veronika Smetackova
Annette Schwolen-Flümann und Thomas Flümann
Prof. Walter Smerling und Beatrice Blank
Elisabeth Sobotka und Prof. Dr. Hans Peter Wehrli
Peter und Annette Storsberg
Prof. Burkhard und Friederike Sträter
Prof. Dr. Hendrik Streeck MdB und Paul Zubeil
Ulrich und Petra Voigt
Oliver und Diane Welke
Dr. Vera Westermann und Michael Langenberg
Dr. Matthias Wissmann und Francisco Rojas
Christian van Zwamen und Gerd Halama
Jutta und Ludwig Acker * Prof. Dr. Wolfgang Angerstein * Alexandra Asbeck * Dr. Rainer und Liane Balzien * Munkhzul Baramsai * Christina Barton van Dorp und Dominik Barton * Christoph Becker und Ursula Baierl-Becker * Christoph Beckmanns * Prof. Dr. Christa Berg * Prof. Dr. Arno und Angela Berger * Christoph Berghaus * Klaus Besier * Ingeborg Bispinck-Weigand * Christiane Bless-Paar und Dr. Dieter Paar * Frank-Michael Böhle und Elvira Pietzka-Böhle * Dr. Ulrich und Barbara Bongardt * Anastassia Boutsko * Anne Brinkmann * Ingrid Brunswig * Lutz Caje * Gabriele und Robert Carl * Elmar Conrads-Hassel und Dr. Ursula Hassel * Ingeborg und Erich Dederichs * Geneviève Desplanques * Irene Diederichs * Michael Eckhardt und Birgit Wolter * Christel Eichen und Ralf Kröger * Elisabeth Einecke-Klövekorn * Dr. Martina Endepohls-Ulpe und Alexander Ulpe * Heike Fischer und Carlo Fischer-Peitz * Dr. Gabriele und Ulrich Föckler * Prof. Dr. Eckhard Freyer * Johannes Geffert * Silke und Andree Georg Girg * Dr. Helga-Maleen Gerresheim * Margareta Gitizad * Carsten Gottschalk * Ulrike und Axel Groeger * Marta Gutierrez und Simon Huber * Cornelia und Dr. Holger Haas * Sylvia Haas * Christina Ruth Elise Hendges * Renate und L. Hendricks * Peter Henn * Prof. Ingeborg Henzler und Dr. Mathias Jung * Heidelore und Prof. Werner P. Herrmann * Dr. Monika Hörig * Georg Peter Hoffmann und Heide-Marie Ramsauer * Dr. Francesca und Dr. Stefan Hülshörster * Karin Ippendorf * Angela Jaschke * Dr. Michael und Dr. Elisabeth Kaiser * Elisabeth und Rolf-Dieter Kaißer * Agnieszka Maria und Jan Kaplan * Dr. Reinhard Keller * Dr. Ulrich und Marie Louise Kersten * Rolf Kleefuß und Thomas Riedel * Dr. Gerd Knischewski * Norbert König und Clotilde Lafont-König * Sylvia Kolbe * Peter Kreutzer * Sigrid Kümmerlein * Gisela Kunz * Dr. Hans Dieter und Ursula Laux * Ute und Dr. Ulrich Kolck * Manfred Koschnick und Arne Siebert * Lilith Matthiaß-Küster und Norbert Küster * Thea Kutzscher * Ruth und Bernhard Lahres * Renate Leesmeister * Gernot Lehr und Dr. Eva Sewing * Traudl und Reinhard Lenz * Florian H. Luetjohann * Moritz Magdeburg * Dr. Charlotte Mende * Heinrich Meurs * Heinrich Mevißen * Dr. Dr. Peter und Dr. Ines Miebach * Karl-Josef Mittler * Dr. Josef Moch * Esther und Laurent Montenay * Friedrich Wilhelm Moog und Vera Walther-Moog * Katharina und Dr. Jochen Müller-Stromberg * Dr. Nicola und Dr. Manuel Mutschler * Dr. Gudula Neidert-Buech und Dr. Rudolf Neidert * Gerald und Vanessa Neu * Lydia Niewerth * Wolfram Nolte * Mark und Rita Opeskin * Céline Oreiller * Dieter und Brigitta Penning * Carol Ann Pereira * Gabriele Poerting * Dr. Manfred und Dorothee van Rey * Ruth Schmidt-Schütte und Hans Helmuth Schmidt * Dr. Andreas und Bettina Rohde * Prof. Dr. Tilman und Astrid Sauerbruch * Ingrid Scheithauer * Monika Schmuck * Markus Schubert * Simone Schuck * Petra Schürkes-Schepping * Dr. Manfred und Jutta von Seggern * Prof. Dr. Norma Selve * Prof. Dr. Wolfram Steinbeck * Dr. Andreas Stork * Michael Striebich * Dr. Corinna ten Thoren und Martin Frevert * Verena und Christian Thiemann * Dr. Sabine Trautmann-Voigt und Dr. Bernd Voigt * Hermann und Bettina Ude * Katrin Uhlig * Carrie Walter und Gabriel Beeby * Susanne Walter * Aino Ritva Weyers und Nadeem Hajouj * Ruth Winterwerp-van den Elzen und Jürgen Winterwerp * Dr. Bettina und Dr. Matthias Wolfgarten
Iklim Arikan * Linda Dahn * Lasse Frings * Ricci Frosio * Lin Golenia * Emilia Hecke * Victoria Emilia Holz * M Hornauer * Zsolt Máté Kiss * Jonas Kotulla * Marie Meißner * Felix Mennicken * Linus Neunkirchen * Felix Schuck * Hannah Speckmann * Charlotte Speckmann * Nelly Sophia Stach * Till Steinert * Johanna von Bargen * Florens Windelen * Yolanda Winter * Akichika Yukawa * Tom Ziese
Arseny Golenischev-Kutuzov
Les da poljany, bezljud’e krugom.
V’juga i plachet i stonet,
Chujetsja, budto vo mrake nochnom,
Zlaja, kogo-to khoronit;
Gljad’, tak i jest’! V temnote muzhika
Smert’ obnimajet, laskajet,
S p’janen’kim pljashet vdvojom trepaka,
Na ukho pesn’ napevajet:
Oj, muzhichok, starichok ubogoj,
P’jan napilsja, popljolsja dorogoj,
A mjatel’-to, ved’ma, podnjalas’, vzygrala.
S polja v les dremuchij nevznachaj zagnala.
Gorem, toskoj da nuzhdoj tomimyj,
Ljag, prikorni, da usni, rodimyj!
Ja tebja, golubchik moj, snezhkom sogreju,
Vkrug tebja velikuju igru zateju.
Vzbej-ka postel’, ty mjatel’-lebjodka!
Gej, nachinaj, zapevaj pogodka!
Skazku, da takuju, chtob vsju noch’ tjanulas’,
Chtob p’janchuge krepko pod nejo zasnulos’!
Oj, vy lesa, nebesa, da tuchi,
Tem’, veterok, da snezhok letuchij!
Svejtes’ pelenoju, snezhnoj, pukhovoju;
Jeju, kak mladenca, starichka prikroju ...
Spi, moj druzhok, muzhichok schastlivyj,
Leto prishlo, rascvelo!
Nad nivoj solnyshko smejotsja da serpy gljajut,
Pesenka nesjotsja, golubki letajut ...
Wälder und Lichtungen, keine Menschenseele weit und breit.
Ein Schneesturm heult und tobt.
In der Dunkelheit der Nacht
Ist es, als würde jemand von einer bösen Macht begraben:
Schau nur – genau so ist es!
In der Dunkelheit umarmt der Tod zärtlich einen Bauern,
Führt den betrunkenen Mann in einem ausgelassenen Tanz
Und singt ihm dieses Lied ins Ohr:
»Oh, armer Bauer, erbärmlicher alter Mann,
Betrunken und taumelnd auf deinem Weg,
Und der Schneesturm, einer Hexe gleich, erhob sich und raste dahin,
Trieb dich zufällig vom Feld in den tiefen Wald.
Bedrückt von Kummer und Trauer und Not,
Leg dich nieder, ruh dich aus und schlaf, mein Lieber!
Ich werde dich, mein Freund, mit einer Decke aus Schnee wärmen,
Und ein großes Spiel um dich herum weben.
Peitsche ein Bett auf, oh schwanengleicher Schneesturm!
He, ihr Elemente, stimmt ein Lied an,
Spinnt eine Geschichte, die die ganze Nacht währt,
Damit der alte Trunkenbold zu ihren Klängen tief und fest schlafen kann!
He, ihr Wälder und Himmel und Sturmwolken,
Dunkelheit und Winde und treibender Schnee!
Spinnt ihm ein Leichentuch aus weichem Schnee,
Und ich werde den alten Mann wie ein neugeborenes Kind einwickeln …
Schlaf, mein Freund, du glücklicher Bauer,
Der Sommer ist gekommen, alles steht in Blüte!
Die Sonne lächelt auf das Kornfeld herab und die Sicheln glitzern,
Ein Lied zieht durch die Luft und die Tauben fliegen …«
Volkslied
Chodiła po roli, trhała kúkolí,
aj tú dobromysel, co by šohaj přišél.
Chodiła po hájku, trhała polajku,
trhala, volala: Pod' ke mně, šohajku!
Ešče si natrhám toho návratničku:
Navrat' sa mně, navrat', švarný šohajíčku.
Sie ging übers Feld, pflückte Disteln
Und sprach: »Hier, ein gutes Zeichen, damit der junge Mann kommt.«
Sie ging durch den Hain, pflückte ein kleines Zweiglein,
Pflückte. Sie rief: »Komm zu mir, mein kleiner junger Mann!
Noch immer will ich den (lieben) Wiederkehrer pflücken:
Komm zu mir zurück, kehr wieder, schöner (kleiner) junger Mann.«
Adolf Heyduk
Když mne stará matka zpívat, zpívat učívala,
podivno, že často, často slzívala.
A ted' také pláčem snědé líce mučim,
když cigánské děti hrát a zpívat učim!
Als meine alte Mutter mich die Lieder singen lehrte,
Stiegen ihr seltsam Tränen in die Augen.
Nun sind meine braunen Wangen von Tränen nass,
wenn ich die Kinder das Singen und Spielen lehre!
Adolf Heyduk
Dejte klec jestřábu ze zlata ryzého;
nezmění on za ni hnízda trněného.
Komoni bujnému, jenž se pustou žene,
zřídka kdy připnete uzdy a třemene.
A tak i cigánu příroda cos dala:
k volnosti ho věčným poutem, k volnosti ho upoutala.
Solange der Falke über die Tatra fliegen kann,
Wird er sein Felsennest niemals gegen einen Käfig tauschen.
Kann das wilde Fohlen über die Heide dahinjagen,
Findet es keine Freude an Zaumzeug und Zügeln.
Wenn dir, o Zigeuner, die Natur etwas gegeben hat,
So hat sie mir mein Leben lang die Freiheit gegeben.
Arseny Golenischev-Kutuzov
Nega volshebnaja, noch’ golubaja,
Trepetnyj sumrak vesny.
Vnemlet, poniknuv golovkoj, bol’naja
Shopot nochnoj tishiny.
Son ne smykajet blestjashchije ochi,
Zhizn’ k naslazhden’ju zovjot,
A pod okoshkom v molchan’i polnochi
Smert’ serenadu pojot:
»V mrake nevoli surovoj i tesnoj
Molodost’ vjanet tvoja;
Rycar’ nevedomyj, siloj chudesnoj
Osvobozhu ja tebja.
Vstan’, posmotri na sebja: krasotoju
Lik tvoj prozrachnyj blestit,
Shchjoki rumjany, volnistoj kosoju
Stan tvoj, kak tuchej obvit.
Pristal’nykh glaz goluboje sijan’e,
Jarche nebes i ognja;
Znojem poludennym vejet dykhan’e ...
Ty obol’stila menja.
Slukh tvoj plenilsja mojej serenadoj,
Rycarja shopot tvoj zval,
Rycar’ prishjol za poslednej nagradoj:
Chas upojen’ja nastal.
Nezhen tvoj stan, upoitelen trepet ...
O, zadushu ja tebja
V krepkikh ob’’at’jakh: ljubovnyj moj lepet
Slushaj! ... molchi! ... Ty moja!«
Schmachtender Zauber, das Blau der Nacht,
Das zitternde Halblicht des Frühlings.
Krank und mit gesenktem Haupt lauscht die junge Frau
Dem Flüstern der nächtlichen Stille.
Der Schlaf vermag ihre leuchtenden Augen nicht zu schließen,
Noch immer ruft das Leben mit seinen Freuden nach ihr,
Doch unter ihrem Fenster, in der Stille der Mitternacht,
Singt der Tod diese sanfte Serenade:
»In der Düsternis der Gefangenschaft, streng und eng,
Verblüht deine Jugend;
Doch ich, ein geheimnisvoller Ritter,
Werde dich mit meiner wundersamen Macht befreien.
Steh auf und sieh dich an: Dein Antlitz
Strahlt in klarer Schönheit,
Deine Wangen glühen, und deine wallenden Locken
Umrahmen deine Taille wie Wolken.
Das strahlende Blau deiner sehnsuchtsvollen Augen
Ist heller als Himmel oder Flamme;
Dein Atem gleicht der Hitze des Mittags …
Du hast mich verzaubert.
Meine Serenade fesselt dein Ohr,
Dein Flüstern hat diesen Ritter herbeigerufen,
Der zu seinem letzten Lohn gekommen ist:
Die Stunde der Verzückung ist nah.
Deine Gestalt ist schön und dein Zittern – bezaubernd …
Ach, ich werde dich in meiner starken Umarmung ersticken:
Höre meine Worte der Liebe!
Schweig! … Du gehörst mir!«
Cummer gae ye before, cummer gae ye,
Gin ye winna gae before, cummer let me,
Ring-a-ring-a-widdershins
Linkin lithely widdershins,
Cummers carlin cron and queyn
Roun gae we!
Cummer gae ye before, cummer gae ye,
Gin ye winna gae before, cummer let me,
Ring-a-ring-a-widdershins
Loupin’ lightly widdershins,
Kilted coats and fleein’ hair
Three times three!
Cummer gae ye before, cummer gae ye,
Gin ye winna gae before, cummer let me,
Ring-a-ring-a-widdershins
Whirlin’ skirlin’ widdershins,
De’il tak the hindmost
Wha’er she be!
Frau, geh voran, Frau, geh nur weiter,
Wenn du nicht vorangehst, Frau, dann lass mich!
Ringel, Ringel, gegen den Uhrzeigersinn,
Hände flink gefasst, gegen den Uhrzeigersinn,
Alte Frauenkrone und Königin –
Einmal rundherum!
Frau, geh voran, Frau, geh nur weiter,
Wenn du nicht vorangehst, Frau, dann lass mich!
Ringel, Ringel, gegen den Uhrzeigersinn,
Leichtfüßig dahin, gegen den Uhrzeigersinn,
Die Mäntel festgesteckt und das Haar gelöst –
Dreimal drei!
Frau, geh voran, Frau, geh nur weiter,
Wenn du nicht vorangehst, Frau, dann lass mich!
Ringel, Ringel, gegen den Uhrzeigersinn,
Wirbelnd und johlend, gegen den Uhrzeigersinn,
Die Letzte hol der Teufel –
Wo immer sie auch sei!
nach Boris Pasternak
Snyeg eedyot, ee vsyo v smyatyen’ee,
Vsyo pooskayetsya v palyot, –
Chornoy lyesneetsy stoo-pyenee,
Pyerekryostka pavarot.
Snyeg eedyot, snyeg eedyot,
Slovno padayut nye khlop’ya,
A v zaplatannom salope
Skhodeet na zem’ nyebasvod.
Der Schnee fällt, und alles ist in Aufruhr,
Alles fliegt durcheinander,
Die Stufen der Hintertreppe,
Die Biegung der Kreuzung.
Der Schnee fällt, der Schnee fällt –
Keine Flocken fallen herab,
Vielmehr senkt sich wie ein geflickter Mantel
Das Himmelsgewölbe zur Erde.
Sergei Yesenin
Kosy rastryopany, strashnaya, byelaya,
Byegayet, byegayet, ryezvaya, smyelaya.
Tyomnaya noch’ molchaleevo poogayetsya,
Shalyami toochek loona zakryvayetsya.
Vyetyer pyevoon s zavyvan'yem kleekoosh
Mcheetsya v lyesnooyu dryemoochooyu gloosh’.
Roshcha grazeetsya yelovymee peekamee,
Pryachootsya sovy s poogleevymee kreekamee.
Mashet kaldoon’ya rookamee kostlyavymee.
Zvyozdy margayut eez tooch nad doobravami.
Syer’gamee zmeyee pad kosmy podvyeshany,
Kroozhitsya s v’yugayu strashno ee byesheno.
Plyashet kaldoon’ya pad zvon sosnyaka.
S chyornayu drozh’yu plyvoot ablaka.
Mit wehenden Zöpfen, furchterregend, weiß,
Rennt sie, rennt, wild und unerschrocken.
Die dunkle Nacht erschrickt lautlos,
Der Mond verbirgt sich hinter Wolkenschleiern.
Der Wind, hysterisch heulend,
Stürzt in die Tiefen des Waldes.
Der Hain knurrt mit seinen Tannenlanzen,
Eulen verbergen sich mit angstvollen Schreien.
Die Hexe schwingt ihre knochigen Hände.
Sterne blinzeln hinter den Wolken über dem Hain.
Schlangen hängen ihr als Ohrringe unter den Locken,
Sie wirbelt furchterregend, wahnsinnig mit dem Sturm.
Die Hexe tanzt zum Klang des Waldes,
Während schwarze Wolken durch den Himmel stürzen.
Volkslied
Goolyala ya dyeveetsa, pa dvarochkoo,
Nakolola nozhen’koo na pyenyochek,
Baleet maya nozhen’ka, da nyebol’no,
Lyubeel myenya meelyen’kee, da nyedolgo,
Nedolgoye vryemechko, na chasochek.
Payekhal moi meelyen’kii vgarodochek,
A ya za neem dyeveetsa, vosledochek,
Gnala, gnala dyeveetsa, nye dagnala,
Golosom kreechala – meel nye slyshal,
Platochkom makhala – meel nye veedel,
Tyazhelo vzdakhnoola – aglyanoolsya,
Aglyanoolsya yagodka – ee vyernoolsya!
Ich ging als junges Mädchen durch den Garten,
Da stieß ich mir den Fuß an einem Baumstumpf.
Mein Fuß tut weh, doch gar nicht sehr,
Mein Liebster küsste mich, doch nicht lange,
Nur ein Weilchen, nur eine Stunde.
Dann ging mein Liebster in die Stadt,
Doch ich, ein junges Mädchen, lief ihm nach,
Folgte ihm, folgte ihm, doch ich konnte ihn nicht einholen.
Ich rief – mein Liebster hörte mich nicht,
Ich winkte mit meinem Tuch – mein Liebster sah mich nicht.
Ich seufzte so tief, dass er sich umsah,
Sich umsah, mein Liebster – und zu mir zurückkam!
Alexander Blok
Rookavom maikh myetyelyei
Zaglooshoo.
Syeryebrom maikh vyesyeleey
Aglooshoo.
Na vazdooshnoi karoosyelee
Zakroozhoo.
Pryazhei spootannoi koodyelee
Abav’yu.
Lyokhkoi bragoi snezhnykh khmyeleyi
Napayu.
Mit den Wogen meiner Schneestürme
Werde ich sie ersticken.
Mit meinem silbernen Lachen
Werde ich sie betäuben.
Auf einem luftigen Karussell
Werde ich sie herumwirbeln.
In Fäden wirren Vlieses
Werde ich sie verschnüren.
Mit einem Gebräu aus Schnee-Hopfen
Werde ich sie berauschen.
nach Boris Pasternak
Snyeg eedyot, goostoi-goostoi.
V nogoo s nim, stapamee tyemee,
V tom zhe tempye, s lyen’yu toi
Eelee s toi zhe bystratoi,
Mozhet byt’, prakhodeet vryemya?
Mozhet byt’, za godom god
Slyedooyet, kak snyeg eedyot,
Eelee kak slava v paemye?
Der Schnee fällt dicht und unaufhörlich.
Im selben Schritt vielleicht,
Im selben Tempo, genauso langsam
Oder genauso schnell,
Wie die Zeit selbst vergeht …
Vielleicht folgt Jahr auf Jahr,
Genau wie der fallende Schnee,
Oder wie die Worte in einem Gedicht?
Anna Akhmatova
Eez vysokikh varot,
Eez zaokhtyenskikh balot,
Pootyem nyekhozhenym,
Loogam nyekoshhenym
Skvoz’ nochnoi kardon,
Pod paskhal’nyi zvon,
Nyezvanyi,
Nyesoozhenyi, —
Preekhadee ka mnye oozhinat’.
Hinter den hohen Toren,
Aus dem Sumpf jenseits des Flusses,
Auf dem unbegangenen Pfad,
Durch die ungemähte Wiese,
Durch die nächtliche Absperrung,
Zum Klang der Osterglocken,
Ungebeten,
Unversprochen –
Komm zum Abendessen zu mir.
nach Boris Pasternak
Syneg eedyot ... syneg eedyot …
Der Schnee fällt … der Schnee fällt …
Marina Tsvetayeva
Ehkho stanala, shoomyela ryeka,
Leevyen’ stoochal tyazhelo,
Looch syeryebreestyi pranzeel ablaka.
Eem lyubavalees’ my dolgo, paka
Solnyshka, solntse vzashlo!
Ein Echo stöhnte, der Fluss rauschte,
Der Regenguss prasselte,
Ein silberner Sonnenstrahl durchbrach die Wolken.
Wir staunten und verweilten, bis
Die Sonne hervorbrach!
A-a-a, sūnaitėli,
A-a-a, mažutėli,
A-a-a, dziemedėli,
A-a-a, dobilėli.
Miegok, kiškuli mažas,
Miegok.
A-a-a, užvadėli,
A-a-a, kareivėli,
A-a-a, užuolėli,
A-a-a, bijūnėli.
Miegok, kiški mažas, miegok
Ateis kaciukė, pavogs miegucį,
Nuneš papečkėlin, pakavos,
Tai kū gi tadu darysim, sūnuli?
Miegok
A-a-a, mėnesėli,
A-a-a, deimantėli,
A-a-a, gerybėli,
A-a-a, grožybėli.
Grambuoluk, tu mažas mano,
Grambuoluk tu.
A-a-a, kleiner Sohn,
A-a-a, mein Kleiner,
A-a-a, kleine Blume,
A-a-a, kleiner Klee.
Schlaf, kleines Häschen,
Schlaf.
A-a-a, kleiner Lehrer,
A-a-a, kleiner Soldat,
A-a-a, kleiner Fleck,
A-a-a, kleine Pfingstrose.
Schlaf, kleines Häschen, schlaf.
Das Kätzchen kommt, stiehlt dir den Schlaf
Und trägt dich in die Ecke zum Spielen,
Was machen wir dann, mein Lieber?
Schlaf.
A-a-a, kleiner Mond,
A-a-a, kleiner Diamant,
A-a-a, kleiner Schatz,
A-a-a, kleine Schönheit.
Mein kleiner Engerling,
Mein kleiner Engerling, du.
Arseny Golenischev-Kutuzov
Grokhochet bitva, bleshut broni,
Orud’ja zhadnye revut,
Begut polki, nesutsja koni
I reki krasnye tekut.
Pylajet polden’, ljudi b’jutsja;
Sklonilos’ solnce, boj sil'nej;
Zakat blednejet, no derutsja
Vragi vse jarostnej i zlej.
I pala noch’ na pole brani.
Druzhiny v mrake razoshlis’ ...
Vsjo stikhlo, i v nochnom tumane
Stenan’ja k nebu podnjalis’.
Togda, ozarena lunoju,
Na bojevom svojom kone,
Kostej sverkaja beliznoju,
Javilas’ smert’; i v tishine,
Vnimaja vopli i molitvy,
Dovol’stva gordogo polna,
Kak polkovodec mesto bitvy
Krugom ob’’ekhala ona.
Na kholm podnjavshis’, ogljanulas’,
Ostanovilas’, ulybnulas’ ...
I nad ravninoj bojevoj
Razdalsja golos rokovoj:
»Konchena bitva! ja vsekh pobedila!
Vse predo mnoj vy smirilis’, bojcy!
Zhizn’ vas possorila, ja pomirila!
Druzhno vstavajte na smotr, mertvecy!
Marshem torzhestvennym mimo projdite,
Vojsko mojo ja khochu soschitat’;
V zemlju potom svoi kosti slozhite,
Sladko ot zhizni v zemle otdykhat’!
Gody nezrimo projdut za godami,
V ljudjakh ischeznet i pamjat’ o vas.
Ja ne zabudu i gromko nad vami
Pir budu pravit’ v polunochnyj chas!
Pljaskoj tjazhjoloju zemlju syruju
Ja pritopchu, chtoby sen’ grobovuju
Kosti pokinut’ vovek ne mogli,
Chtob nikogda vam ne vstat’ iz zemli!«
Die Schlacht tobt, die Rüstungen blitzen,
Bronzekanonen donnern,
Regimenter stürmen vor, Pferde galoppieren vorbei,
Und rote Ströme fließen.
Die Mittagshitze brennt, und die Männer kämpfen noch;
Die Sonne sinkt tief, doch die Schlacht tobt immer heftiger;
Die Dämmerung vergeht, doch die Feinde sind im Kampf
Noch gewaltsamer, noch erbitterter ineinander verkeilt.
Die Nacht fällt über das Schlachtfeld.
Legionen zerstreuen sich in der Dunkelheit …
Alles ist still, und in der Dunkelheit der Nacht
Steigt Stöhnen zum Himmel empor.
Und dann, im Mondlicht,
Auf ihrem Schlachtross,
Ihre weißen Knochen hell leuchtend,
Erscheint der Tod; und in der Stille,
Dem Stöhnen und Gebeten lauschend,
Mit Stolz und Vergnügen,
Schreitet sie über das Schlachtfeld
Wie ein Feldmarschall.
Von einem Hügel aus blickt sie um sich,
Hält inne und lächelt …
Und über die vom Krieg verwüstete Ebene
Erklingt der Klang ihrer verhängnisvollen Stimme:
»Die Schlacht ist vorüber! Ich habe euch alle besiegt!
Ihr habt euch alle vor mir ergeben, ihr Krieger!
Das Leben hat euch entzweit, doch ich habe euch versöhnt!
Stillgestanden zur Musterung, ihr Toten!
Marschiert in feierlichem Zug an mir vorbei,
Ich will meine Truppen zählen;
Dann legt eure Knochen in die Erde
Und ruht, ruht süß, von den Mühen des Lebens!
Die Jahre werden unmerklich vorübergehen,
Und ihr werdet dem Gedächtnis der Lebenden entschwinden.
Doch ich werde euch nicht vergessen und werde
Um Mitternacht über euren Knochen ein Festmahl veranstalten!
Der schwere Schritt meines Tanzes wird
Die feuchte Erde zertrampeln,
Damit eure Knochen nie wieder
Der Festung des Grabes entkommen können,
Damit ihr nie wieder aus dem Grab aufersteht!«
Volkslied
Pověz mi, synečku, kdes včerá večír byl?
»Galánečko moja, enom na protivá.«
Co ti tam, synečku, co ti tam pravili?
»Galánečko moja, tebe pomlúvali.«
Co’s ty jim, synečku, co’s jim na to říkal?
»Galánečko moja, smutně sem si vzdychal.«
Eščeli, synečku, eščeli k nám půjdeš?
»Galánečko moja, dokád živa dubeš.«
Sag mir, mein lieber Bursche, wo warst du letzte Nacht?
»Meine Liebste, auf der anderen Seite.« [der Straße: bei den Nachbarn]
Was, mein lieber Bursche, was haben sie dir gesagt?
»Meine Liebste, sie haben dich verleumdet.«
Was hast du ihnen gesagt, mein lieber Bursche, was hast du ihnen geantwortet?
»Meine Liebste, ich seufzte traurig.«
Wirst du, mein lieber Bursche, wirst du trotzdem zu uns zurückkommen?
»Meine Liebste, solange du lebst.«
Thomas Randolph
Quiet!
Sleep! or I will make
Erinnys whip thee with a snake,
And cruel Rhadamanthus take
Thy body to the boiling lake,
Where fire and brimstones never slake;
Thy heart shall burn, thy head shall ache,
And ev’ry joint about thee quake;
And therefor dare not yet to wake!
Quiet, sleep!
Quiet, sleep!
Quiet!
Still!
Schlaf! Sonst lass ich
Erinys dich mit einer Schlange peitschen,
Und der grausame Rhadamanthys wird
Deinen Leib in den kochenden See führen,
Wo Feuer und Schwefel niemals verlöschen.
Dein Herz soll brennen, dein Kopf soll schmerzen,
Jedes deiner Glieder soll erbeben;
Also wag es ja nicht, jetzt aufzuwachen!
Still, schlaf!
Still, schlaf!
Still!
Philip Littell
Snake, is it true about the fruit?
My intuition tells me what you say about this fruit is true.
I’d like to find out, snake.
I’d love to know.
Go ahead in front of me where I can see you.
I will follow you. Oh!
The snake is in the tree.
Where I cannot see him.
He is now the colour of shadows.
Very few things are as visible as I am when I’m clean.
When a thing is visible,
It always means that the thing,
The tree frog, or that fruit, means to be seen.
Visibility’s a warning or an invitation and it never tells you which.
What’s visible will either feed you, mate with you, or kill you.
Either way you gain experience.
Here goes. Sweet. Sour. Salty. Bitter.
And the taste of air, of rottenness, earth, and water.
Now I know.
Schlange, stimmt es, was man über die Frucht sagt?
Mein Gefühl sagt mir, dass das, was du über diese Frucht sagst, wahr ist.
Ich möchte es herausfinden, Schlange.
Ich möchte es wissen.
Geh vor mir her, sodass ich dich sehen kann.
Ich werde dir folgen. Oh!
Die Schlange ist im Baum.
Dort, wo ich sie nicht sehen kann.
Jetzt hat sie die Farbe der Schatten.
Nur sehr wenige Dinge sind so sichtbar wie ich, wenn ich sauber bin.
Wenn etwas sichtbar ist,
Bedeutet das immer, dass es gesehen werden will –
Der Laubfrosch oder jene Frucht.
Sichtbarkeit ist eine Warnung oder eine Einladung,
Und sie verrät dir nie, was von beidem.
Was sichtbar ist, wird dich entweder ernähren, sich mit dir paaren oder dich töten.
Wie auch immer – du sammelst Erfahrung.
Also los. Süß. Sauer. Salzig. Bitter.
Und der Geschmack von Luft, von Fäulnis, Erde und Wasser.
Jetzt weiß ich es.

Die Mezzosopranistin Rowan Hellier wird für ihre fesselnde Bühnenpräsenz und ihre psychologisch nuancierten Interpretationen geschätzt. Als Schöpferin und Kuratorin neuer Opern- und Liedformate widmet sich Hellier häufig den Geschichten von Frauen. So führte etwa ihre Zusammenarbeit mit Komponistin Kate Whitley und Dichterin Hollie McNish zu Gorgeous Beasts, welches vom Oxford International Song Festival in Auftrag gegeben wurde. Als Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Unter den Linden erhielt sie ein Stipendium der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung.
Sie war bereits auf einer Vielzahl an Opernbühnen zu erleben und trat als Konzertsängerin mit zahlreichen führenden Orchestern weltweit auf, darunter das Royal Scottish National Orchestra oder das Seattle Symphony Orchestra. Hellier arbeitete mit Dirigent Nicholas Collon im orchestralen Liederzyklus woman.life.song zusammen und trat in diesem Werk mit dem London Symphony Orchestra auf. Zu ihren Konzertengagements zählen Auftritte in namhaften Konzerthallen in Zusammenarbeiten mit renommierten Künstler:innen, etwa dem Dunedin Consort, insbesondere als Solistin in dessen mit dem Gramophone Award ausgezeichneten Aufnahme von Mozarts Requiem.
Andreas Heise begann seine Karriere als Tänzer 1998 beim Leipziger Ballett und setzte sie ab 2003 als Solist beim Norwegischen Nationalballett in Oslo fort.
Seit 2006 choreografiert Andreas Heise regelmäßig für das Norwegische Nationalballett. 2015 gab er sein Debüt im Vereinigten Königreich als Assistant Director und Choreograf in Brittens Death in Venice bei der Garsington Opera. Er schuf Arbeiten u. a. für das Ballett Koblenz, die Salzburger Festspiele, das Stuttgarter Ballett, das Staatsballett Berlin sowie das Ballett Graz. Sein Debüt als Regisseur und Choreograf fand 2019 an der Norwegischen Nationaloper und Ballett mit seiner Produktion von Dido and Aeneas statt.
Andreas Heise entwickelt Arbeiten für internationale Bühnen, in denen Tanz, Stimme und Musik miteinander verschmelzen. Zudem engagiert er sich in Community-Projekten, etwa mit dem interdisziplinären Projekt Migrantenexpress, an dem sowohl professionelle Künstler:innen als auch nicht-professionelle Mitwirkende beteiligt sind.
Ana Dordevic ist eine Tanzsolistin, welche Solisten- und Hauptrollen an der Deutschen Oper Berlin sowie an der Komischen Oper Berlin übernimmt und mit Regisseuren wie Ersan Mondag, Rolando Villazón und Tobias Kratzer zusammenarbeitet. Ihr Repertoire umfasst Werke von Jiří Kylián, William Forsythe, Christian Spück und viele weiteren. Dordevic tanzte Hauptrollen in klassischen Produktionen wie Cinderella und Romeo und Julia ebenso wie in zeitgenössischen Kreationen und Uraufführungen. In den letzten Jahren arbeitete sie mit Choreograf:innen wie Caroline Beach, Boris Radzio und Rob Fordeyn zusammen.
Neben ihrer Tätigkeit als Tänzerin ist sie als Choreografin, Kuratorin und Kulturmanagerin aktiv. Sie ist Geschäftsführerin von FRAMED Berlin, einem gemeinnützigen Verein mit multidisziplinärem kuratorischem Ansatz, der Räume für den Austausch unterschiedlicher und auch gegensätzlicher künstlerischer Perspektiven schafft. Durch die Produktion von Tanzperformances, Veranstaltungen und Konzerten verbindet sie Choreografie, kuratorische Praxis und Management zu einem integrativen künstlerischen Profil.
Aya Sone wurde in Kyoto, Japan, geboren und begann im Alter von vier Jahren mit ihrer Ballettausbildung. Nach ihrem Umzug nach Deutschland im Jahr 2005 wurde sie Mitglied der Ballettcompagnie der Oper Chemnitz. Anschließend arbeitete sie mit den Compagnien des Staatstheaters Braunschweig, des Staatstheaters am Gärtnerplatz München und der Landesbühnen Sachsen, bevor sie 2015 als freischaffende Künstlerin tätig wurde.
Heute lebt und arbeitet sie in München und ist international als Tänzerin und Performerin in Tanzprojekten, im Physical Theatre, in Opernproduktionen und interdisziplinären Kollaborationen tätig. Neben ihrer Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen entwickelt sie eigene künstlerische Projekte. Ihr aktuelles Filmprojekt, gefördert durch die Debütförderung der Landeshauptstadt München und den Bayerischen Landesverband für zeitgenössischen Tanz (BLZT), markiert einen neuen Schritt in ihrer künstlerischen Entwicklung und erweitert ihre Praxis hin zu konzeptioneller Arbeit mit Bewegung, Film und visuellen Elementen.
Sholto Kynoch ist ein renommierter Pianist, der sich auf Lied und Kammermusik spezialisiert hat. Er arbeitet mit zahlreichen führenden Sänger:innen unserer Zeit zusammen. Jüngste Liederabende führten ihn unter anderem in die Wigmore Hall, zum Heidelberger Frühling, zum Zeist International Lied Festival, zum Festival LIFE Victoria, zu Leeds Song und zum Queensland Art Song Festival sowie an zahlreiche weitere bedeutende Spielstätten und Festivals im In- und Ausland.
Seine umfangreiche Diskografie umfasst u. a. die erste Gesamteinspielung der Lieder von Hugo Wolf, deren letzter Band im Januar 2023 erschien. 2026 wurde sein gemeinsam mit Helen Charlston aufgenommenes Album A Poet’s Love veröffentlicht.
Kynoch ist Gründer und Künstlerischer Leiter des preisgekrönten Oxford International Song Festival. Im Jahr 2018 wurde er im Rahmen der RAM Honours zum Fellow der Royal Academy of Music ernannt.
Elena Langers Musik ist Hörer:innen weltweit durch ihre Opern-, Kammermusik- und Orchestralstücke bekannt. Zu ihren Opern zählen Figaro Gets a Divorce und Rhondda Rips It Up!. Ihre neue Oper To Die For feierte erst letztens Uraufführung an der Nederlandse Reisopera und wird im November an die English National Opera kommen. Ihre Kantate The Dong with a Luminous Nose wurde vom London Philharmonic Orchestra und der Boston Symphony aufgeführt. Landscape With Three People, eine CD mit Langers vokalen und orchestralen Stücken, wurde bei Harmonia Mundi veröffentlicht. Ihr Liedzyklus Fabulous Beasts wurde von Hugh Cutting in der Wigmore Hall uraufgeführt.
Highlights der 2026/27 Saison sind unter anderem eine neue Produktion der komischen Oper Four Sisters im Convent Garden Linbury Theatre, eine Wiederaufnahme ihrer Ariadne von der English Touring Opera und die Premiere ihres Violinkonzerts für Julian Rachlin und die Elbphilharmonie Hamburg. Das Concertgebouw wird ihre Figaro Gets a Divorce Suite unter Maxim Emelyanychev aufführen.
Wir – das Beethovenfest Bonn – laden ein, in einem offenen und respektvollen Miteinander Beethovenfeste zu feiern. Dafür wünschen wir uns Achtsamkeit im Umgang miteinander: vor, hinter und auf der Bühne.
Für möglicherweise auftretende Fälle von Grenzüberschreitung ist eine interne Ansprechstelle erreichbar für Publikum, Künstler:innen und Mitarbeiter:innen.
Wir sind ansprechbar über eine Telefon-Hotline (+49 228 2010321, im Festival täglich von 13–21 Uhr) oder per E-Mail (awareness@beethovenfest.de).
Werte und Überzeugungen unseres Miteinanders sowie weitere externe Kontaktmöglichkeiten können hier auf unserer Website aufgerufen werden.
Das Beethovenfest Bonn 2026 steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst.
Programmheftredaktion:
Sarah Avischag Müller
M Hornauer
Die Texte von Thomas Hahn sind Originalbeiträge für dieses Programmheft.