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Jubiläumsjahr

Konrad Adenauer und die Musik

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Eine Person sitzt auf einem Balkon und liest eine Zeitung. Im Hintergrund ist eine Landschaft mit Gebäuden zu sehen.
Konrad Adenauer in seinem Haus in Rhöndorf, 1949 © Bundesregierung/o. Ang.

2026 wäre Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler, 150 Jahre alt geworden. Die letzten 30 Jahre seines Lebens verbrachte er in Bad Honnef-Rhöndorf, knapp 20 km südlich von Bonn. Im September füllt nun das Beethovenfest das Anwesen mit Musik – Anlass für Claudia Waibel von der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, den musikalischen Seiten des Gründungskanzlers nachzuspüren. 

1937 ließ Adenauer für sich und seine Familie im Winzerort Rhöndorf ein neues Wohnhaus erbauen und legte den weitläufigen Garten mit Blick auf den Rhein selbst an. In seinen privaten Räumen erzählen zahlreiche Erinnerungsstücke und Einrichtungsgegenstände Geschichten über Leben und Wirken des ersten Bundeskanzlers, engagierten Europäers, Privatmanns und Musikliebhabers. 

Ein weißes Haus mit dunklen Fensterläden steht auf einem Hügel mit Blick auf eine Landschaft und Stadt.
Adenauerhaus Rhöndorf © Beethovenfest Bonn

Hausmusikabende

Gleich rechter Hand nach dem Betreten des Eingangsbereichs geht es im Rahmen eines geführten Rundgangs in das so genannte Musikzimmer. Hier musizierten in den ersten Jahren im neu bezogenen Rhöndorfer Wohnhaus regelmäßig Adenauers zweite Frau Gussie gemeinsam mit den jüngsten Kindern der Familie. 

Lange Zeit stand in diesem Raum auch ein Phonola – ein mechanisches Selbstspielklavier mit Notenrollen, das sich heute in einem Musikautomatenmuseum in Bruchsal befindet. 

Zu Hausmusikabenden hatte die Familie Adenauer vor dem Erstarken der Nationalsozialisten, als Konrad Adenauer von 1917 bis 1933 als Kölner Oberbürgermeister gewirkt hatte, regelmäßig eingeladen. Bei Abendgesellschaften mit erweitertem Familienkreis, Freunden und Nachbarn wurde im großen Haus in Köln-Lindenthal zusammen musiziert. Gussie Adenauer war eine talentierte Geigenspielerin. Auch die Kinder wurden dazu angehalten, ein Instrument zu erlernen.

Ein runder Holztisch mit einem weißen Spitzendeckchen, Schallplatten mit einem Porträt und einer Einzelrose in einer Vase.
Innensichten des Adenauerhauses Rhöndorf: Die CD-Sammlung © Beethovenfest Bonn

Modernste Technik

Gleich nebenan liegt das Wohnzimmer. Auffällig ist der große Musikschrank im Zentrum des Raumes. Nach arbeitsreichen Tagen legte Adenauer Schallplatten und Tonbänder auf, um zur Entspannung klassische Musik zu hören – der WDR fertigte eigens Mitschnitte von Radiokonzerten für ihn an. Der Bundeskanzler war »geradezu entzückt von der Wiedergabe in dunklen wie in hellen Tönen und allen Feinheiten der Schattierungen« des modernen Geräts.

Gemütliches Wohnzimmer mit einem ovalen Holztisch, Sofas, einem gemalten Porträt an der Wand und weichen Tageslichtstrahlen.
Innensichten des Adenauerhauses Rhöndorf © Beethovenfest Bonn

Musik zur Entspannung

Musik spielte im Alltag Adenauers eine große Rolle – sie diente ihm als Ausgleich in seiner Mittagspause oder am Abend. Er bevorzugte geistliche Musik, Volkslieder, Marschmusik und vor allem klassische Musik – darunter Haydn, Beethoven, Vivaldi, Schubert oder Mozart. 

Oftmals stellte die Wahl eines Komponisten einen Indikator für Adenauers Gemütsverfassung dar. Hannelore Siegel, seine Sekretärin, erinnerte sich: »Mittags gab es immer klassische Musik. Das war ein Ruhepunkt. Und für uns ein Zeichen – je nachdem, welche Musik er auswählte –, in welcher Stimmung er war. Bei Haydn, Mozart, Schubert waren wir alle recht zufrieden, wenn wir sie durchs Schlüsselloch gehört haben.« Anders verhielt es sich bei weiteren Komponisten. Adenauer selbst gab an: »Tschaikowski höre ich, wenn ich aufgeregt bin, das regt mich dann noch weiter an.« 

Neben Instrumentalmusik schätzte er Männergesangsvereine wie die Chöre des Schubertbundes. Dabei spielte nicht nur die Liedauswahl eine Rolle, sondern auch die Gesinnung: »…die Leute, die in einem Männerchor sind, sind noch Leute mit Gemüt, die nicht nur politisieren…«.

Gemütliches Wohnzimmer mit Sesseln, bestückten Bücherregalen und Gemälde an der Wand. Durch das große Fenster strömt Tageslicht.
Innensichten des Adenauerhauses Rhöndorf

Sehenswerte Ausstellung

Nicht nur das Wohnhaus lohnt einen Besuch. Es ist umgeben von einem prächtigen Garten: Duftende Rosen und mediterrane Skulpturen säumen die malerischen Gartenpfade. Von hier schweift der Blick zum Drachenfels. Im Pavillon schrieb Adenauer seine Memoiren; oberhalb liegt seine Bocciabahn. Statuen erinnern an die Moskaureise 1955 mit der Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen sowie an Adenauers und de Gaulles Verdienste um die deutsch-französische Aussöhnung. 

Ein Sandboden, eingezäunt von Metallbarrieren, führt zu einem weißen Gebäude im Hintergrund. Bäume ohne Blätter umgeben die Szene.
Adenauerhaus Rhöndorf: Die Boccia-Bahn

Im unterhalb des Anwesens gelegenen Ausstellungsgebäude wird die Geschichte der sudetendeutschen Geigenbauer aus Tschechien thematisiert, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Bubenreuth bei Erlangen eine neue Heimat gefunden hatten. Die vertriebenen Instrumentenhersteller, deren Integration Adenauer ein besonderes Anliegen war, schenkten ihm 1957 eine Meistergeige. Eine Geige aus Bubenreuth ist heute in Rhöndorf zu sehen.

Moderner Museums- oder Galerieeingang mit Glasscheiben und Metallrahmen. Ein Freistehendes Schild steht vor dem Gebäude.
Das Museum am Adenauerhaus, Rhöndorf © Beethovenfest Bonn

Kultureller Dreiklang

Eine Ausstellungseinheit ist Adenauers Vorliebe für Literatur, bildende Kunst und Musik gewidmet. Eine besondere Verbindung hatte er zu Ludwig van Beethoven – in einem Brief formulierte er als Dreiklang der Hochkultur »Goethe, Beethoven, Rembrandt«. Adenauer förderte 1959 die erste Beethoven-Briefmarke, besuchte wiederholt Bonner Beethovenfeste und zelebrierte 1966 seinen 90. Geburtstag in der Beethovenhalle. 

Und so wird nun auch der 150. Geburtstag des ersten Bundeskanzlers musikalisch begangen. Das Adenauerhaus lädt zu einem Vortrag über die Bedeutung der Musik für den Kanzler ein. Am Tag des offenen Denkmals bieten die Beethoven Talents 2026 einen gemischten Kammermusiktag auf dem gesamten Gelände des Adenauerhauses. Adenauer hätte sich gewiss daran erfreut, denn sie haben sich von Adenauers Schallplattensammlung inspirieren lassen.

Ein elegantes Esszimmer mit einem Esstisch, gedeckt mit blauen Servietten. Ein Kronleuchter hängt von der Decke.
Innensichten des Adenauerhauses Rhöndorf © Beethovenfest Bonn

Events zum Adenauer-Jubiläum

So 13.9.2026
  • 11.30 Uhr, Adenauerhaus, Rhöndorf

    Offenes Denkmal mit Musik

    Kammermusik, Open Air

    Beethovenfest Talents 2026

StBKAH/Will McBride
Konrad Adenauer © StBKAH/Will McBride
Dienstag, 6. Oktober, 19 Uhr Vortrag von Marcel Guthier zum Thema »Konrad Adenauer und die Musik« im Adenauerhaus in Bad Honnef-Rhöndorf. Eintritt frei
Hier anmelden
Artikel von Claudia Waibel
Ticket–Hotline +49 228 2010344 Mo, Mi–Fr, 10–14 Uhr
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