Max Herre

Max Herre hat ein neues Album gemacht. Es ist sein erstes seit sieben Jahren. Auf »Hallo Welt« verband 2012 ein wegweisender Musiker und Texter sein eigenes Erbe mit den Zeichen der Zeit. Die Platte stieg auf Platz eins der Albumcharts ein und erhielt Goldstatus, knapp 20 Jahre nach den ersten Sessions im Probekeller des Kumpels um die Ecke. Solche Karrieren sind im Rap eigentlich nicht vorgesehen. Bei Max Herre fühlte es sich natürlich an. Er legte ein (sogar noch erfolgreicheres) »MTV Unplugged«-Album nach, spielte die ganz großen Bühnen und produzierte mit seiner Ehefrau Joy Denalane das vielleicht beste zeitgenössische R&B-Album in deutscher Sprache (»Gleisdreieck«). Vor allem aber begab er sich auf die Suche. Auf die Suche nach einem Sound, der ihn selbst überraschen und neu begeistern würde. Auf die Suche nach einem Gefühl der Dringlichkeit. Auf die Suche nach seiner Geschichte. Das Ergebnis dieser Suche ist »Athen«.

»Athen« ist eine Auseinandersetzung mit der Subjektivität des Scheiterns und der Kraft neuer Anfänge. Es geht um das, was vielleicht war, und um das, was hätte sein können. Die Stücke schaffen Verbindungen zwischen Generationen und Orten, zwischen einzelnen Schicksalen und geteilten Erinnerungen. Sie lassen Verletzlichkeit zu und Fragen unbeantwortet, aber keinen Raum für Fatalismus. Es mag eine Binsenweisheit sein, aber Max Herre füllt sie auf »Athen« mit der sehr realen Bedeutung eines, ja, seines Lebens: Wo etwas endet, beginnt etwas Neues. Und eine ausgelassene Chance ist immer auch die Gelegenheit, eine andere zu nutzen.

Athen hat Max Herre auf eine Reise geschickt: im Kopf, im Studio und auch in dem Kurzfilm, der das Album begleitet und einige seiner zentralen Momente in Bilder fasst. Die Bucht von Vathy, das Haus eines Familienfreundes, der verlassene Flughafen. Die Auseinandersetzung mit dem Vater und der Mutter, die Biografie des Onkels aus Athen, die Begegnung mit dem ältesten Sohn und, natürlich, die Beziehung mit der Frau seines Lebens. »Du hast mich gesehen an meinem blinden Punkt, das Wenigste von mir«, singt Max Herre auf dem abschließenden Duett mit Joy Denalane. Er singt es mit überwältigender Schlichtheit: »Das Wenigste« ist kein groß inszenierter Homecoming-Moment, keine Überhöhung ewiger Hingabe. Vielmehr ist es ein Blick der Klarheit darauf, was das eigentlich sein könnte, diese Liebe. Was ihre Essenz ist, was sie am Leben hält, was uns am Leben hält. Die große Reise, sie endet zuhause.

Max Herre beim Beethovenfest

2021

28

September

3

Fr

20:00

»nah•dran«

  • MIKIs Takeover! Ensemble
  • & special guest
  • Jugendchor Sunrise
  • Max Herre Singer-Songwriter
Telekom Zentrale