Zum Motto 2018: »Schicksal«

»Schicksal« – ein gewisses Pathos ist unserem Motto 2018 eigen. »Schicksal« bedeutet das Unvermeidliche, das Unbegreifliche, zwangsläufig Eintreffende – etwas, was uns schuldlos zustößt, aber das ganze Leben in den Griff nimmt. Der »Schicksals«-Begriff kommt aus ältesten Zeiten. Im antiken Griechenland waren es die Moiren, im altnordischen Bereich die Nornen, in der römischen Mythologie die Parzen, die an den Schicksals-Fäden der Menschen webten. Bei Goethe, Schiller, Hölderlin begegnen wir ihnen wieder. Stets »erhob« das Schicksal den Menschen, wenn es ihn »zermalmte«.

Für Beethoven war der Schicksalsbegriff essentiell. Er war um die dreißig, als sein Schicksal zuschlug: Die Taubheit ließ sich nicht mehr verbergen. Im Unterschied zur griechischen Tragödie aber, die den Sterblichen verbot, sich gegen ihr Schicksal aufzulehnen, rebellierte er, Beethoven, sehr wohl dagegen. Es würde ihn nicht mehr »zermalmen« dürfen. Um 1800 war das Zeitalter eines neuen Subjekt-Verständnisses angebrochen, zwischen Aufklärung und Romantik beginnt die Emanzipation nicht nur von weltlichen, sondern auch von numinos-göttlichen Autoritäten.

Als »Schicksalssymphonie« ist Beethovens Fünfte bekannt geworden. Aber sein Werk insgesamt gibt Kunde vom Aufbegehren gegen die Verbannung in die Stille – er komponierte immer mehr, »wie es ihm paßte« – gegen die Konventionen, zugleich mit berührender Innigkeit. Sein Spätwerk bleibt ein Wunderwerk. Wir hören die letzten Klaviersonaten, zusammen mit denen von Schubert, wir hören viele Werke, die »letzte Dinge« aussprechen – Spätwerke, Requien, Messen, Trauermärsche, Schicksalslieder, grandiose Geschichten vom Untergang, aber auch Zeugnisse aus modernster Schicksals-Erfahrung.

Daneben gibt es Programm-Inseln, die das musikalische Umfeld des jungen Beethoven zum Klingen bringen. Oder den Jubilar Rossini feiern. Oder Zeitgenössisches präsentieren: eine Uraufführung, die Beethovens drittes Klavierkonzert »überschreibt«, und eine Choreographie, die die Energien der »Sturm-Sonate«
aufgreift …

Willkommen beim Beethovenfest Bonn 2018!