Nils Mönkemeyer ist bereits seit langem über sein eigenes Festival »Klassik für alle« mit Bonn verbunden. Im Beethovenfest 2024 brachte er erstmals seine Ideen für mehr Teilhabe durch das Patenticket ein. 2026 ist er als Solist und Kammermusikpartner in der langen Konzertnacht dabei.
Bratschist Nils Mönkemeyer
»Ein bisschen dunkel, ein bisschen träumerisch...«

Was verbindet Dich mit der Bratsche, was reizt Dich daran – warum hast Du dieses Instrument gewählt?
Ich weiß nicht so genau, ob man selber eigentlich das Instrument wählt oder das Instrument einen wählt. Was ich mit der Musik sage, das entspricht quasi dem, wie ich innerlich Musik höre. Das kommt dann durch das Instrument heraus und andere Menschen hören das. Und dazwischen muss es eine Übereinstimmung geben. Wie ich Musik wahrnehme, ist so wie der Klang der Bratsche: ein bisschen dunkel und manchmal auch ein bisschen träumerisch. Die Bratsche ist nie ganz direkt, sondern eigentlich sehr freundlich.
Wie fühlt sich das Bratsche spielen an, auch im Vergleich zur Geige?
Man hält und spielt die Bratsche genauso wie die Geige. Bei der Geige ist es zumindest für mich so: Ich habe relativ lange Arme. Wenn ich den Arm ausstrecke und eine Bratsche hineinlege, dann ist alles an der richtigen Stelle. Bei der Geige wusste ich immer nicht, wo ich mit meinen Armen und mit meinem Körper hin soll. Darum habe ich mich immer ein bisschen gefühlt wie ein Riese mit einem Miniaturinstrument. Und dann habe ich die Bratsche bekommen! Das ist ein bisschen wie beim Cello: die tiefen Töne erzeugen ja so eine Art Vibration. Wenn ich spiele, dann spüre ich das am ganzen Körper und das finde ich sehr, sehr schön. Darum war für mich die Bratsche viel physischer und körperlicher als die Geige.
Worauf freust Du dich am meisten, wenn Du an Dein Konzert im Festival denkst?
Da gibt es nicht etwas Spezielles, sondern ich freue mich sehr, Teil des Beethovenfests zu sein. Ich finde, mit dieser Erneuerung, die hier stattgefunden hat, gibt es so viele aufregende Programme und einen Geist der Offenheit und auch des Suchens. Das finde ich total spannend. Ich wünsche mir natürlich, dass ich Teil davon bin, dass etwas Neues passiert, dass etwas für das Publikum kreiert wird, was vielleicht vorher noch nicht in dieser Form da war, dass die Menschen etwas mitnehmen.

Würdest Du sagen, dass die Musik oder die Kultur etwas beiträgt zur demokratischen Kultur in der Gesellschaft?
Es gibt vielleicht nichts Demokratischeres als die Musik. Musik hat ja diesen unglaublichen Vorteil, außerhalb des Sprachraums zu beginnen. Wenn ich mich zum Beispiel mit Personen aus dem Publikum unterhalte, gibt es garantiert Dinge, die uns trennen. Über die Musik wischt man das einfach beiseite und es spielt überhaupt keine Rolle. Deswegen finde ich, dass der Konzertsaal im tiefsten Sinne demokratisch ist. Ich denke, es ist ein schönes Symbol, dass am Musikfest der Demokratie Musik an alle diese Orte gebracht wird, die durch das Ziel geprägt sind, gemeinsam einen Konsens zu finden.

Du engagierst Dich dafür, dass Musik noch demokratischer und zugänglicher wird für Menschen, wo der Zugang dazu nicht so selbstverständlich ist. Was motiviert Dich in dieser Arbeit?
Eine Zeit lang hat es mich sehr genervt, dass es hinter den Kulissen des Musikmarkts viel Larmoyanz gab. Nach dem Motto, ›die Leute kommen nicht mehr in die Konzerte‹ und so weiter. Ich habe gedacht: Jetzt mal genug mit diesem Gemecker. Wir müssen einfach etwas tun. Zurzeit wohne ich in München. Diese Stadt ist extrem teuer. Das war mein erster Gedanke: Die Kosten für einen Konzertbesuch sind für viele Menschen zu hoch. Daher fand ich das Pay What You Can-Preismodell für die Konzerte im Musikfest der Demokratie im 2024-Festival eine sehr schöne Idee.
Das ist im Prinzip auch die Idee der Patentickets, die ich im Projekt »Klassik für alle« mit der Caritas in Bonn entwickelt habe. Patentickets sind Konzerttickets für Menschen aus dem Kundenkreis der Caritas. Jede Person oder Firma kann Tickets spenden, und über das System werden sie dann an die nachweislich bedürftigen Interessent:innen verteilt. Auch im Beethovenfest 2026 wird es für vier Konzerte die Möglichkeit geben, Patentickets zu spenden.

Nils Mönkemeyer im Festival
- , Beethovenhalle
Nach Hause: Die lange Konzertnacht
Kammerorchester, Kammermusik