Bachs gewaltige »h-Moll-Messe« kommt beim Beethovenfest in einer neuen Jazz-Fassung von Marcus Schinkel auf die Bühne: Als »Missa Morphosis« mit seinem Trio, dem Bonner Chor Vox Bona, dem B’Rock Orchestra und dem Vokalquintett The Real Group. Hier erzählt der Bonner Pianist und Komponist von seinen Anfängen zwischen allen Stühlen und der Beschäftigung mit Bach.
Du fällst immer wieder mit außergewöhnlichen Projekten auf, wo du bekannte Klassiker aus deinem Jazz-Hintergrund heraus neu interpretierst. Wann hat diese Lust am Verändern von etwas gegebenen bei dir angefangen?
Wenn ich an meinen Klavierunterricht zurückdenke, wo ich so zehn Jahre alt war: Damals habe ich angefangen, diese kleinen Stücke von Haydn und Beethoven zu verändern, ohne dass mir das ganz bewusst war.Ich hatte einen Kassettenrekorder, drückte auf Aufnahme und habe versucht, seriöse Ansagen für meine Stücke aufzunehmen: »Hier ist WDR 0!« Mit dieser Ansage schon habe ich Beethoven verändert. Jazzmusik lebt ja auch von der Veränderung. In den 1950-, 1960er-Jahren waren es Musical-Hits oder Schlager, die die Jazzmusiker:innen aufgegriffen haben.
Wann wurde dir klar, dass du auch als Profi auf diesem Weg bleiben willst?
Ich habe 1993 mein Jazzstudium in Arnheim, in Holland, abgeschlossen. Ich war ein Pianist unter ganz vielen. In dieser Zeit war ich gezwungen, darüber nachzudenken, was mich eigentlich ausmacht. Die Klassik hatte ich schon immer in meiner DNA. 1999 kam es zum Glücksfall: Ich wurde gefragt, ob ich zur Verabschiedung des Deutschen Bundestags in Bonn spielen könnte – Beethoven. Und da hat es bei mir Klick gemacht. Ich habe »Für Elise« und die »Mondschein-Sonate« verjazzt. Und von da an ging es dann peu a peu weiter.
Ist der Begriff Cross-Over für dich stimmig für das, was du machst?
Ich bezeichne mich selber als Crossover-Pianist, weil ich nie mit einer Schublade zurechtkam. Früher habe ich in Jazzbands Rock gemacht und in Rockbands Klassik. Und jeder hat komisch geguckt. Also habe ich vor zehn Jahren angefangen zu sagen: Ich interessiere mich nicht mehr für die Grenzen. Musik verbindet und überwindet ganz viele Grenzen. Es ist mein Herzenswunsch, Grenzen zu sprengen und jeden Menschen auf der Welt zu erreichen.

