Schwerpunkte 2017: Originalklang

Originalklang

Auf Quellen zurückzugreifen, ist eine unverzichtbare wissenschaftliche Devise, aber auch ein notwendiges Prinzip, wenn es um künstlerische Interpretation geht. Auf dem Gebiet der Musik gilt dies zunächst für den Notentext, aus dem die Aufführenden spielen. Es gilt aber auch für all das, was zwischen den Zeilen steht. Das Nichtfixierte umfasst weit mehr, als man im flüchtigen Überdenken annimmt –  etwa die Art der Instrumente, Besetzungsstärke, Wahl des Tempos und seiner Modifikationen, Tongebung, Synchronisation und manches andere mehr.

Es gehört zum Wesen der Tonkunst, dass ihre Werke immer wieder aus der stummen Schriftgestalt in schwingende Luft umgewandelt, gleichsam aus tiefgefrorenem Zustand zum Leben erweckt werden müssen. Dies geschieht durch Interpretation, das heißt: durch subjektives Zutun der Aufführenden. Die Geschichte der Interpretation aber schreibt sich nicht einlinig und klar gerichtet fort, sie vollzieht sich vielmehr in einem komplexen Ineinanderwirken von Weitergehen und Rückbesinnen. Die historisch informierte Aufführungspraxis bietet dafür das beste Beispiel. Ihr Interesse war und ist es, so weit wie möglich die klangliche und musiksprachliche Basis zu finden, auf der die Komponisten in ihrer Zeit aufbauen konnten.

Längst sind Originalklangensembles aus dem Musikleben nicht mehr wegzudenken; sie ergänzen die etablierten Symphonieorchester, wirken auch auf deren Bewusstsein und Ästhetik ein, und sie sind von zwei ansteckenden Eigenschaften beseelt: unstillbarem Forscherdrang und unbändiger Musizierlust. Zum Beethovenfest Bonn 2017 sind drei Ensembles aus Frankreich und Belgien eingeladen. Sie konzipierten ihre Programme um die Hauptperson, deren Epoche und um das Motto des Festivals.

FR 15.9. | 20 Uhr

Karine Deshayes und Opera Fuoco

Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Johann Wilhelm Wilms

Unsere französischen Nachbarn haben in letzter Zeit viele Ideen zur Belebung der musikalischen Traditionspflege entwickelt. Das Ensemble Opera Fuoco unter seinem Gründer David Stern machte mit einem starken Konzept auf sich aufmerksam – es rollte die Musik des 18. und 19. Jahrhunderts von der Oper her neu auf. Und stellt nun – mit Seitenblick auf Beethovens zeit- und stoffgleichen »Fidelio« – die »Leonoren-Ouvertüre« des damals in Paris höchst erfolgreichen Ferdinando Paër vor. Dazu eine Kantate von Xavier Boisselot, dem hochtalentierten Spross einer Klavierbauerfamilie, und Marguerites hinreißend liebestrunkene Romanze aus Berlioz‘ »La Damnation de Faust« – Gretchen à la française. Der Abend mündet in eine Aufführung von Beethovens heiterer Symphonie Nr. 8 – im »Originalklang « seiner Epoche.

Opera Fuoco © Studio CLASSIQUENEWS

Opera Fuoco © Studio CLASSIQUENEWS

DI 19.9. | 20 Uhr

Profeti della Quinta

Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Johann Wilhelm Wilms

Das schweizerisch-israelische Vokalensemble Profeti della Quinta beweist, dass man mit italienischen Madrigalen der Spätrenaissance um 1600 begeistern kann – dreht es sich hier doch (fast) immer um die Liebe. Fünf Sänger, die an der Basler Schola Cantorum studiert haben, bilden den Kern dieses »Propheten«-Ensembles. Ausgangspunkt ist ein Musizieren nach der Aufführungspraxis der damaligen Zeit, so lebendig und ausdrucksvoll wie nur möglich. Damals war viel los in der weltlichen Vokalmusik: Man vertonte die anspruchsvollste Lyrik von Petrarca und Tasso und lag im beständigen Wettstreit um immer tollere musikalische Kühnheiten.

FR 27.9. | 20 Uhr

Ronald Brautigam

Werke von Joseph Haydn, Ferdinand Ries und Ludwig van Beethoven

Zwei Generationen im Zeichen der »Fantasia«: Das Soloprogramm von Ronald Brautigam am Hammerklavier verbindet Werke von Haydn, Beethoven und Ferdinand Ries. Haydn mit seiner humorvollen Fantasia C-Dur, sein Nachfolger Beethoven mit den Klaviersonaten op. 27 Nr. 1 und der H-Dur-Fantasie op. 77. Beethovens Zeitgenossen sahen in diesem Werk eine Weiterführung der Improvisationen, mit denen er als Pianist in Wien für Furore gesorgt hatte. In »Le rêve« – »Der Traum« – nähert sich Beethovens Bonner Freund Ferdinand Ries der Romantik. Beethoven schätzte das Werk und schrieb dem Komponisten nach London, dass sogar einer seiner Schüler – der Erzherzog Rudolph – das Werk einstudiert habe. Welche Ehre!

Ronald Brautigam © Marco Borggreve

Ronald Brautigam © Marco Borggreve

FR 29.9. | 20 Uhr

Le Concert Olympique und Jan Caeyers

Werke von Ludwig van Beethoven

Joseph Haydn war nur für kurze Zeit Beethovens Lehrer, aber seine späten Werke waren für ihn von ausschlaggebender Bedeutung, auch die brillianten, 1794 komponierten »Londoner« Klaviersonaten in C- und Es-Dur. Wenig später entstanden Beethovens Klavier-Variationen über einen russischen Tanz, in denen sein eigenständiger Umgang mit dieser populären Gattung hörbar wird. Mit der »Waldstein-Sonate« wurde die Klaviersonate dann zu einer wirklich »großen«, der Symphonie nahestehenden Kunst. Für die europäische Wirkung der Wiener Klassik um 1800 steht hier der holländische Komponist und Pianist Johann Wilhelm Wilms – und mit dem holländischen, vielfach preisgekrönten Pianisten Ronald Brautigam wurde ein Interpret gewonnen, der sowohl auf dem modernen Flügel als auch auf dem Hammerklavier glänzend zu konzertieren versteht.

Jan Caeyers © Marco Borggreve

Jan Caeyers © Marco Borggreve

FR 29.9. | 20 Uhr

Ronald Brautigam

Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Johann Wilhelm Wilms

Joseph Haydn war nur für kurze Zeit Beethovens Lehrer, aber seine späten Werke waren für ihn von ausschlaggebender Bedeutung, auch die brillianten, 1794 komponierten »Londoner« Klaviersonaten in C- und Es-Dur. Wenig später entstanden Beethovens Klavier-Variationen über einen russischen Tanz, in denen sein eigenständiger Umgang mit dieser populären Gattung hörbar wird. Mit der »Waldstein-Sonate« wurde die Klaviersonate dann zu einer wirklich »großen«, der Symphonie nahestehenden Kunst. Für die europäische Wirkung der Wiener Klassik um 1800 steht hier der holländische Komponist und Pianist Johann Wilhelm Wilms – und mit dem holländischen, vielfach preisgekrönten Pianisten Ronald Brautigam wurde ein Interpret gewonnen, der sowohl auf dem modernen Flügel als auch auf dem Hammerklavier glänzend zu konzertieren versteht.

Ronald Brautigam © Marco Borggreve

Ronald Brautigam © Marco Borggreve

FR 30.9. | 20 Uhr

Les Musiciens du Louvre und Sébastien Rouland

Werke von Christoph W. Gluck, Joseph Haydn, Hector Berlioz, Charles Gounod und Jacques Offenbach

Les Musiciens du Louvre widmen sich den beiden bekanntesten Liebespaaren der Welt: Orpheus und Eurydike / Romeo und Julia. Unzählige Male wurden die beiden literarisch verarbeitet, vertont und auf die Bühne gebracht. Das Schicksal des antikmythologischen Paares faszinierte Gluck und Haydn, persifliert wurde es später in der Operette von Jacques Offenbach. Mit Charles Gounods »Roméo et Juliette« wurde das Shakespeare-Drama zur romantischen Oper und von Hector Berlioz gibt es die schönsten »Sommernachtsträume« – intensive Orchesterlieder. Mit diesem Streifzug durch berühmte Liebesgeschichten erobert das vielfach ausgezeichnete französische Originalklang-Ensemble auch das romantische Repertoire!

Foto: Florence Grandidier

Foto: Florence Grandidier

Alle Originalklang-Konzerte im Überblick: