Verehrtes Publikum, liebe Beethoven-Liebhaber,

alle großen Feiern zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens fielen den Maßnahmen gegen das Corona-Virus zum Opfer. Weltweit wurde abgesagt, eingeschränkt oder ins Netz verlegt. Tröstlich an diesem verheerenden Zustand ist nur das eine: Ein Komponist vom Range Beethovens braucht längst schon keine »promotion« mehr.


Ein reich ausgestattetes Beethovenfest 2020 war startbereit, die Künstler verpflichtet, die Texte und Bilder gedruckt, die Karten verkauft. Dann kam der Lockdown. Ein Großteil der Veranstaltungen konnte jedoch hinübergerettet werden in unsere Saison 2021. Und, will man genau sein, ist ein Jubeljahr 2021 stimmig: erst im Jahr 1771 durchlief das Bonner Baby, getauft am 17. Dezember 1770, sein erstes Lebensjahr…


Den Zyklus aller neun Beethoven-Symphonien zu erhalten, war Ehrensache. Nur wird er nicht mehr, wie geplant, von einem einzigen Orchester gespielt, sondern von fünf europäischen Orchestern und Dirigenten. Diese bieten uns nun verschiedene Lesarten dieser bekannten Werke und vermitteln die Idee des Weltbürgers Beethoven. Als zartes Echo erklingen »alle Neune« auch in den Klavier-Transkriptionen von Franz Liszt – nur von erlesenen Virtuosen zu meistern. Die Wiener Philharmoniker erinnern mit Schubert und Bruckner an diejenigen, die Beethovens symphonische Tradition weiterführten.


Wir bleiben groß: Die »Missa solemnis« im Kölner Dom, Stockhausens »Gruppen« und ein Konzert, das die Welterlösungsformel der Neunten noch übergipfelt. »Auferstehn, ja auferstehn« heißt es in der zweiten, der »Auferstehungssymphonie« von Gustav Mahler. Wir spüren aber auch Beethovens zukunftsträchtigen Geist, wenn uns der Pianist Marino Formenti, ausgehend von Beethovens späten Sonaten, auf eine Reise durch Moderne und Gegenwart mitnimmt oder das Ballett der Oper Lyon sich an Beethovens Streichquartette wagt. In einer installativen Arbeit setzt sich der mythenbesessene Künstler Romeo Castellucci mit Prometheus auseinander, einer Figur, die den Humanisten Beethoven faszinierte.


Mein besonderer Dank geht an die Sponsoren, die dem Beethovenfest auch in schwierigen Zeiten zur Seite gestanden sind und allen Mitwirkenden dieses »geretteten« Festes.

Ihre 
Nike Wagner