Motto - Revolutionen

Es gibt keine Revolution, die ihre Ideale nicht mit »Revolutions- musiken« dynamisiert oder heroisiert hätte. Doch es gibt auch die Revolutionen in der Musik, die sich allein auf der Binnenseite abspielen und dort Umstürzlerisches inszenieren. Im Fadenkreuz dieser Schwingungen und Zusammenhänge bewegte sich das Beethovenfest 2016.

Beethoven ist die Leitfigur. Die Musiken der Französischen Revolution haben sein Schaffen geprägt, von der »Eroica« bis zur Neunten. Die »Eroica« war deshalb das zentrale Werk der Saison, vielfach gespielt und vielfach umspielt – ebenso vom Uraufführungswerk des französischen »Spektralisten« Hugues Dufourt. Aber auch für die Revolutionen in der Musik steht Beethoven beispielhaft: »Freiheit« bestehe im »Weitergehen«, wie er sagte. Deshalb erklangen viele Kompositionen, die nur in ihren Klängen hörbar machten, was musikalische Revolutionen sind. Berlioz gehört ebenso hierher wie Debussy, Strawinsky, Schönberg und Luigi Nono.

Es gab zwei Programm-Schwerpunkte, vorgezeichnet von den großen europäischen Revolutionen. Das Toulouser Nationalorchester unter Tugan Sokhiev und Les Siècles unter Francois- Xavier Roth kamen für die französische, das Ural Philharmonic Orchestra mit Boris Berezowsky und dem Ensemble um Igor Dronov für die russische Revolution. Die Krönungsmesse für Napoleon von Etienne-Nicolas Méhul hier und Sergei Prokofiews Kantate auf den 20. Jahrestag der Oktoberrevolution dort bildeten markante Eckpunkte. In Ton und Wort und Tanz erschienen auch die Revolutionen in den arabischen Ländern, deren Folgen Europa derzeit erschüttern. Und revolutionäre Aspekte vereinte ein Projekt, das in Kooperation mit der Philharmonie Köln entstand: der American Postmodern Dance.

Ein Festival muss vielfältig, darf bunt sein. Neben den Konzerten der namhaften Dirigenten – Kirill Petrenko, Eliot Gardiner, Jiří Bělohlávek und Teodor Currentzis – und neben den berühmten Solisten – Hilary Hahn, Frank Peter Zimmermann, der Monteverdi- Chor – fanden nicht nur Diskussionen statt, nicht nur Jazz, Crossover und Weltmusik, sondern auch ein extensives »Education«- Programm.

Mein herzlicher Dank geht an alle Förderer, Sponsoren und Stiftungen sowie an unsere Schirmherrin Ministerpräsidentin Hannelore Kraft – und an alle »Beethovenfestler«!

Nike Wagner
Intendantin