Lisa Clemen (*1989) ist freischaffende Designerin und bewegt sich wie ein wandelndes Multitool spielerisch zwischen verschiedenen Disziplinen. Ob Bühnenbilder für Events, klare Konzepte und Umsetzungen im Interieurdesign für Gastronomie und Urlaubsresidenzen, Set Design oder die Gestaltung von Begegnungsräumen – jede Aufgabe definiert das Format neu.
Clemen wuchs in Hamburg auf und studierte bis 2014 Kommunikationsdesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Ergänzend verbrachte sie jeweils ein Semester an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig in der Malerei sowie an der Fachhochschule Hannover im Bereich Szenografie. Ausgestattet mit diesem gestalterischen Fundament arbeitet sie seit beinahe sieben Jahren freischaffend an der Gestaltung immersiver Raumkonzepte.
Durch ihre langjährige Erfahrung mit verschiedensten No-Budget-Projekten entwickelte sie sich zum Improvisationsprofi. Gebrauchte Materialien werden von ihr gekonnt neu inszeniert, klare Farbkonzepte entwickelt und Details akribisch kuratiert. Die Grundfesten ihrer Designphilosophie liegen in einer ästhetischen Kompromisslosigkeit und prägen ein sensibles, verstehendes Auge für visuelle Sprache. Die Ausstattung ihrer Räume mit hochwertigen und einladenden Materialien versinnlicht eine Abkehr von reiner Zweckgebundenheit und stellt das ästhetische Erlebnis über die oft abwehrende deutsche Pragmatik.
Eine triste Industriehalle verändert ihre soziale Lesbarkeit, sobald riesige Kronleuchter, samtige Materialien, warmes Licht oder improvisierte Sitzlandschaften in sie eingeschrieben werden. Die ursprüngliche Funktion des Raumes verliert ihre Eindeutigkeit. Menschen wissen kurzfristig nicht mehr, welche Regeln gelten, wie sie sich verhalten sollen oder welche Rolle sie innerhalb des Raums einnehmen. Ein kleiner Karneval entsteht – eine Umkehr des Gewohnten. Genau in dieser Irritation entsteht sozialer Spielraum. Lisa Clemen schafft temporäre Gegenrealitäten, in denen Andersartigkeit gewagt und gewollt und Hierarchien sowie Formen des Zusammenkommens neu verhandelt werden können.
Sie arbeitet dabei nicht nur mit Adaption und Weiterführung bestehender Systeme, sondern ebenso mit Brüchen, Neubenennungen und Entkontextualisierungen. Humor und Abgründigkeit kommunizieren sich dabei unmittelbar über Räume – etwa in der Fülle am Ende der taumelnden Unterwelt des Casino Hangars auf dem Fusion Festival oder in der Einrichtung des Forsthauses im brandenburgischen Punkerprojekt »Alte Hölle«, dessen Themenwelten weit über die Grenzen Brandenburgs und den Denkhorizont ehemaliger Stasizentralen hinausweisen.
Im Event- und Veranstaltungsdesign findet Lisa Clemen immer wieder endlosen Raum für fantastische Ideen. So entwickelte sie in den vergangenen Jahren diverse interaktive Erlebnisräume für den Chaos Computer Congress in Hamburg und Leipzig, darunter die »Kinderstadt« (2018), eine begehbare Ministadt mit Kino, Disco, Café, Buchladen und Krankenhaus – ein spielerisches Abbild gesellschaftlicher Strukturen und sozialer Rollenbilder. Im »Wolkenschloss« (2023) verband sie Bühnenbild, Lounge und interaktives Geisterhaus zu einem Gesamterlebnis zwischen Rückzugsort und Fantasieraum.
Aufträge der Hanseatischen Materialverwaltung im Bereich Bühnen- und Platzgestaltung stehen ebenso in langer Tradition ihrer Arbeit wie ihre Beteiligung an der Performance »Virtual Genesis« von Alexander Schubert bei den Musikfestspielen der Elbphilharmonie 2020, bei der Clemen maßgeblich an Setdesign und Ausstattung beteiligt war.
Für das Beethovenfest 2026 designt und baut sie den Festival Salon, der sich im Ausstellungsraum der Beethovenhalle befinden wird.
