Steven Walter, Intendant des Beethovenfests Bonn, schließt dem Publikum mit einzigartigen Konzertformaten einen Zugang zu unerwarteten Musikwelten auf. Im Interview erklärt er das Mega-Event des Festivals 2026, »Nach Hause: Die lange Konzertnacht«: eine simultane Bespielung aller Säle in der Beethovenhalle mit dem Musik-Mix, für den er so bekannt ist.
In den letzten Jahren beim Beethovenfest hast Du immer eine Lange Nacht aufs Programm gesetzt, an einem besonderen Ort wie dem Post Tower und dem Hochhaus am Neuen Kanzlerplatz. Dieses Jahr also in der Beethovenhalle – was an dieser Art Konzertabend macht Dir Spaß? Siehst Du es ein bisschen als dein ›Signature-Format‹ als Intendant?
Steven Walter: Mich interessieren Konzertformen, bei denen die Zuhörer:innen eine größere Souveränität haben. Man kann sich das Programm selbst aussuchen und jede:r hat eine andere Reise durch den Abend. Diese Freiheit finde ich sehr spannend, denn in der Regel gibt es das beim klassischen Konzert nicht, das eher ein vorgefertigtes Erlebnis bietet. Ich wurde dazu von Filmfestivals inspiriert, die auch oft ein extrem dichtes Programm haben und wo man sich sozusagen seinen persönlichen Film zusammenstellt. So sollte eigentlich ein Festival sein: Dass man eine Art Überforderung hat, aber sich seinen Weg durch diese Vielfalt bahnt.
Nach Deinen Erfahrungen mit diesen Formaten – was ändert sich beim Hören in einem Wandelkonzert?
Bewusst eine Performance in einer bestimmten Reihenfolge auswählen zu können, bewirkt eine neue Grundhaltung, ein anderes Hörbewusstsein. Dazu kommt das Überraschungsprinzip. Vermutlich stolpert man in irgendetwas hinein, das man nicht erwartet hätte. Dagegen sucht man sich im Regelfall oft sehr gezielt ein Konzert aus und kennt das Programm meistens auch. Das ist natürlich in Ordnung und wir haben viele Konzerte dieser Art im Festival. Was dort aber nicht gegeben ist, ist dieser glückliche Zufall. Nicht zuletzt liegt darin auch ein soziales Potenzial: Jede:r hat ein bisschen etwas anderes erlebt – darüber kann man sich austauschen, das ist nochmal ein anderes Gemeinschaftserlebnis.
Ist das auch eine Strategie, um es dem Publikum einfacher zu machen, sich auf Neues einzulassen?
Ja, auf jeden Fall. Wir versuchen alles, um glückliche Entdeckungen zu ermöglichen. Es gibt so viel unglaublich tolle Musik unterschiedlichster Art, die wir alle, auch ich, noch nicht kennen. Gleichzeitig tendieren wir Menschen oft dazu, uns zum Bekannten hingezogen zu fühlen. Davon bieten wir auch an diesem Abend viel. Aber darüber hinaus kann man auch gewissermaßen zufällig in einem ganz anderen Format landen und neue Dinge hören, die allesamt emotional stark und zugänglich sind.











