Orchestra of the Age of Enlightenment

Vor etwas über drei Jahrzehnten warf eine Gruppe neugieriger Londoner Musiker einen gründlichen Blick auf die seltsame Einrichtung, die wir Orchester nennen, und beschloss, noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Als Erstes warfen sie die Regeln über Bord. Ein einziger Dirigent am Pult? Niemals. Sich auf das Repertoire einer bestimmten Epoche beschränken? Zu eng gedacht. Ein Werk perfektionieren und dann zum Nächsten übergehen? Zu träge. Damit war das Orchestra of the Age of Enlightenment geboren.

Und während sich dieses bemerkenswerte Ensemble, das auf historischen Instrumenten spielt, zu etablieren begann, gab es sich selbst ein Versprechen. Es schwor sich, sich sein Leben lang zu hinterfragen, sich zu verändern und neu zu erfinden. Die Originalinstrumente sind nur ein Element dieser Suche nach Authentizität. Musik aus Barock und Klassik ist nur ein Teil des Repertoires. Wann immer das musikalische Establishment glaubte, das OAE in eine Schublade stecken zu können, folgte der nächste Schocker: eine »Symphonie fantastique« hier, ein Bach ohne Dirigent dort. Während die Musiker selbst den Ton angaben.

Zuerst schien es wie ein kleines Wunder. Ideen und Talent gab es im Übermaß, Geld hingegen nicht. Irgendwie überlebte das OAE das erste Jahr. Dann zwei. Dann fünf. Es veröffentlichte bahnbrechende Einspielungen und lockte bedeutende Dirigenten an. Es wurde zur Sensation des europäischen Tourneegeschäfts. Es erhielt renommierte Residencies im Southbank Centre und bei der Glyndebourne Festival Opera. Bald blühte und gedieh es.

In gewisser Hinsicht hat das OAE damit die Welt der klassischen Musik verändert. Es forderte renommierte Partnerorganisationen heraus und förderte auch in ihnen das Beste zutage. Symphonie- und Opernorchester begannen, seinen Rat einzuholen. Bestehende Orchester für Alte Musik wechselten auf einmal auch Dirigenten und Repertoire. In ganz Europa und Amerika wurden neue Ensembles gegründet.

Und so geht die Geschichte mit noch größerem Elan und größeren Visionen weiter. Das neue Haus am Londoner Kings Place verstärkte die Vielfalt bei Planung und musikalischer Gestaltung. Bedeutende Aufführungen erscheinen beim orchestereigenen Label OAE Released. Das Ensemble hat den Grundstein für einige der bahnbrechendsten jüngeren Inszenierungen in Glyndebourne gelegt und geht im Ausland sowie in ganz Großbritannien auf Tournee.

Dahinter stehen bemerkenswerte Menschen: Simon Rattle, Iván Fischer, Mark Elder, Vladimir Jurowski und John Butt. Alle fünf teilen sich den Titel Principal Artist.

Unter den Musikern finden sich viele aus der tapferen Anfangszeit; seither sind zahlreiche hinzugekommen. Sie alle wirken begierig und hungrig wie eh und je. Man bezeugt ihnen heute größeren Respekt, doch stellen sie sich weiter selbst in Frage. Denn sie sind stolz darauf, in keine Schublade zu passen. Und genau so wollen sie es haben.

Orchestra of the Age of Enlightenment beim Beethovenfest

13

September

14

Sa

20:00

Mondlandung und Pastorale

  • Pablo Held Klavier (Live-Filmmusik)
  • Orchestra of the Age of Enlightenment
  • Dominic Sedgwick Bariton
  • Adam Fischer Dirigent
Werke von Georges Méliès, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven
World Conference Center Bonn, Saal »New York«

2018

20

September

8

Sa

20:00

Durch Nacht zum Licht

  • Orchestra of the Age of Enlightenment
  • Adam Fischer Dirigent
Werke von Ludwig van Beethoven
Kreuzkirche