Als »ein Geiger, der alles kann« (Philadelphia Inquirer) bezeichnet, vereint der mit einem Grammy ausgezeichnete Geiger und Produzent Johnny Gandelsman breite kreative Interessen zu einem einzigartigen Stil. Richard Brody vom New Yorker stellte ihn in eine Reihe mit »radikal transformativen« Interpret:innen wie Maurizio Pollini, Peter Serkin und Christian Zacharias. Gandelsman ist MacArthur-Stipendiat 2024.
In der Saison 2025/26 brachte er Johnny Loves Johann zur Uraufführung. Er arbeitete darin mit den renommierten Choreografen John Heginbotham, Caili Quan, Jamar Roberts und Melissa Toogood zusammen. Das Gemeinschaftsprojekt verbindet Gandelsmans folk-inspirierte Violin-Interpretation von Bachs gesamten Cellosuiten mit einer originellen Choreografie, die von den Schöpfer:innen selbst aufgeführt wird.
Gandelsmans Aufnahme von Bachs gesamten Sonaten und Partiten für Solovioline erreichte Platz 1 der Billboard Classical Charts, schaffte es auf die Bestenlisten des Jahres des New York Magazine und der New York Times und wurde vom Boston Globe als »getragen vom Geist des Tanzes« beschrieben. Seine nächste Veröffentlichung, die Bachs gesamte Cellosuiten in einer Transkription für Violine enthielt, wurde von Publikum und Kritik gleichermaßen begeistert aufgenommen. Die New York Times beschrieb seine Interpretation als »radikal schwerelos, zuweilen scheinbar improvisiert und vollkommen im Tanz verwurzelt«.
Als im Jahr 2020 die COVID-19-Pandemie und die Waldbrände in Kalifornien wüteten, sich Amerika mit tief verwurzeltem systemischem Rassismus, Polizeigewalt und einer stark polarisierten Präsidentschaftswahl auseinandersetzen musste, rief Johnny Gandelsman das Projekt This is America ins Leben – als Form der kreativen Dokumentation und Reaktion auf eine Zeit des Umbruchs und der Entfremdung. In Zusammenarbeit mit zwanzig Konzertveranstaltern aus dem ganzen Land lud er zweiundzwanzig in den USA lebende Komponist:innen ein, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen. Die daraus entstandene Anthologie wurde als »tiefgründig und fesselnd« (NPR Music), »eine neue Vision für klassische Musik« (Pitchfork) und »möglicherweise eine der wichtigsten Aufnahmen unserer Zeit« (Gramophone) bezeichnet. Mittlerweile auf 28 Werke erweitert, hat Gandelsman This is America in ganz Nordamerika aufgeführt, darunter bei einjährigen Residenzen am Hopkins Center am Dartmouth College in der Saison 2023/24 sowie an der University of North Carolina in der Saison 2024/25.
Als leidenschaftlicher Verfechter neuer Musik hat er über 80 neue Kompositionen uraufgeführt, darunter Werke von Clarice Assad, Kinan Azmeh, Christina Courtin, Rhiannon Giddens, Osvaldo Golijov, Gonzalo Grau, Colin Jacobsen, Gabriel Kahane, Justin Messina, Matana Roberts, Caroline Shaw und Du Yun.
Als Gründungsmitglied des Streichquartetts Brooklyn Rider sowie Mitglied des Silkroad Ensembles hat er bereits mit zahlreichen Größen zusammengearbeitet, darunter Bela Fleck, Martin Hayes, Kayhan Kalhor, Yo-Yo Ma, Mark Morris, Anne Sofie von Otter, Abigail Washburn und Damian Woetzel.
Seit der Gründung seines Labels In a Circle Records im Jahr 2008 produziert er Platten. Neben seinen drei Soloalben gehören zu seinen jüngsten Aufnahmen die PBS-Dokumentarfilme The American Revolution und The U.S. and the Holocaust von Sarah Botstein. Mit Brooklyn Rider nahm er das für den Grammy nominierte Album Healing Modes auf und mit dem Silkroad Ensemble und Yo-Yo Ma das Album Sing Me Home, das den Grammy in der Kategorie Bestes Weltmusik-Album gewann. Gandelsman war bei diesem Album Koproduzent zusammen mit dem legendären Produzenten Kevin Killen (U2, Elvis Costello).
Johnny Gandelsman wurde 1978 in Moskau geboren und wanderte 1990 mit seiner Familie nach Israel aus. Seit 1999 lebt er in New York.
