Kirsten Haß, Vorstand und Verwaltungsdirektorin Kulturstiftung des Bundes, und Julian Stahl, Leitung Programm tuned – Netzwerk für zeitgenössische Klassik, Kulturstiftung des Bundes
Sa 23.9.2023
10 Uhr, Festivalzentrale an der Kreuzkirche
Kick-Off: »tuned«
- Eintritt frei

Mitwirkende
- tuned - Netzwerk für zeitgenössische Klassik
- Beethovenfest Bonn
- Festspiele Mecklenburg-Vorpommern / detect classic festival
- Mozartfest Würzburg
- PODIUM Esslingen
- Thüringer Bachwochen
- TONALi Hamburg
Programm
Das Netzwerk für zeitgenössische Klassik stellt sich vor – mit Performances und Gesprächen.
10–21 Uhr: Festivalzentrale Kreuzkirche
10 Uhr | Begrüßung und Vorstellung des Programms
10:30 Uhr | Showcase Beethovenfest: »Weltenwandern« (Musiktheater-Kollektiv DieOrdnungDerDinge)

Das Musiktheater-Kollektiv DieOrdnungDerDinge (Iñigo Giner Miranda: Performance und Keyboard, Vera Kardos: Performance und Violine, Meriel Price: Performance und Saxophon, Cathrin Romeis: Performance und Violoncello) sucht mit dem Stück »Weltenwandern« in der Vogelwelt nach Antworten auf die Krisen der Gegenwart. Auf ihren Reisen über Kontinente hinweg absolvieren Zugvögel wahre Odysseen. Sie legen Tausende von Kilometern zurück, überwinden Stürme, Berge und Erschöpfungsphasen. Doch wie finden sie zusammen? Und wie orientieren sie sich in einem sich verändernden Klima?
11:15 Uhr | Diskurs: »Über das Zeitgenössische in der klassischen Musik«
Die Komponistin Sara Glojnarić und die Musikjournalistin Hannah Schmidt fragen danach, was es heute heißt, zu komponieren. Wie politisch kann oder muss Musik angesichts der gegenwärtigen Krisen sein?
11:45 Uhr | Diskurs: »Wer ist (noch nicht) unser Publikum?«
Steven Walter vom Beethovenfest Bonn, Amadeus Templeton von TONALi Hamburg und Univ.-Prof. Dr. Wiebke Rademacher von der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien diskutieren über die Frage, welche Verantwortung öffentlich geförderte Festivals dabei tragen, bestehende Publika zu erweitern. Wen erreichen die Festivals bisher und wen noch nicht? Welchen Herausforderungen begegnen sie dabei und wie verändern sich die Festivals in diesem Prozess?
12:45 Uhr | Pause
13:45 Uhr | Showcase Mozartfest: »MozartExotikum« (Leonie Klein, Percussion)

Becken, Triangel oder große Trommel treten bei Mozart nur selten solo auf. In der »Entführung aus dem Serail« aber mit Anklängen an die osmanische Janitscharenmusik fuhr er das große Schlagwerk auf und damit exotische Klänge im Wien der 1780er Jahre. Leonie Klein ist der Rolle des Schlagzeugs zu Mozarts Zeit nachgegangen. Sie hat Werke aus Klassik und Gegenwart zusammengetragen und verbindet sie in einem Tableau aus Tonbandzuspiel und Livemusik. In ihrem »MozartExotikum« fragt sie nach Exotismen gestern und heute und räumt mit Konzertritualen auf. Ein interaktives Hörspiel-Konzert mit Werken von Mozart, Eötvös, Fujikura, Glojnarić und Globokar.
14:30 Uhr | Diskurs: »Können Festivals nachhaltig produzieren?«
Christoph Drescher von den Thüringer Bachwochen, Ursula Haselböck von den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, Konstantin Udert vom Detect Classic Festival und Tamar Brüggemann vom Wonderfeel Festival denken gemeinsam über Fragen der ökologisch nachhaltigen Produktion von Festivals nach: Was heißt das für die Programmplanung? Wie kann sich das Mobilitätsverhalten der Besucher*innen verändern? Welche Ressourcen und Kompetenzen braucht es für einen grundlegenden Wandel?
15:30 Uhr | Pause
16 Uhr | Showcase TONALi: »AufHören« (Alexander Prill: Saxophon, Charlotte Kaiser: Mandoline, Charlotte Schetelich, Stimme, Juan Carlos Diaz Bueno, Flöte)

Wird klassische Musik zeitgenössisch, wenn sie sich den Themen der Gegenwart stellt? Fünf TONALi-Musikerinnen und -Musiker (Alexander Prill: Saxofon, Charlotte Kaiser: Mandoline, Charlotte Schetelich, Stimme, Juan Carlos Diaz Bueno, Flöte) eröffnen unter Einbeziehung des Publikums intime Klangräume, um dieser Frage darin gemeinsam nachzugehen.
16:45 Uhr | Diskurs: »Was ist Bühne heute?«
Joosten Ellée von PODIUM Esslingen, Evelyn Meining vom Mozartfest Würzburg und Franziska Ritter, Musikerin und Szenografin, sprechen darüber, wie sich Bühnen in den vergangenen Jahren verändert haben. Welche Rolle spielen Bühnen für Festivals und ihr Publikum? Wie wirken neue und erweiterte Bühnen auf die Atmosphäre eines Konzerts und das Verhältnis von Musikerinnen, Publikum und Raum?
17:45 Uhr | Showcase Thüringer Bachwochen: »The Bach Store« (Evan Shinners, Klavier, Silvius von Kessel, Orgel)

Der US-amerikanische Pianist Evan Shinners ist der Erfinder von »The Bach Store«. Damit besetzt er temporär leerstehende Läden, etwa an der Wall Street in New York, um darin täglich acht Stunden Bach zu spielen. 2022 war er damit erstmals bei den Thüringer Bachwochen zu Gast und spielte in Erfurt vor neugierigen Passantinnen. In Bonn trifft er zum Improvisationswettstreit auf den Erfurter Domorganisten Silvius von Kessel: 20 kompakte Minuten Klavier vs. Orgel, Barock vs. Gegenwart, die das Selbstverständnis der Thüringer Bachwochen spiegeln. Bach wird hier nämlich nicht denkmalpflegerisch betrachtet, sondern als Inspiration für ein vielfältiges Programm verstanden.
18:30 Uhr | Pause
18:45 Uhr | Showcase PODIUM Esslingen: »Penelope« von Sarah Kirkland Snider, Fassung für Streichquintett, Schlagwerk und Electronics

Bei Homer ist Penelope die treue Ehefrau, die während Odysseus’ Abwesenheit listig Verehrer abwehrt. Doch Penelope ist lange schon auch Teil feministischer Diskurse. In diesem Songzyklus der US-amerikanischen Komponistin Sarah Kirkland Snider, für den sie Stücke zwischen Kammerfolk und avantgardistischem Pop zusammengestellt hat, ist Penelope eher Therapeutin und erschließt mit ihrem traumatisierten Ehemann Fragen von Identität und Gedächtnis. Was heißt es, aus dem Krieg nach Hause zurückzukehren? In dieser Fassung für Streichquintett, Schlagwerk und Electronics übernimmt die international zu den großen Newcomerinnen ihres Fachs zählende Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn die Partie der Penelope.
Theresa Reustle, Violine
Sohia Stiehler, Violine
Neasa Ní Bhriain, Viola
Jakob Nierenz, Violoncello
Rosie Salvucci, Kontrabass
Paul Ebert, Percussion
Isabell Pfefferkorn, Gesang
Björn Castillano, Electronica
19:30 Uhr | Diskurs: »20 Fragen ans Netzwerk«
19:45 Uhr | Showcase Detect Classic Festival: »Im Strom« (Detect Ensemble & JakoJako)

(Bei gutem auf dem Vorplatz der Kreuzkirche, bei schlechtem Wetter drinnen)
Das Detect Ensemble des Detect Classic Festivals widmet sich den Schnittstellen gegensätzlicher Musiktraditionen. Die Mitglieder sind in der Neuen Musik, der Klassik und im Jazz verwurzelt. Gemeinsam ist ihnen das Interesse an der elektronischen Klangerweiterung, dem Experiment mit ungewöhnlichen Klängen und den Verbindungen von instrumentaler und elektronischer Musik. JakoJako ist derzeit eine der aufregendsten Künstlerinnen der internationalen Clubszene. Die Zusammenarbeit von JakoJako und Detect Ensemble verbindet die Klarheit von Techno mit der farbenfrohen Wärme analoger Klangsynthese. Gemeinsam begeben sie sich zu den Ursprüngen der elektronischen Klangerzeugung: Alles ist Strom, alles ist im Fluss.
Paulina Sofie Kiss, Elektronik
Clemens Ohlendorf, Percussion
Robert Lüngen, Bass
Reto Weiche, Gitarre
Christian Traute, Posaune
JakoJako, electronic composition/modular
Durch den Tag führt Moderatorin Andrea Thilo
Gefördert durch »tuned – Netzwerk für zeitgenössische Klassik« der Kulturstiftung des Bundes.
Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Beschreibung
Die Kulturstiftung des Bundes hat mit »tuned – Netzwerk für zeitgenössische Klassik« ein deutschlandweites Netzwerk klassischer Musikfestivals ins Leben gerufen, mit dabei auch das Beethovenfest. Zum offiziellen Auftakt des mehrjährigen Programms bringen alle Festivals des Netzwerks Künstler:innen und Showcases mit nach Bonn. Dazu gehört ein »Orgel – Klavier Duell«, eine Schlagwerk-Soloperformance, zeitgenössische Artpop-Liedkunst und interdisziplinäre Performances.
Zwischen den Showcases diskutieren die Festival-Leiter:innen sowie eingeladene Expert:innen zentrale Zukunftsfragen rund um die tuned – Handlungsfelder Organisation, Bühne und Publikum. Die Moderation des Tages übernimmt Andrea Thilo. Kommen Sie vorbei, diskutieren Sie mit uns über die Zukunft von Musikfestivals und lernen Sie die Partnerfestivals mit ihren vielfältigen Performances kennen! Der Eintritt ist frei.
Eine Kooperation der Kulturstiftung des Bundes und des Beethovenfests Bonn
Weitere Infos