Das New Yorker Streichquartett spielt einen blitzsauberen Haydn und setzt sich danach mit Komponist:innen ins Studierzimmer, um neue Klänge zu entwickeln. Im September kommen die Newcomer erstmals nach Bonn. Hier geben sie selbst einen kleinen Einblick in ihre Herangehensweise und das neue Werk von Billy Childs, das sie in Auftrag gegeben haben.
5 Fragen an ...
Isidore String Quartet

Ihr kombiniert die Tradition mit dem Heute – das merkt man im Konzertprogramm. Definiert euch das als Quartett?
Wir haben schon immer versucht, einen Dialog zwischen dem etablierten Repertoire und der Musik lebender Komponist:innen zu führen. Das bedeutet für uns, die Klassiker so zu behandeln, als wären sie brandneu, und die zeitgenössischen Stücke so selbstverständlich zu spielen, als seien sie längt Teil des Kanons. Diese Philosophie haben wir von unseren Mentor:innen des Juilliard String Quartet übernommen. Wir finden diese Konversationen über die Jahrhunderte hinweg bereichernd und erhellend.
Ist dafür auch die persönliche Zusammenarbeit mit den Komponist:innen wichtig?
Auf jeden Fall. Seit unserer Gründung fühlen wir uns vor allem der Musik von Billy Childs sehr nah. Wir haben seine Streichquartette Nr. 2 und 3 uraufgeführt – jetzt hatten wir die Ehre, das vierte mit dem Titel »American Mosaic« bei ihm zu beauftragen. Es ist in enger Zusammenarbeit entstanden: Billys kompositorische Stimme nimmt unsere künstlerische Perspektive auf. Das Werk fühlt sich daher gleichzeitig sehr persönlich und universal an.
Was fasziniert euch besonders am neuen Quartett von Billy Childs?
Er hat eine außergewöhnliche Gabe dafür, Jazz und klassische Strukturen zu verbinden und dabei eine Geschichte zu erzählen. In »American Mosaic« ist jeder Satz eine Stufe einer emotionalen und sozialen Reise. Dabei behalten alle Stimmen ihre Individualität: Wie in einem Mosaik entsteht Bedeutung nicht aus Gleichförmigkeit, sondern aus der Interaktion jedes Steinchens. Billy Childs fängt die Komplexität der ethnischen Beziehungen in den USA ein und entwickelt über die Dauer der drei Sätze eine hoffnungsvolle Zukunftsvision. Für uns als divers besetztes Quartett ist das besonders berührend.
Gibt es Gemeinsamkeiten zur Musik der zweiten amerikanischen Komponistin des Abends, Brittany J. Green?
Wir begegnen Greens Musik hier zum ersten Mal und freuen uns sehr darauf, ihre Musiksprache kennenzulernen. Ihr Quartett »Lead Me Home« ist sehr viel introspektiver als Childs – ein langsam sich entwickelnder, schimmernder Klangteppich, der die Hörenden aus dem alltäglichen Lärm herauszieht. In dieser Hinsicht verbindet sich ihr Stück mit Childs: beide sprechen von Sehnsucht, innerem Aufruhr und der emotionalen Widerstandskraft der Menschen.
Was passiert, wenn man die amerikanischen Stücke von heute neben Mendelssohn und Haydn stellt?
Wir finden an Kammermusik so aufregend, dass man viele verschiedene Stimmen und Perspektiven innerhalb eines einzigen Konzerts ins Gespräch miteinander bringen kann. So erleben wir zeitlose menschliche Erfahrungen über Jahrhunderte hinweg. Wenn Billy Child’s »American Mosaic« sich heute relevanten politischen Fragen widmet, dann ist es gleichzeitig auch ein brilliant gearbeitetes Streichquartett, dass seinen natürlichen Platz neben Haydn und Mendelssohn hat.