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Campus-Projekt bringt Deutschland und Georgien zusammen

Europa im Herzen

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Ein Mann in kariertem Hemd zeigt etwas an der Wand, während er neben einer Person mit lockigem Haar steht.
Mirian Khukhunaishvili & Tsotne Zedginidze © Jasper Techel

Jedes Jahr reist das Campus-Projekt des Beethovenfests in ein anderes Gastland, um junge Musiker:innen zusammenzubringen. Im Juni 2026 machte sich eine Gruppe Mitglieder des Bundesjugendorchesters und Bundesjugendchors auf nach Tbilisi. Die georgische Musikwissenschaftlerin Nana Sharikadze war ebenfalls dabei und fragte beim Künstlerischen Leiter Mirian Khukhunaishvili und dem georgischen Ausnahmetalent Tsotne Zedgnidze nach dem Fortschritt der Proben.

Was sind Deine Ziele als künstlerischer Leiter des Campus-Projekts?

Mirian Khukhunaishvili: Ich Ich habe mehrere Ziele. Das erste ist, das klassische Repertoire der georgischen Musik der Öffentlichkeit näherzubringen. Mit Tsotne Zedginidze haben wir einen jungen Vertreter der zeitgenössischen Schule. Wir haben die Chormusik unseres Landes. Zweitens wollen wir eine Botschaft senden. Wir könnten nicht einfach spielen und singen, ohne die Realität um uns herum widerzuspiegeln. Musik ist meiner Meinung nach die stärkste Botschaft. In unserem Konzert geht es um die geopolitische Realität, in der wir leben. 

Inwiefern dient Beethoven als Ausgangspunkt für diese Botschaft?

Wir beginnen mit Beethovens cis-Moll-Quartett op. 131, dem siebten Satz. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, welches Originalwerk von Beethoven wir einbeziehen sollten – wir haben verschiedene Optionen diskutiert. Dieses Stück eignet sich hervorragend als Auftakt, da es Beethovens revolutionären Geist und seinen Widerstand verdeutlicht. Es ist eines seiner spätesten Werke. Es gibt wirklich den Ton für den Rest des Programms vor.

Wie näherst Du Dich der georgischen Musiktradition?

Wir haben einige Chorstücke ins Programm aufgenommen, um diesen einzigartigen, ornamentalen Gesangsstil zu veranschaulichen. Eines davon ist Daigvianes, ein eingängiges Lied. Ich dachte immer, es sei ein Volkslied, aber tatsächlich handelt es sich um ein Stück von Tsotnes Urgroßvater, Niko Sulkhanishvili. Ich werde es selbst zusammen mit dem Chor singen. Es handelt von einem Hirten, der aus den Bergen von seinen Freunden singt, die gegen die Feinde kämpfen, während er sich versteckt. Es ist sehr melancholisch und handelt von einem Gefühl der Isolation. Vielleicht spricht es mich besonders an, weil ich aus Georgien stamme, aber im Ausland lebe. Ich verfolge alles aus der Ferne über die Nachrichten, losgelöst von der täglichen Realität vor Ort.

Zum Finale wird es eine Verschmelzung von Beethoven und georgischer Volksmusik geben. Wie bringst Du diese Welten zusammen?

Mein Kollege Mika Mdinaradze hat ein Arrangement von Beethovens Chorstück »Europa steht!« geschaffen, das nach Napoleons Niederlage auf dem Wiener Kongress geschrieben wurde. Dort wurde die Landkarte Europas neu gezeichnet. Wir haben nur die erste Hälfte übernommen, in der es darum geht, wie Europa als Nation vereint steht. Dann geht das Beethoven-Stück in das traditionelle Lied sami atas tselzed meti über. Der Text lautet: »Seit mehr als dreitausend Jahren singen wir und werden wir unser süßes Mravalzhamieri singen.« Die Melodien von Beethoven verschmelzen zudem mit dem georgischen Volkslied Abaula. Dieser Kriegersong verbindet seine Bedeutung mit Beethovens europäischem Aufruf. Daraus entsteht eine Art westlich-georgische Improvisation.

Siehst Du dieses Medley als eine Art Bekenntnis dazu, wo wir hingehören?

Ja. Wir sagen damit, dass unsere Hoffnung für Europa nicht nur darin besteht, irgendwo beizutreten, sondern dass dies unsere gemeinsame Heimat ist, um deren Zugehörigkeit wir kämpfen. Die Kernbotschaft ist, dass wir in Georgien die westeuropäischen Werte der Menschenrechte teilen. Ich freue mich sehr, Teil dieses Projekts beim Beethovenfest zu sein. Die jüngere Generation an dieses Festival heranzuführen, bedeutet, eine stärkere Verbindung zu den Werten herzustellen, für die wir uns einsetzen.

Ein junger Mann sitzt am Klavier und schaut dabei auf Noten.
Tsotne Zedginidze am Klavier. © Jasper Techel

Wie siehst Du Deine Rolle und die Bedeutung des Campus-Projekts?

Tsotne Zedginidze: Ich betrachte dieses Projekt als eine Verschmelzung und einen Austausch der Kulturen Georgiens und Deutschlands. Junge Musiker:innen aus beiden Ländern kommen im Orchester zusammen, sie kommunizieren miteinander und machen Musik unter der Leitung des großartigen Dirigenten Mirian Khukhunaishvili. Ich wurde gebeten, ein Stück für dieses Orchester und dieses Projekt zu schreiben. Die Bitte lautete ausdrücklich, etwas Georgisches in meine Musik einzubringen. Das Ergebnis ist mein neues Stück Chmebi: Georgian Fantasia für Kammerorchester und Klavier.

Ich habe gehört, dass Du früher keine Volksmusik und keine Volksmelodien in Deinen Werken verwenden wolltest. Warum war das so?

Das stimmt, früher war ich sehr gegen georgische Volksmusik in meiner Musik. Als ich jünger war, habe ich zwar ein wenig Volksmusik gehört, aber sie gehörte nicht zu meinen Favoriten. Ich hörte eher europäische klassische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts.

Was hat Dich dazu bewogen, Dich der traditionellen Musik zuzuwenden?

Als ich älter wurde, begann ich, die georgische Musik viel besser zu verstehen und zu lieben. Mein Urgroßvater Niko Sulkhanishvili war ein sehr bedeutender georgischer Komponist, bekannt für seine perfekte Verschmelzung von georgischer Volksmusik mit klassischer Musik. Einige seiner Stücke sind auch im Campus-Konzert zu hören.

Du wirst im Konzert auch über eine Bagatelle von Beethoven improvisieren. Wie gehst du da heran?

Es wird eher so so sein, dass ich auf die Bagatelle meine Antwort folgen lasse. Das heißt, ich werde Beethovens Material unberührt lassen. Es wird keine direkte Improvisation über seine Themen sein, höchstens eine indirekte Fortführung, eher innerlich und mit Abstand. Diese Bagatelle ist sein letztes Werk, tragisch, kurz. Für mich ist es ein Stück, dass sich in Richtung der Galaxie öffnet.

Campus 2026

Mi 23.9.2026
  • Ein Dirigent leitet eine Probe in einem Musikraum. Ein Pianist spielt im Hintergrund. Partituren sind im Vordergrund.
    19.30 Uhr, Beethovenhalle, Studio

    Campus-Konzert: Georgien

    Kammerorchester, Vokal

    Mitglieder des Tbilisi Youth Orchestra, Tsotne Zedginidze, Mirian Khukhunaishvili

    Beethoven, Sulkhanishvili, Zedginidze

Do 24.9.2026
  • 19 Uhr, James-Simon-Galerie, Auditorium

    Campus-Konzert Georgien in Berlin

    Kammerorchester, Vokal

    Mitglieder des Tbilisi Youth Orchestra, Tsotne Zedginidze, Mirian Khukhunaishvili

    Beethoven, Sulkhanishvili, Zedginidze

Jasper Techel
Mitglieder des Bundesjugendorchesters & des Tbilisi Youth Orchestra © Jasper Techel
Campus-Konzert: Georgien

Livestream

Livestream am 23.9.2026 um 19.30 Uhr aus der Beethovenhalle
Hier geht's zum Stream – schauen Sie live von Zuhause zu!
Artikel von Nana Sharikadze
Ticket–Hotline +49 228 2010344 Mo, Mi–Fr, 10–14 Uhr
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