Zurück »Nach Hause« in die Beethovenhalle: Intendant Steven Walter hieß in seiner Rede zum Eröffnungskonzert des Beethovenfests 2026 die Menschen an einem Ort der »optimistischen Gemeinschaft« willkommen. Die ganze Eröffnungsansprache hier zum Nachlesen.
›Heimat‹ scheint zugleich das Natürlichste und Komplizierteste zu sein, das wir Deutschen fühlen können. Einfach, denn jeder hat eine Heimat und kann sie auch aus der Fremde beschreiben, so wie Beethoven an seinen Bonner Jugendfreund Franz Wegeler: »Die schöne Gegend, in der ich das Licht der Welt erblickte, ist mir noch immer so schön und deutlich vor den Augen, als da ich euch verließ; kurz, ich werde die Zeit als einer der glücklichsten Begebenheiten meines Lebens ansehen, wo ich euch wiedersehen und unseren Vater Rhein begrüßen kann.«
Kompliziert, denn im selben Jahre 1801 stellte der Frühromantiker Novalis in seinem Roman Heinrich von Ofterdingen die romantische Ur-Frage: »Wo gehen wir denn hin?« Und seine Antwort: »Immer nach Hause.« Die Romantik, von Beethoven und Novalis in der Kunst geprägt und in der Region rheinaufwärts von hier mystisch und ikonisch verortet, beschreibt eine unstillbare Sehnsucht, Unruhe und ein gleichzeitig nostalgisch wie vorwärtsdrängendes Deutschheitsgefühl. Ein Komplex, der manch große Kunst, aber im 20. Jahrhundert auch die ein oder andere Zivilisationskatastrophe verursacht hat und bis heute einen mindestens ambivalenten Heimatbegriff begründet.
In die Musik hat sich Deutschland bei aller nationalen Ambivalenz immerhin oft und sehr erfolgreich flüchten können. Und ich möchte behaupten, dass sich heute im Kulturleben so manche diesbezügliche Verkrampfung, die wieder von niedrigen populistischen Kräften ausgenutzt wird, lösen könnte. Denn Heimat ist subsidiär, immer vor Ort – dort, wo Menschen sich gegenseitig einladen und erleben. Das Zuhause ergibt nur in Kombination mit guter Gastgeberschaft einen wirklichen Heimatsinn. Dabei können wir viel von anderen Kulturen lernen. »Der Gast ist die Seele des Hauses« heißt es in einem Sprichwort aus Georgien, einem Land, mit dem wir uns dieses Jahr viel beschäftigen.







