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  1. Unterrichtsmaterial

Über die Essenz – mit dem Trio Gaspard

    Unterrichtsmaterial: Aufgabe 4

    Einführung
    Trio Gaspard © Andrej Grilc

    Die Essenz – ihre Erforschung fasziniert die Musiker:innen des Trio Gaspard. Neben dem hochklassigen Spielen auf ihren Instrumenten, dem Zusammenwirken als Kleingruppe und der intensiven Aufmerksamkeit im Zuhören ist es auch die Auseinandersetzung mit Themen wie der Essenz, die für das Trio eine gute Aufführung ausmacht. In der Reduktion auf das Wesentliche liegt eine besondere Intensität – und gleichzeitig ein neuer Blick auf ein Werk, das wir alle zu kennen glauben.

    Das Trio Gaspard, das Trio Orelon und die Compagnia di Punto sind sich einig: In ihren Konzerten der »Großen Sinfonie in kleiner Besetzung« wollen sie den Kern eines Werkes in seiner ganzen Tiefe zeigen und zugleich Raum für neue Ideen schaffen.

    Alles soll sich zur Essenz verdichten – nicht nur die Musik selbst, sondern auch das, was sie im Innersten zusammenhält: das genaue Hinhören, das präzise Miteinander, das Vertrauen und das Gespür füreinander.

    Aber wie geht das? Was ist eigentlich die Essenz? Wie nähert man sich ihr an? Was macht eine gute Essenz aus? Und gibt es überhaupt so etwas wie die ›Essenz‹ eines Werkes, die immer gleich bleibt, egal auf welchem Instrument oder in welcher Version?

    Für die Frage nach der Essenz ist Beethovens 5. Sinfonie ein spannendes Beispiel: Aus einem winzigen Keim – nur vier Töne – ist einer der bekanntesten Anfänge der Musikgeschichte entstanden. Die meisten meinen, ihn im Ohr zu haben.

    Aber wie kann man die Essenz dieses Anfangs wirklich fassen?

    Die Frage nach der Essenz betrifft nicht nur Musik. Auch im Alltag nähern wir uns immer wieder – oft auch ganz unbewusst – dem Kern einer Sache. Stell dir vor: Jemand fragt dich im Treppenhaus, wo du wohnst – »im dritten Stock, links« wäre (sofern das stimmt) eine völlig sinnvolle Antwort. Auf offener Straße oder an der Supermarktkasse würde dieselbe Antwort vermutlich eher irritieren.

    Der Kontext entscheidet also mit, was als Essenz gelten kann.

    Ähnlich ist es beim Schreiben einer Zusammenfassung: Wir müssen uns fragen, was wir streichen können, damit es übersichtlicher wird, und was unbedingt bleiben muss, damit die einzelnen Punkte verständlich bleiben. Dazu kommt es auch darauf an, die richtigen Schwerpunkte zu setzen, ohne den ursprünglichen Sinn zu verfälschen.

    Einfach ist das nicht. Aber vielleicht liegt gerade darin eine besondere Faszination.

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    Über die Essenz – mit dem Trio Gaspard

    Aufgabe

    »Ragout, Frikassee, Eingemachtes«: so soll sich Beethoven über die vielen Überarbeitungen seiner Werke beschwert haben. Denn Geld verdienten die Verlage vor allem im Bereich der Sinfonik nicht mit den Originalstimmen, sondern mit Arrangements. 

    Was hält diese verschiedenen Bearbeitungen im Innersten zusammen, was verbindet sie mit dem ursprünglichen Werk? Gibt es einen Kern, eine ›Essenz‹ des Werkes, die immer gleich bleibt – ganz gleich, auf welchem Instrument, in welcher Besetzung und in welcher Fassung?

    Es gibt sicher Bearbeitungen, die besser oder schlechter gelingen als andere. Manche bleiben näher am Original, andere gehen eigene Wege. Auch die Gründe, aus denen heraus eine Überarbeitung entsteht, spielen eine Rolle. Dennoch steht bei jeder Bearbeitung dieselbe Frage im Raum: Was wird übernommen und was weggelassen? Schon darin, was jemand im Original besonders wichtig findet, unterscheiden sich die Ansätze – und das prägt, was in der Bearbeitung erscheint oder fehlt.

    Welche Entscheidungen Johann Nepomuk Hummel bei seiner Fassung für die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethovens getroffen hat, wird das Trio Gaspard gemeinsam mit Adam Walker hörbar machen. Sie spielen seine Fassung für Klaviertrio (Klavier, Geige, Cello) und Flöte.

    Für eure eigene Auseinandersetzung mit der Essenz hat Nicholas Rimmer vom Trio Gaspard drei Abschnitte aus der Sinfonie ausgewählt. 

    Hört euch zunächst alle drei Stellen in der Kammerfassung an:

    Beethoven: Sinfonie Nr. 5 in Quartettfassung, Ausschnitt 1. Satz

    Schritt 1:

    Findet euch in 4-er Gruppen zusammen, wählt jeweils eines der drei Hörbeispiele aus. Ihr werdet gleich eine Orchester-Version, eine Quartett-Version und eine Klavier-Soloversion (eingespielt  vom Pianisten des Trio Gaspard) von genau dieser einen Stelle miteinander vergleichen. 

    Entscheidet selbst, ob ihr für euren Eindruck auch die Noten nutzen wollt.

    Noten: 5. Sinfonie, Original (pdf)
    Noten: 5. Sinfonie, Quartettfassung arr. J. N. Hummel (pdf)
    Noten: 5. Sinfonie, Klavierfassung arr. Franz Liszt (pdf)
    Beispiel 1:

    Anfang 1. Satz (T. 1–22)

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    Beispiel 2:

    Anfang 2. Satz (T. 1–15)

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    Beispiel 3:

    Übergang vom Scherzo ins Finale

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    Hört euch dafür eine der Versionen an.

    Notiert eure Gedanken dazu. Lasst euch dabei gern von folgenden Fragen inspirieren:

    • Welche Instrumente hört/seht ihr?
    • Wie beschreibt ihr die Klangfarbe?
    • Was fällt euch auf?

    Schritt 2:

    Tauscht euch über eure Ergebnisse aus. 

    Versucht, gegenseitig zu verstehen, was ihr über euer Hören berichtet habt. Das ist manchmal gar nicht leicht – hört dafür gegebenenfalls nochmal das Hörbeispiel an und zeigt oder erzählt dabei, was ihr meint. Sobald ihr eure unterschiedlichen Hörerfahrungen nachvollziehen könnt (es geht dabei darum, zu verstehen, was ihr meint – nicht darum, gleicher Meinung zu sein), geht es weiter mit dem nächsten Schritt.

    Schritt 3:

    Hört euch eine andere Fassung an und notiert (in einer anderen Farbe), eure Gedanken dazu.

    Ergänzt dabei nun auch folgende Fragen:

    • Was fällt euch im Vergleich zu einer anderen Fassung auf?
    • Was bleibt gleich?
    • Was fällt weg?

    Schritt 4:

    Tauscht euch in der Gruppe über diese zweite Fassung aus. Besprecht zunächst die zweite Fassung für sich genommen, bevor ihr sie mit der ersten gehörten Fassung vergleicht. Versucht dabei, beim erneuten Hören nachzuvollziehen, was ihr in der Gruppe besprochen habt, und besprecht offene Fragen nochmals miteinander. 

    Schritt 5:

    Hört euch die dritte, letzte Fassung an und notiert (in einer dritten Farbe), eure Gedanken dazu.

    Schritt 6:

    Wiederholt das Vorgehen aus Schritt 4.

    Schritt 7:

    Vergleicht nun alle Notizen von euch selbst und von euch als Gruppe: Welche Beobachtungen könnt ihr festhalten? Worüber wart ihr euch einig? Wo gab es Unstimmigkeiten?

    Versucht dabei, euer Fazit als Gruppe festzuhalten – so ausführlich wie nötig, aber so reduziert und transparent wie möglich. Könnt ihr euch auf 5 Stichpunkte einigen?

    Schritt 8:

    Pro Gruppe berichtet eine Person von den Überlegungen und Ergebnissen. Stellt dann die Ergebnisse aller Gruppen nebeneinander und filtert gemeinsam, sodass ihr als Klasse insgesamt 10 Stichpunkte findet, die für euch alle gelten.

    Schritt 9:

    Ihr habt nun zunächst vielfältige Eindrücke und Perspektiven gesammelt – von euren eigenen Gedanken über den Austausch in der Kleingruppe bis hin zum wiederholten Hören und dem Kennenlernen anderer Fassungen und Einfällen in der großen Gruppe. 

    Aus dieser Vielfalt habt ihr anschließend das Wesentliche herausgefiltert und verdichtet. 

    Wenn ihr euren Weg nun zurückverfolgt – von der Fülle an Eindrücken bis hin zur Essenz: 

    • Was würdet ihr sagen: Was macht eine Essenz aus?
    • Inwiefern ist die Überarbeitung eines Werks ein eigenständiges Kunstwerk?

    Schickt eure Gedanken und Essenzen – gerne kreativ gestaltet als Zeichnung, Podcast, Poesie, Musikstück oder Ähnliches – an das Beethovenfest unter mitmachen@beethovenfest.de. Wir präsentieren sie zusammen mit den Werken der Künstler:innen auf unserer Website und/oder unserem Instagram-Kanal. Unter allen Einsendungen verlosen wir Konzertkarten!

    Was bedeutet für euch ›Essenz‹ – musikalisch, persönlich, im Probenprozess?
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    Was ist eurer Meinung nach die Essenz von Beethovens 5. Sinfonie?
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    Das Konzert mit Trio Gaspard beim Festival 2025

    Do 4.9.2025
    • 19.30 Uhr, Meys Fabrik, Hennef

      Trio Gaspard: Symphonie en miniature

      Kammermusik

      Trio Gaspard, Adam Walker

      Haydn, Martinů, Beethoven

     

    ***

     

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    Ticket–Hotline +49 228 2010344 Mo, Mi–Fr, 10–14 Uhr
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