Ein Beethoven-Zyklus von Berufenen: Das französische Quatuor Ébène spricht ausführlich über seine Beziehung zum Komponisten und die Vorfreude auf die Residenz beim Beethovenfest 2026.
Das Beethovenfest hat dieses Jahr das Motto »Nach Hause«. Was bedeutet das für euch und eure Verbindung zu Bonn, zu Beethoven und seinen Quartetten? Sind sie für euch ein Zuhause?
Beethoven in seine Heimatstadt zu bringen, ist eine heilige Mission, die wir nach besten Kräften erfüllen wollen. Natürlich hat das Spielen seiner Quartette am Geburtsort einen ganz besonderen Reiz! Wir hatten schon 2022 die Ehre, als Residenz-Ensemble beim Beethovenfest zu sein. Daher freuen wir uns sehr, 2026 mit dem Beethoven-Zyklus erneut für eine Residenz zurückzukehren.
Beethovens Quartette sind insofern für uns ein Zuhause, dass sie seit unseren Anfängen Teil unseres Alltags waren. Seine Werke stellen die reichhaltigste Streichquartett-Literatur dar. Für unser Aufnahmeprojekt des kompletten Zyklus 2019 haben wir unsere Zeit sogar exklusiv nur mit ihnen verbracht. Wir empfanden ihn wie einen großen Bruder, einen Vater oder zumindest ein Familienmitglied, das über unsere Proben wachte, um sicherzustellen, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Wir haben mit ihm alle menschlichen Emotionen durchlebt. Sein Niveau ist so hoch, dass wir uns zu seiner Sprache hocharbeiten mussten, in jahrelanger Arbeit. Heute haben wir das Gefühl, ihn ein wenig besser zu kennen und ihm näher zu sein. Aber es wäre vermessen zu glauben, dass wir uns in seiner unergründlich reichen Musik ›zu Hause fühlen‹!
Da wir seit Kurzem unseren neuen Cellisten Yuya dabei haben, proben wir in diesem Jahr wieder am kompletten Zyklus. Wir tauchen wieder so ein, als wäre es das erste Mal. Das ist so aufregend und der wichtigste Grund, warum wir das machen: Uns selbst immer neu zu erfinden, so nah wie möglich an die Wahrheit kommen, ohne dass wir uns je am Ziel, ›Zuhause‹ fühlen.
Ihr spielt die erste Hälfte eines kompletten Zyklus der Beethoven-Streichquartette, aber nicht chronologisch. Stattdessen habt ihr Stücke aus allen Schaffensperioden durchmischt – wie kam diese Programmfolge zustande?
Damit der Zuhörer die ganze Bandbreite des Komponisten erleben kann, ist es reizvoller, im Rahmen eines Konzerts verschiedene Werke zu spielen, die unterschiedlichen Lebensabschnitten des Komponisten entsprechen. Außerdem erscheint es uns als Interpreten etwas schwer verdaulich, nur Stücke aus Opus 18 oder mehrere der letzten Quartette hintereinander zu spielen.
Wir haben diese Programme zusammengestellt, indem wir uns überlegt haben, was gut zusammenpassen könnte, welche Tonart sich mit einer anderen verbinden ließe … So können wir die facettenreiche Identität Beethovens widerspiegeln, um seinem gesamten Werk gerecht zu werden!
