Auf der Suche nach immer neuem Repertoire stellt das Rothko String Quartet ein Programm mit epochen- und stilspannender Substanz auf. Die vier eng befreundeten Musiker:innen arbeiten als Quartett vielleicht eher unkonventionell zusammen. Doch gerade darum – durch gemeinsame und auch unterschiedliche musikalische Interessen – finden sie immer wieder spannende Projekte. Über das persönliche Anliegen, den Kanon aufzubrechen und die Musik Schwarzer Komponist:innen zu würdigen, haben wir mit dem Cellisten Jakob Nierenz gesprochen.
Du bist als Cellist meistens in Ensembles zu erleben – und mit ganz unterschiedlichen Projekten, mal im Rothko Quartet, mal beim Ensemble Reflektor oder beim divers zusammengesetzten Chineke! Orchestra. Warum kein Solo-Abend? Was gefällt Dir an der Quartett-Arbeit?
Ich war eben nie der Solisten-Typ. Für mich ist es sehr schön, in einem Raum zu sein, wo alle etwas beitragen und ihre Sache mit einbringen. Gemeinschaftlich fühlt es sich am besten an, und am Ende ist Musik etwas höchst Gemeinschaftliches. Durch Musik Menschen kennenzulernen: Das ist es, was ich liebe – und dass das auch mit Instrumenten funktioniert, die nicht aus unserer Tradition kommen. In unserem Quartett darf ich mich voll ausleben. Wir vier verstehen uns sehr gut, weil wir uns schon lange kennen und unsere Geschmäcker viele Überschneidungen haben.
Euer Streichquartett bewegt sich jenseits der normalen, erwartbaren Bahnen. Wie kam es dazu?
Als wir im Rothko String Quartet angefangen haben, vor 10 Jahren, spezialisierte sich einer unserer Geiger auf Neue Musik, der andere auf Alte Musik – und unser Bratscher Marc und ich haben immer schon sehr viel unterschiedliche Musik gespielt, mit besonderem Interesse für Improvisation. Aber genau deswegen liegt es uns gut, schnell die Stile zu wechseln. Wir können romantische Phrasen spielen und dann im nächsten Stück äußerst anstrengende Minimal Music, die sich körperlich ganz anders anfühlt. Für uns gehört es dazu, informiert zu sein: in Neuer Musik, in erweiterten Spieltechniken und in der traditionellen Streichquartett-Schule.

