Haus groß eingesperrt.
Echo unendlich.
Alles lernen, ignorieren.
vergessen.
Manchmal Schlaf, Traum,
einfallen: ich gefangen.
Wahr allein?
Wann aufhören?
Mein Haus außerhalb?
Lieber wach.
So lautet ein Monolog, den Gebärdensolistin und Tänzerin Kassandra Wedel für die Komposition Echo:Reflexion in Gebärdengrammatik notiert hat. Eigentlich werden Gebärdensprache und -poesie nicht verschriftlich. Diese Notation diente den hörenden Musikerinnen des ensemble in transition als Hilfsmittel im Arbeitsprozess und wurde auch in die Partitur aufgenommen.
Bei der Aufführung von Echo:Reflexion streckt Kassandra Wedel in diesem Teil die Arme immer weiter aus, zeichnet ein Haus in die Luft, erkundet mit Körper und Blicken den Raum, fällt schließlich mit Erschrecken im Gesicht in sich zusammen, blickt auf scheinbar gefesselte Hände ... Die drei anderen Mitglieder des ensemble in transition, Désirée Hall, Maren Schwier und Larissa Nagel, improvisieren dazu nach einem vorgegebenen Muster. Im Cello kann das rauschhaft klingen, mit flirrenden Obertönen, während die Querflöte mit Glissandi wie suchend einen Ton umkreist.
Das Werk Echo:Reflexion, das ensemble in transition zusammen mit dem Komponisten Alexander Reiff erarbeitet hat, basiert auf einer Kurzgeschichte aus dem Band Der Spiegel im Spiegel: Ein Labyrinth von Michael Ende. Der Protagonist Hor lebt in einem unendlichen Gebäude mit unendlichem Echo, dem er nicht entkommen kann. »Wir wollten diese Geschichte nicht einfach nacherzählen«, erklärt Projektleiterin und Ensemblegründerin Désirée Hall, »sondern haben uns gefragt: Wie kann dieses unendliche Echo in Gebärdenpoesie und Musik dargestellt werden?« Herausfordernd ist dabei schon das zugrundeliegende Thema: Das Echo als akustisches Phänomen kommt im Alltag von tauben Menschen nicht vor. So wird in der Komposition genauso mit dem visuellen Pendant, der Reflexion, gearbeitet.
