Zum Motto März 2020:
»Seid umschlungen«


Mit dieser emphatischen Formel begrüßt das Beethovenfest 2020
seine Gäste in Bonn – und in der Welt. Denn ein Welt-Ereignis ist
es, wenn ein Menschheitsgenie Geburtstag hat und aus seiner
Zeitlosigkeit in die Zeit zurückkehrt, aus seiner Ewigkeit in die
Aktualität, wenn wir ein Vierteljahrtausend »Beethoven« feiern
dürfen.


»Seid umschlungen, Millionen« – darin tönt die Zuversicht der
Aufklärung, die Hoffnung auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Schiller hat diesen Appell in seine Ode »An die Freude« gesetzt.
Seinem Bruder im Geiste, Ludwig van Beethoven, kamen solche
Worte gerade recht, um den letzten, revolutionären Bruch mit
den Konventionen zu vollziehen. Mit seiner neunten Symphonie
ließ er Sprache in die absolute Musik eindringen, Musik genügte
ihm nicht, um eine Utopie universeller Menschlichkeit aufleuchten
zu lassen.


Es liegt im Wesen von Utopien, dass sie nicht Wirklichkeit werden,
aber das bedeutet nicht, dass der Appell umsonst war. Er gilt
heute mehr denn je – Millionen, die niemals »umschlungen«, niemals
»Brüder« werden … Umso mehr: Kunst. Mit seinen neun Symphonien hat Beethoven
ganze Ideen- und Empfindungswelten ausgeschritten. Die Märzwoche
des Beethovenfestes lässt »alle Neune« für sich sprechen.
Diesen unseren Beethoven-Zyklus interpunktieren wir aber mit
fünf großen Orchesterkonzerten, in denen Stimmen aus Europa
laut werden. Europa – Hoffnungsprojekt unserer Tage.
Es erklingen große späte oder letzte Werke der Meister, sie umranken
Beethovens Todestag, der in den März fiel. Aus verschiedenen
europäischen Ländern erklingen aber auch Werke zeitgenössischer
Komponisten, die auf ihre Weise dem 250 Jahre alten
Geburtstagskind huldigen. Sie beweisen: Beethoven lebt!