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  1. Unterrichtsmaterial

Die Möglichkeiten des Zuhörens – mit der Compagnia di Punto

    Unterrichtsmaterial: Aufgabe 3

    Einführung
    Compagnia di Punto © Cécile Brossard

    Unter den Kleinen sind sie die Größten: Die Compagnia di Punto spielt Beethovens 3. Sinfonie in einer Kammerfassung – für 10 Musiker:innen.

    Um auf einem hohen Niveau zu musizieren, reicht es nicht, dass jede:r im Ensemble ihr oder sein Instrument besonders gut spielt. Entscheidend ist auch, wie präzise alle aufeinander hören. Besonders deutlich wird das beim gemeinsamen Einstimmen: Dabei geht es zunächst darum, Stille zuzulassen, um dann die vorgegebene Tonhöhe wahrzunehmen und aufzunehmen. Nur wenn wirklich alle genau hinhören, können sie sich als Ensemble auf einen gemeinsamen Ton einigen.

    Auch neben dem Einstimmen ist der Fokus zentral für unser Hören: Würden alle akustischen Reize unserer Umgebung gleichzeitig und gleich stark auf uns einströmen, wären wir vollkommen überfordert und könnten die Informationen nicht verarbeiten. Die Ohren nehmen zwar die Töne auf, doch das eigentliche Hören findet im Gehirn statt. Hier werden die Reize gefiltert, sortiert und interpretiert – ganz ohne unser bewusstes Zutun.

    Das Gehirn wählt aus, was gerade relevant ist, und lässt nur diese Informationen zur weiteren Verarbeitung durch. Jeder Mensch hat dabei im Laufe seines Lebens unterschiedliche Geräusche als relevant oder bedeutungsvoll gelernt – je nachdem, welche Erfahrungen er oder sie bisher gemacht hat und in welcher Situation er oder sie grade ist. Deshalb hört jeder auf seine eigene Art und erschafft so seinen ganz persönlichen Höreindruck.

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    Dazu kommt: Wie viel wir über ein Musikstück wissen und wie lange wir es hören, verändert unsere Wahrnehmung der einzelnen Töne. Wenn man etwa die 3. Sinfonie schon als Orchesterfassung kennt, nimmt man die Kammerfassung sicher anders wahr, als wenn man das Werk zuerst als Kammerfassung kennenlernt.

    Auch der Einfluss von Zeit kann eine große Rolle spielen: Ein heller, freundlicher Akkord wird unterschiedlich wahrgenommen, je nachdem, ob vorher 10 Sekunden oder 3 Minuten düstere und bedrückende Musik zu hören war.

    Es kann eine spannende und herausfordernde Erfahrung sein, bewusst in das eigene Zuhören einzugreifen. Denn: unser Vorwissen hilft uns zwar, in Musik oder Geräuschen bekannte Elemente zu erkennen. Gleichzeitig schmälert es aber dadurch auch die Möglichkeit, andere, bisher noch nicht identifizierte Facetten aus der Musik oder den Geräuschen wahrzunehmen.

    Wenn wir uns ganz bewusst von Vorwissen ›frei machen‹, und unseren Kopf so leer wie möglich werden lassen, eröffnet sich beim Hören eine große Vielfalt. Christian Binde von der Compagnia di Punto beschreibt seine Erfahrung so: »Der einzig limitierende Faktor beim Hören ist die Phantasie.« 

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    Die Möglichkeiten des Zuhörens – mit der Compagnia di Punto

    Aufgabe
    Compagnia di Punto © Cécile Brossard

    Bestimmt hast du schon einmal erlebt, dass du plötzlich deinen Namen herausgehört hast, als du von einem ansonsten unverständlichen Stimmengewirr umgeben warst. Oder dass du manche Geräusche, wie das leise Summen eines Geräts zu Hause, irgendwann gar nicht mehr wahrnimmst – bis jemand anderes dich darauf aufmerksam macht. Umgekehrt kann es vorkommen, dass dich ein Geräusch, etwa das immer gleiche Bellen des Nachbarhundes, stört, während andere es gar nicht bemerken.

    Bevor wir bewusst wahrnehmen, was wir hören, filtert unser Gehirn aus der Fülle an Geräuschen um uns herum heraus, was als wichtig erscheint. Vieles bleibt im Hintergrund oder wird gar nicht erst bewusst wahrgenommen. Was wir hörend wahrnehmen, ist also von Person zu Person und von Situation zu Situation verschieden.

    Unteraufgabe 1

    Hörexperiment

    Zeit für einen Selbstversuch:

    Schritt 1:

    • Versucht, als Klasse für eine Minute in Stille zu kommen. Vereinbart eine Person und ein Geräusch, das diese Person nach der Minute macht, um euch wieder ›zurückzuholen‹.
    • Tauscht euch anschließend darüber aus:
      • Wie habt ihr die Minute erlebt?
      • War es leicht oder schwer? Entspannend oder anstrengend? Warum?

    Schritt 2:

    • Bleibt nun nochmal als Klasse für 2 Minuten ohne zusätzliche Geräusche. Hört dabei bewusst auf die Geräusche um euch herum. Das Ende der Übung wird wieder von einer Person mit dem vereinbarten Geräusch signalisiert.
    • Bildet anschließend zwei Gruppen und tauscht euch darüber aus, welche Geräusche ihr wahrgenommen habt.

    Schritt 3:

    • Hört ein drittes Mal als Klasse für zwei Minuten in die Stille. Achtet darauf, ob ihr diesmal andere oder dieselben Geräusche wahrnehmt wie zuvor. Beendet die Übung wieder mit dem vereinbarten Geräusch.

    Schritt 4:

    • Tauscht euch als Klasse darüber aus, inwieweit der Austausch in den beiden Gruppen euer Hören verändert hat.
    • Sammelt alle Geräusche, die ihr gehört habt: große und kleine, aufdringliche und versteckte, bekannte und unbekannte.
    • Notiert, ob beide Gruppen die gleichen Geräusche gehört haben oder unterschiedliche.
    • Sprecht darüber, wie sich eure Wahrnehmung und Interpretation unterschieden haben.
    Unteraufgabe 2

    Das Eroica-Game

    Du wirst zur Game-Designer:in und Regisseur:in deines eigenen Hörerlebnisses. Skizziere und entwickle deine eigene virtuelle Spielewelt zu einem Ausschnitt aus Beethovens 3. Sinfonie. Christian Binde von der Compagnia di Punto  hat dafür einen besonderen Abschnitt für euch ausgewählt:

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    Beethovens »Eroica«, Version 1:

    Schritt 1:

    Findet euch in kleinen Gruppen zusammen und hört euch zuerst den Abschnitt in der Version 1 an. 

    Er stammt aus der Orchesterfassung. 

    Hört ihn mehrfach und besprecht: 

    • Welche Gaming-Welt entsteht in eurer Vorstellung?
    • Welche Räume und Umgebungen gibt es – zum Beispiel Natur, Werkstatt, Bahnhof oder Wohnzimmer?
    • Wer oder was sind die Charaktere?
    • Was tun sie, welche Aktionen, Bewegungen und Interaktionen gibt es?
    • Welche Fähigkeiten und Stärken haben die Charaktere?
    • Wie groß sind sie im Verhältnis zur Umgebung?
    • Welche Stimmung oder Atmosphäre prägt eure Welt?
    • Wie wird Zeit eingesetzt – in Echtzeit, im Zeitraffer oder in Zeitlupe?
    • Welche visuellen Elemente (Farben, Formen, Licht) passen in eure Welt?

    Haltet eure Ideen schriftlich oder als Skizzen fest.

     

    Beethovens »Eroica«, Version 2:

    Schritt 2:

    Hört euch dann den Abschnitt in der Version 2 an – es ist derselbe Ausschnitt, aber in der Kammerfassung. 

    Geht eure Fragen von oben erneut durch und überlegt: 

    • Was verändert sich im Klang? 
    • Welche Elemente reduziert ihr oder lasst ihr weg? 
    • Was tritt neu oder deutlicher hervor? 
    • Wie verändern sich Stimmung, Welt und Charaktere? 
    • Welche Formen von Reduktion oder Vervielfältigung sind im Spiel möglich – etwa zeitliche Dimensionen, Verdichtung, Aktionsradius, Körpergröße, Power oder Klangfarbe? 
    • Gibt es neue Spielmechaniken oder Fähigkeiten? 
    • Wird eine Komponente stärker, aktiver oder bedeutender?

    Schritt 3:

    Überlegt euch nun, wie man im Spiel zwischen der ersten und zweiten Welt und damit der Orchester- und der Kammerfassung hin- und herspringen könnte. 

    • Wann wäre ein Wechsel sinnvoll oder besonders spannend? 
    • Welche neuen Perspektiven oder Vorteile entstehen dadurch? 
    • Welchen Mehrwert könnte es haben, aktiv in das eigene Hörerlebnis eingreifen zu können?

    Denkt euch ein alternatives Ende für diesen Abschnitt der Sinfonie aus: Wie könnte es in der Musik und im Spiel weitergehen? Haltet eure Ideen entweder in einer Stichpunktsammlung oder grafisch fest.

    Probiert eure Ideen doch direkt aus – zum Beispiel mit kostenlosen Apps wie Scratch, Core oder Bitsy.

    oder:

    Setzt eure Ideen als Comic-Storyboard oder als gezeichnetes Spielkonzept um. Zeigt dabei in Bildern, wie sich die Welten verändern, wenn ihr die Musik wechselt.

    Schickt eure Ergebnisse an mitmachen@beethovenfest.de – wir zeigen sie zusammen mit den Werken der Künstler:innen auf unserer Website und/oder unserem Instagram-Kanal. Unter allen Einsendungen verlosen wir Konzertkarten!

    Das Konzert von Compagnia di Punto im Beethovenfest 2025

    So 7.9.2025
    • 18 Uhr, Steigenberger Grandhotel Petersberg, Rotunde

      Compagnia di Punto: Symphonie en miniature

      Kammermusik

      Mozart, Beethoven

     

    ***

     

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