Zum Motto 2019: »Mondschein«

»Mondschein« – so das Motto des Beethovenfestes 2019. Was zunächst wie ein kleiner Anspielungs-Scherz aussieht: aha, Mondscheinsonate! – entpuppt sich als ein programmatisch fruchtbares Gelände.

So wenig wie die Dichter aller Zeiten konnten die Komponistendem Zauber dieses Erd-Trabanten widerstehen, dem silbernen Schimmer, mit dem er den Weg zeigt, wenn die Sonne verschwunden ist und alle Nähe in Ferne verwandelt, in heimliche und unheimliche. »Eile nicht, bleib, Gedankenfreund«, ruft Klopstock dem »stillen Gefährten der Nacht« zu; »Lösest endlich auch einmal / meine Seele ganz«, seufzte Goethe. Mondschein schien wie gemacht für die neue Subjektivität eines Erlebens, das in der Natur den Widerhall zum »Labyrinth der eigenen Brust« suchte und fand.

Dementsprechend bestand der Komponist darauf, dass das Vogelzwitschern, Bachgeriesel und Gewittergrollen in seiner »Pastorale« nicht als Natur-Schilderungen verstanden würden. »Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei« hatte er vorsorglich dekretiert. Und in den »Nachtmusiken« aus Mahlers siebenter Symphonie ändern auch die Vogelrufe oder ein Hörner- und Mandolinenklang nichts daran, dass es sich hier um Nacht-Visionen handelt. Das war schon in der »Nacht auf dem kahlen Berge« von Modest Mussorgsky so, wo die Hexen das Sagen und Sausen hatten ...

Nachtmusiken, Nocturnes, Serenaden, Romanzen – das waren Stücke, die ursprünglich nachts im Freien gespielt wurden, Unterhaltungsmusiken des 18. Jahrhunderts. Das änderte sich später, weitete sich instrumentell und ideell, wurde elegisch-schmerzlich. Neben Schönbergs schwerblütiger »Verklärter Nacht« und allerlei größeren und kleineren Nachtmusiken , gibt es heuer viel »Clair de lune«, »Moonglow« und »Moonlight«, Stücke, die von der süßen Ambivalenz der Stimmungen, Fantasien und Impressionen leben. Fünf »Nocturne«-Konzerte, erlesene Kammermusik, bilden einen Schwerpunkt. Mondlicht erlaubt aber auch Bizarrerien, Verfremdungen und Seltsamkeiten:

Aribert Reimann verwandelt Schumann und Brahms, Giselher Klebe übergibt die »Mondschein-Sonate« dem Horn, Enno Poppe wagt sich an Beethovens Violinkonzert und eine mexikanische Komponistin überschreibt die Renaissancelieder von John Dowland, hängt gar noch ihre »Canciones lunaticos« an. Beethovens Messe in C-Dur wird mit Werken von Nono und Lachenmann interpunktiert, Schönbergs »Pierrot lunaire« treibt sein mondsüchtiges Unwesen, und Brecht/Weill erzählen von Louisiana, »wo die Wasser des Missisippi unterm Monde fließen« ...

Große Interpreten gestalten auch in diesem Jahr das Beethovenfest, wir stellen »Originalklang« neben den modernen Orchester-Sound, wir präsentieren Theater und Tanz, Education, Jazziges und – sowieso – viel Beethoven ...

Mein herzlicher Dank geht an alle Förderer, Sponsoren und Stiftungen sowie an unseren Schirmherrn Ministerpräsident Armin Laschet – und an alle »Beethovenfestler«!

Willkommen beim Beethovenfest Bonn 2019!