In den Siebziger-Jahren wurde er von Jazz-Legende Freddie Hubbard in dessen Band geholt, heute ist er ein renommierter klassischer Komponist: Billy Childs, Jazzpianist aus Los Angeles, hat ein neues Streichquartett geschrieben. Auftraggeber ist das Isidore String Quartet, das es auf Tournée auch zum Beethovenfest nach Bonn mitbringt. »American Mosaic« nennt Childs sein Quartett Nr. 4. Hier schreibt er über das Werk und seine Botschaft von der amerikanischen Einheit in Vielfalt.
American Mosaic ist mein viertes Streichquartett. Das übergeordnete Thema dieser Komposition ist eine Auseinandersetzung mit den problematischen Beziehungen zwischen den ethnischen Abstammungen in Amerika. Der Titel des Stücks steht für meine Überzeugung, dass Amerika im besten Fall ein Mosaik aus unterschiedlichen Abstammungen und Kulturen sein kann – eine Kombination verschiedener Ethnien, die zusammenarbeiten, um eine integrative, geeinte und vollständige Nation zu bilden.
Doch Amerika hat eine gewalttätige und schmerzhafte Geschichte in Bezug auf ethnische Abstammung (Sklaverei, Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern, japanische Internierungslager, der Ku-Klux-Klan, ICE-Beamte, die Menschen mit hispanischem Aussehen zur Abschiebung verhaften). Das Ziel dieses Werks ist es, uns einen Spiegel vorzuhalten, zu reflektieren und dieses jahrhundertealte Problem für den Zuhörer darzustellen.
Ich glaube, dass der einzige Weg für dieses Land, die enorme Wunde des Rassismus zu heilen, darin besteht, sich ihm direkt zu stellen. Solange dies nicht geschieht, wird Amerika durch das Gewicht seines rassistischen Erbes gespalten bleiben. Ich hoffe, dass dieses Streichquartett uns als Nation ein kleines Stück näher an das Ziel der Selbstreflexion bringt.
American Mosaic befasst sich in erster Linie mit der spannungsgeladenen Geschichte der Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in den USA. Vor diesem Hintergrund habe ich das Streichquartett in drei Sätzen komponiert, deren Bogen eine Reise von einem von Segregation und Feindseligkeit geprägten Anfang zu einem letztlich idyllischen und harmonischen Ende illustriert. Darüber hinaus habe ich den Instrumenten selbst symbolische Rollen zugewiesen: Die Violinen repräsentieren die weiße ›Ethnie‹ und die Viola/das Cello die schwarze ›Ethnie‹.
