Das Campus-Projekt

Gemeinsam musizieren und Verbindungen schaffen über geographische, stilistische und kulturelle Grenzen hinweg – das ist die tragende Idee des Campus-Projektes. Im Jahr 2001 startete das gemeinsame internationale Musik-Nachwuchsprojekt von Beethovenfest Bonn und Deutscher Welle seine Reise um den Globus und hat seitdem unzählige Mitwirkende, Uraufführungen, Probenstunden, Workshops und Konzerte erlebt – vor allem aber viele Freunde in aller Welt gefunden.




»Die Musik verdient es, studiert zu werden.« – Das Projekt

Das Campus-Projekt ist seit seiner Gründung ein zentraler Bestandteil des Bonner Festivals. Jedes Jahr geht es aufs Neue darum, junge Musiker*innen aus Deutschland mit Musiker*innen aus einem nahen oder fernen Gastland in Kontakt und Austausch zu bringen, Horizonte zu erweitern, Spieltechniken, Hörgewohnheiten und Herangehensweisen zu überprüfen und so die Entwicklung der musikalischen Jugend hier wie dort zu fördern. Dabei steht stets ein zentrales Werk Beethovens auf dem Programm, das durch Werke mit Bezug aufs Gastland ungewöhnlich beleuchtet, gebrochen oder ergänzt wird. Das Symphonieorchester der Nationalen Musikakademie der Ukraine machte 2001 den Anfang beim »internationalen Orchestercampus«, wie das Projekt zu Beginn noch hieß. In den folgenden Jahren kamen unzählige Musiker*innen aus Ländern wie Brasilien, Vietnam, Irak, Südafrika, Indien oder Mexiko hinzu. Eine Aufstellung aller Länder findet sich HIER

Ukraine 2017 | Konzert für Schulkinder in Bonn © Barbara Frommann

2016-Mexiko | Mitglieder der beiden Jugendorchester © Thomas Scheider

Besuch aus aller Welt (2001 – 2014)

In seiner ersten Phase waren beim Projekt ausländische Nachwuchsorchester an den Rhein geladen, um ein Konzertprogramm mit einem zentralen Beethoven-Werk vorzubereiten, in Workshops zu arbeiten und an Bonner Schulen kleinere Aufritte, Lectures und Konzerte zu absolvieren. Junge Musiker*innen etwa vom Cairo Conservatory of Music Orchestra, dem Orchester des Zentralen Musikkonservatoriums Peking oder dem Bilkent Youth Symphony Orchestra aus der Türkei waren in Bonn zu Gast und lebten für die Zeit ihres etwa einwöchigen Aufenthaltes zu Hause bei Bonner Bürger*innen.


 

Das Beethovenfest »abroad« (seit 2015)

Seit 2015 ist der Deutsche Musikrat ständiger Projektpartner und schafft mit dem Bundesjugendorchester (BJO) eine Brücke zum gegenseitigen Austausch, hinein ins Gastland und bei Konzerten in Bonn und Berlin. Beethovenfest und Deutsche Welle begleiten das BJO auf seinen ca. einwöchigen Auslandstourneen und laden ergänzend Musiker*innen/Solist*innen aus beiden Ländern hinzu. So spielte das deutsche Nachwuchsorchester gemeinsam mit jungen indischen Tabla-Spielern, einer Band aus der inneren Mongolei oder einem A-Cappella-Sextett aus Südafrika. Weitere Solist*innen aus Deutschland ergänzten diese vielgestaltige Mischung westlicher und ferner Klangfarben.

 

Indien 2018 | Treffen mit dem Tabla-Meister Guru Suresh Talwalkar in Mumbai © Thomas Scheider

Ukraine 2017 | Dirigientin Oksana Lyniv mit  einem Mitglied des Projektorchesters aus BJO und YsOU in Lviv © Serhiy Horobets

Ein besonderes Jahr der jüngeren Campus-Geschichte war 2017. Gemeinsam mit der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv initiierte das Dreiergespann aus Beethovenfest, Deutscher Welle und Bundesjugendorchester die Gründung des »Youth Symphony Orchestra of the Ukraine« (YsOU), des ersten nationalen Jugendorchesters der Ukraine und half, Strukturen aufzubauen und erste Probespiele durchzuführen. Ein Projektorchester aus ca. je 50 ukrainischen und deutschen Musiker*innen spielte in der Folge Konzerte in Lviv, Kiew, Bonn und Berlin. Das YsOU besteht seitdem fort und geht auf Konzertreise durch die Ukraine, Österreich und Deutschland.

»Ich schreibe lieber 10000 Noten als einen Buchstaben« – Der Kompositionsauftrag

Schon seit Beginn des Projektes ist mit dem Campus-Projekt die Vergabe eines Kompositionsauftrages der Deutschen Welle an eine junge Komponistin oder einen jungen Komponisten des jeweiligen Gastlandes verbunden. Die musikalische Tradition des Heimatlandes mit den westlichen Klängen eines Sinfonieorchesters zu verbinden ist dabei eine der Aufgabestellungen. Gitarre und Chorgesang (Mexiko) oder Akkordeonklänge (Ukraine) flossen auf diese Weise ebenso in den Orchesterklang ein wie die Darbietungen indischer Kathak-Tänzerinnen. Eine Liste mit allen bisherigen Komponist*innen findet sich HIER.
 

Indien 2018 | Die Auftragskomponisten Rakesh Chaurasiah (links) und Bernhard Schimpelsberger (rechts) mit Projektleiter Thomas Scheider © Lena Schmidt
Südafrika 2019 | Dreharbeiten der Deutschen Welle bei Proben in Johannesburg © Thomas Scheider



Die Deutsche Welle

Die Deutsche Welle ist seit Beginn der Entwicklung des Projektes beteiligt. Dem Deutschen Auslandssender kommt dabei hauptsächlich die Aufgabe zu, bei der Wahl des Partnerlandes zu helfen und den Verlauf des Projektes dokumentarisch zu begleiten. So entsteht jedes Jahr ein ca. 30minütiger Film, der im Programm der Welle weltweit ausgestrahlt wird. Das Bonner Konzert wird überdies mitgeschnitten und im Radioprogramm sowie auf den Internetseiten des Senders angeboten. Traditionell findet einen Tag nach dem Bonner Konzert eine Wiederholung in Berlin statt, ausgerichtet von der Deutschen Welle. Einige Konzertmitschnitte finden sich HIER.


 

Schirmherrschaften

Die Bedeutung des Campus-Projektes lässt sich auch an den Persönlichkeiten messen, die ihm im Laufe der Jahre ihre Unterstützung durch Übernahme der Schirmherrschaft zugesprochen haben. Unter ihnen waren beispielsweise Bundespräsident Johannes Rau und der Staatspräsident Georgiens, Eduard Schewardnadse, Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Bundespräsidenten Horst Köhler und Christian Wulff sowie zuletzt die deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel und Heiko Maas.



 

Mexiko 2016 | Zusammentreffen mit dem damaligen Außenminister Steinmeier in Mexiko © Bundespresseamt

Indien 2018 | Rheinfahrt im Rahmen der Bonner Projektphase © Lena Schmidt

»Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen!!« – Die Förderer

Nicht zuletzt durch seine zahlreichen Förderer konnte das Campus-Projekt über die Jahre wachsen, seine Bekanntheit ausbauen und sich zu einem international viel beachteten Projekt entwickeln. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Projekt seit jeher jährlich mit einem Zuschuss. Auch das Auswärtige Amt förderte einige Ausgaben des Projektes finanziell. Langjähriger Förderer ist auch das Goethe-Institut. Einzelne Teilnehmer*innen wurden durch Bayer Kultur gefördert.