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Beethoven-Jubiläum

1824: Zwei Meisterwerke entstehen

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Außenansicht des Kärntnertor-Theaters in Wien, um 1840 – Reproduktion eines anonymen Stichs aus dem 19. Jahrhundert © Beethoven-Haus Bonn, NE 81, Band VI, Nr. 1033

»Der Verfasser dieser Zeilen sitzt nun abgekühlt am Schreibepulte, doch unvergesslich wird ihm dieser Moment bleiben; Kunst und Wahrheit feiern hier ihren glänzendsten Triumph – und mit Fug und Recht könnte man sagen: non plus ultra! – Wem möchte es wohl gelingen, diese unnennbare Stelle noch zu überbieten?«

Der anonyme Rezensent des Jahres 1824, der hier seine Emotionen beim ersten Einsatz des Chors in Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie schildert, hat diesen einen Augenblick wahrscheinlich wirklich nie vergessen. Und wer käme selbst heute noch – in Zeiten der Allverfügbarkeit tausender Aufnahmen des Stückes – darauf, Körper und Geist könnten angesichts des Live-Erlebens der Neunten davon ungerührt bleiben?

Innenansicht des Kärntnertor-Theaters in Wien, um 1810 – von Matthias Artaria veröffentlichter Kupferstich nach einer anonymen Zeichnung © Beethoven-Haus Bonn, B 2419

Die neunte Sinfonie Beethovens feiert in diesem Jahr ihren 200. Uraufführungsgeburtstag. Ein Jubiläumsjahr eines Stücks, das bis heute zu den größten Feierlichkeitsanlässen aufgeführt wird und – in Form der Europahymne – einer gesamten demokratischen Idee ihren Soundtrack gibt. Das Jahr 1824 selbst war für den Komponisten ein äußerst zwiespältiges: Einerseits der Rau(s)ch der großen Uraufführungen, die der Neunten in Wiener Kärntertortheater am 7. Mai 1824 sowie die der »Missa solemnis« genau einen Monat zuvor, am 7. April 1824 in Sankt Petersburg. Andererseits hatte Beethoven mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Profanität des Alltags, Medikamente, Sorgen um den zerfallenden Körper. Und dann diese ewige Musik auf der anderen Seite, von der Beethoven ahnen durfte, dass sie wirklich ewig ist. 

Bühne und Sitzplan des Orchesters im Kärntnertortheater Wien, 1821 – Stich von Franz Xaver Stöber © Beethoven-Haus Bonn, B 2144 * P / 1816 Wien

Das andere 200-Jahre-Jubiläumswerk – die »Missa solemnis« – wurde von Beethoven selbst als unsterbliche Musik erkannt. Anfangs bezeichnete er sie als »großes Werk«, dann als »eins meiner grösten Werke« und abschließend als »das gröste Werk, welches ich bisher geschrieben«. Die eindringliche Bitte nach Frieden an ihrem Ende, das »Dona nobis pacem«, ist eine klanggewordene Utopie von vielstimmiger Übereinkunft. Eine Idee, die auch unseren Gesellschaftsentwürfen heute zugrunde liegt.

Das Beethovenfest Bonn feiert die Jubelwerke nicht nur als überkommene Bildungsgüter, sondern als Anlässe zu neuer Kreativität. Klassische Aufführungen mit Künstler:innen von Weltrang stehen ebenso auf dem Programm wie Projekte, die von den Werken ausgehend ganz eigene Wege suchen. Denn Beethoven gehört uns allen – und ist zeitgenössischer denn je.

Außenansicht des Kärntnertor-Theaters in Wien, um 1830 – Stich von Johann Wenzel Zinke nach einer Zeichnung von Eduard Gurk © Beethoven-Haus Bonn, B 2122
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Artikel von Arno Lücker
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