Er hat mit Mitte Zwanzig schon vieles erreicht in der Gesangswelt. Nun kommt der aufstrebende Bariton aus Niederbayern ans Beethovenfest – als Preisträger des begehrten Musikpreises der Deutschen Wirtschaft. Wie man Sänger wird, wie man es bleibt und worauf es bei der Wahl des Klavierpartners ankommt, verrät Jonas Müller im Interview.
Wie hast Du Deine Stimme entdeckt?
Ich habe eine Knabenchor-Vergangenheit. Ich war in Niederalteich (Niederbayern) am Musischen Gymnasium, das zu einem Kloster mit Knabenchor gehört. Mein musikalischer Beginn war aber schon früher: So etwa mit fünf Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Es wurde relativ schnell klar, dass ich eine Begabung für Musik habe. Wir hatten eine sehr gute Musiklehrerin in der Grundschule. Sie hat mit uns ein Kindermusical aufgeführt, bei dem ich meine erste große Rolle gesungen habe: die Hexe Lisbeth. Das war herrlich. Meine Mutter hat erzählt, dass ihr die Kinnlade runtergefallen ist, weil ich damals schon – auf gut Deutsch – eine Rampensau war, in der zweiten oder dritten Klasse. Richtig entdeckt, dass ich Sänger werden will, habe ich eigentlich bei einem Erlebnis mit 15 in der Schul-Big Band. Ich durfte bei einem großen Konzert der vier musischen Gymnasien im Landkreis Deggendorf vor 1000 Menschen zum ersten Mal solistisch singen: Michael Bublé It's a Beautiful Day. So nervös war ich in meinem Leben nie wieder. Aber dann hatte ich den klassischen Aha-Moment: Ich sang den ersten Ton und wusste, dass das meine Bühne ist. Da habe ich gedacht: Das könnte etwas für mich sein.
Hat Deine Familie Dich beim Weg zur Musik unterstützt?
Ich bin der einzige Berufsmusiker in der Familie. Aber ich komme aus einem Elternhaus mit Musikinteresse. Mein Vater spielt sehr leidenschaftlich Saxofon, meine Mutter hat gern im Chor gesungen. Meine ältere Schwester hat Klavier gelernt. Das war auch der Grund, warum wir ein Klavier hatten und warum ich überhaupt lernen wollte. Und obwohl ich ländlich aufgewachsen bin, sind meine Großeltern mit mir nach Passau in die Oper, das waren ca. 50 Kilometer.
War Dir schnell klar, dass du das auch beruflich machen und studieren willst?
Dass ich Musik machen will, war klar. Aber was genau? Ich habe auch überlegt, ob ich nicht doch Klavier studieren soll. Ich hatte Gesangsunterricht bei meinem Chorleiter. Er hat mich ermutigt, das Vorsingen an der Musikhochschule Würzburg zu probieren. Ich meldete mich als Tenor an. Die Professorin sagte dann zu mir: Möchtest du lieber ein Tenor sein, der immer mit der Höhe kämpft, oder ein Bariton mit einer tollen Höhe? Gottseidank habe ich den Weg als Bariton eingeschlagen. Ich habe mit 17 schon angefangen, weil ich durch G8 früh Abitur hatte. Ich wollte mich aber erstmal nicht festlegen: Ich wusste ja, dass das ein hartes Pflaster ist, das Musikgeschäft, und wollte mir anschauen, ob es etwas für mich ist. Nach zwei Jahren habe ich gemerkt, dass ich da schon mithalten kann und es eine Zukunftsperspektive gibt.
